Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Paraphrase, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Paraphrase · Nominativ Plural: Paraphrasen
Aussprache  [paʀaˈfʀaːzə]
Worttrennung Pa-ra-phra-se
Wortzerlegung para- Phrase
Wortbildung  mit ›Paraphrase‹ als Erstglied: paraphrasieren  ·  mit ›Paraphrase‹ als Letztglied: Prosaparaphrase
Herkunft zu paráphrasisgriech (παράφρασις) ‘erweiternde und verdeutlichende Umschreibung’
eWDG

Bedeutungen

1.
verdeutlichende Umschreibung, besonders eines literarischen Textes
Beispiele:
die mittelalterliche Paraphrase eines biblischen Stoffes
Dort entstanden seine letzten Bilder, jene freien Paraphrasen zu den Formen der Erscheinungswelt [ Hesse3,555]
2.
Musik freie instrumentale Fantasie über eine (bekannte) Melodie
Beispiel:
ganz langsam schält sich aus der Paraphrase eine neue Melodie heraus [ KästnerLottchen147]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Phrase · Paraphrase · paraphrasieren · Phraseologie
Phrase f. ‘Redewendung, (leere) Redensart, Floskel’, in der Musik ‘Gruppe von Tönen, die rhythmisch und melodisch eine sinnvolle Einheit bilden’, Entlehnung (Anfang 17. Jh., zuerst im Plural Phrasen) aus spätlat. phrasis, griech. phrásis (φράσις) ‘das Sprechen, Ausdruck(sweise)’, zu griech. phrázein (φράζειν) ‘zu erkennen geben, anzeigen, zeigen, mitteilen’. Nach voraufgehendem Gebrauch der griech.-lat. Form Phrasis in dt. Texten seit dem 16. Jh. in dem (heute allgemeinsprachlich seltenen, fachsprachlich jedoch üblichen) Sinne von ‘Redewendung, Redeweise, Satz’ steht Phrase (seit Mitte 18. Jh.), besonders der Plural Phrasen (unter Einfluß von frz. phrases) für ‘leere Redensarten’; vgl. die Wendung Phrasen dreschen ‘inhaltloses, leeres Geschwätz vorbringen und wiederholen’ (19. Jh.). – Paraphrase f. ‘Umschreibung eines sprachlichen Ausdrucks, eines literarischen Textes, freie, sinngemäße Übersetzung’, in der Musik ‘freie instrumentale Fantasie über eine (bekannte) Melodie’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. paraphrasis, griech. paráphrasis (παράφρασις) ‘erweiternde und verdeutlichende Umschreibung’ (s. para-); seit dem 16. Jh. bereits in griech.-lat. Form Paraphrasis in dt. Texten bezeugt. paraphrasieren Vb. ‘(verdeutlichend) umschreiben, erklären’, in der Musik ‘(eine Melodie) instrumental in freier Fantasie gestalten’ (17. Jh.); vgl. gleichbed. frz. paraphraser. Phraseologie f. ‘Gesamtheit der bzw. Lehre von den Redewendungen einer Sprache und ihrer Typologie’ (20. Jh.), ‘leere Redensart’ (Ende 18. Jh.), ‘Redensart, Wortschatz’ (Anfang 17. Jh.); zuerst Phraseologey, nach der griech.-lat. Neubildung phraseologia des deutschen Humanisten M. Neander (eigentlich M. Neumann, 16. Jh.) für eine ‘Sammlung von Redewendungen’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beschreibung · Erklärung · Umformulierung · Umschreibung  ●  Paraphrase  griechisch · Deskription  geh., lat. · Periphrase  geh., griechisch
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Ersatzwort · Formulierungsalternative · Formulierungsvariante · Paraphrase · Stellvertreterwort · andere Bezeichnung · bedeutungsgleiches Wort · gleichbedeutender Ausdruck · variierende Formulierung  ●  Synonym  Hauptform · sinn- und sachverwandtes Wort  Jargon · anderes Wort (für)  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Paraphrase‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Paraphrase‹.

Verwendungsbeispiele für ›Paraphrase‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das wäre dann das Ende der nationalstaatlichen Paraphrase, und es würde stattfinden in ironischer Umkehrung seiner ursprünglichen Freiheit schaffenden Kraft und Vision. [Die Welt, 30.12.1999]
Nur wenig später erscheinen in französischen und deutschen Blättern Paraphrasen eben dieser Version. [Der Tagesspiegel, 28.12.1998]
Fast jede Strophe ist eine Paraphrase je eines Verses der alttestamentarischen Oden. [Wellesz, Egon: Andreas von Kreta. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 28806]
Was bleibt, ist kurz gesagt des Lebens Paraphrase, das Übel mit dem Kreuz, das Elend mit der Blase. [Die Zeit, 23.07.2007, Nr. 28]
Aber nun kommt noch jemand daher und leistet den Freundschaftsdienst einer Paraphrase, bei der nichts übrigbleibt als Spielmaterial. [Die Zeit, 11.10.1974, Nr. 42]
Zitationshilfe
„Paraphrase“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Paraphrase>.

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