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Paradox, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Paradoxes · Nominativ Plural: Paradoxe
Aussprache  [paʀaˈdɔks]
Worttrennung Pa-ra-dox
Wortbildung  mit ›Paradox‹ als Letztglied: Präventionsparadox · Zwillingsparadox
Herkunft zu parádoxosgriech (παράδοξος) ‘der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend, wider Erwarten, unvermutet, auffallend, sonderbar, seltsam’, gebildet aus parágriech (παρά) ‘(da)neben, gegen, wider’ (para-) und dóxagriech (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich ein (scheinbar) logischer, unauflösbarer Widerspruch; eine Aussage oder Erscheinung, die einen (scheinbar) logischen, unauflösbaren Widerspruch enthält
Synonym zu Paradoxon (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein scheinbares, unauflösbares, unauflösliches, verblüffendes, logisches, moralisches Paradox
als Akkusativobjekt: ein Paradox auflösen, verkörpern, formulieren, erkennen, erklären
in Präpositionalgruppe/-objekt: auf ein Paradox stoßen
Beispiele:
Es gibt ein Paradox, das unter Logikern als »das Paradox von der unvorhersehbaren Klassenarbeit« bekannt ist. Dabei kündigt ein Lehrer seinen Schülern an, er werde in der nächsten Woche eine unerwartete Klassenarbeit schreiben lassen. Die Schüler antworten ihm: »Unmöglich.[«] [Die Zeit, 13.02.1998]
Dieser letzte Satz hat mir übrigens deshalb Spaß gemacht, weil er ein Paradox ist, und Paradoxe schätzt man, weil sie der eigenen Schlussfolgerung Kontra geben. [Welt am Sonntag, 09.10.2016]
Zwar gesteht der Empirismus zu, daß der Verstand in die Irre gehen kann. Also ist er wenigstens frei für den Irrtum. Aber dann bliebe von der Freiheit nur übrig, daß sie uns von der Erkenntnis der Wirklichkeit abbringt. Man käme zu dem Paradox, daß wir nur dort frei sind, wo wir irren. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller. München / Wien: Carl Hanser 2004, S. 66]
Wie im Buch nimmt [im Hörspiel] jene Szene eine Schlüsselrolle ein, in der [der Schriftsteller] Harry Mulisch die Prozedur der Schöpfung zu einem Paradox umkehrt: Auroras Geburt geht ihr Tod voraus. [Süddeutsche Zeitung, 14.06.2000]
Ohne Schulden gibt es keine Wirtschaft. So kommen wir zu einem Paradox: Weil auch Staatsschulden Schulden sind und damit der Wirtschaft helfen, sind sie gut. Aber die Staatsverschuldung, die sich aus immer wieder und immer neu aufgenommenen Staatsschulden summiert, ist schlecht. [Welt am Sonntag, 20.09.1998]
»Aufgeklärtes falsches Bewußtsein«: eine solche Formulierung wählen, heißt scheinbar einen Schlag gegen die aufklärerische Tradition führen. […] Logisch handelt es sich um ein Paradox, denn wie könnte und dürfte aufgeklärtes Bewußtsein noch ein falsches sein. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft. Bd. 1. Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 38]
2.
allgemeiner durch eine Gegenüberstellung von Fakten zutage tretender, überraschender, nur auf den ersten Blick widersprüchlicher Umstand
Beispiele:
Wir haben es mit einem großen Paradox der jüngeren Baugeschichte zu tun, über das die Profession beharrlich schweigt: Als der Wohlfahrtsstaat nach dem Zweiten Weltkrieg in bester Absicht riesige Summen in den Wohnungsbau für jedermann investierte, entstanden die unwirtlichsten Siedlungen, während die von Spekulanten hastig hingestellten gründerzeitlichen Quartiere zu den populärsten Stadtvierteln wurden. [Die Welt, 02.06.2018]
Dennoch wohnt der Globalisierung ein Paradox inne: Einerseits beschert sie einer großen Mehrheit von Arbeitnehmern und Verbrauchern ein klares Mehr an Wohlstand, andererseits erzeugt sie wachsende Ängste. [Die Welt, 08.06.2018]
Amerika ist ein Land der Paradoxe. Es hat sowohl das Beste als auch das Schlechteste von allem. [Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2011]
Das »französische Paradox«, die Erfahrung, daß die Franzosen im Schnitt trotz üppiger Mahlzeiten gesünder altern, wird dem Fisch‑ und Olivenölkonsum, aber eben auch dem Weingenuß [sic!] zugeschrieben. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2006]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Paradoxon · paradox
Paradoxon n. ‘wirklich oder scheinbar widersinnige bzw. auffallende, sonderbare Behauptung, widersinniges oder unvermutetes, überraschendes Ereignis’, Übernahme (16. Jh.) von spätlat. paradoxon, griech. parádoxon (παράδοξον) ‘der allgemeinen Meinung entgegenstehender, sonderbarer (Lehr)satz’. Neben die bis heute bewahrte griech.-lat. Form (mit ihrem Plural Paradoxa) tritt gelegentlich latinisiertes Paradoxum und in neuerer Zeit auch die endungslose Form Paradox (mit dem schon im 16. Jh. bezeugten Plural Paradoxe). Der Ausdruck ist das substantivierte Neutrum von griech. parádoxos (παράδοξος) ‘der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend, wider Erwarten, unvermutet, auffallend, sonderbar, seltsam’, einer Präfixbildung (s. para-) zu griech. dóxa (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’. Daraus entlehntes paradox Adj. ‘der allgemeinen Meinung entgegenstehend, wunderbar, seltsam’, dann vor allem ‘unwahrscheinlich, widersinnig’, begegnet seit dem 17. Jh.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Antinomie · Paradox · Paradoxie · Paradoxon · Widerspruch  ●  Contradictio in adjecto  fachspr., lat. · Oxymoron  fachspr., griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Paradox‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Paradox‹.

Zitationshilfe
„Paradox“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Paradox>.

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