Parlamentarier, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Parlamentariers · Nominativ Plural: Parlamentarier
Aussprache
WorttrennungPar-la-men-ta-ri-er
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Parlamentarier‹ als Letztglied: ↗Europaparlamentarier
eWDG, 1974

Bedeutung

Mitglied eines Parlaments, Abgeordneter
Beispiele:
ein prominenter, geschickter Parlamentarier
finnische, englische Parlamentarier wurden als Gäste begrüßt
ein Parlamentarier, der im Dorfe eine Wahlrede gehalten ... hätte [DürrenmattRichter169]
selten, DDR Mitglied der obersten Volksvertretung eines sozialistischen Staates
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Parlament · Parlamentarier · parlamentarisch · unparlamentarisch · Parlamentarismus
Parlament n. ‘aus Wahlen hervorgegangene gesetzgebende Körperschaft eines demokratischen Staates, Abgeordnetenhaus’, mhd. parlament, parlemunt ‘Besprechung, Verhandlung, Versammlung’ (2. Hälfte 13. Jh.), wohl unter Einfluß von mlat. parlamentum ‘(feierliche) Besprechung, Unterredung’ entlehnt aus afrz. parlement ‘Unterredung, (Gerichts)verhandlung, Gerichtshof, Adelsversammlung’, einer Substantivbildung zu afrz. parler, paroler ‘sprechen, reden’ (frz. parler, s. ↗parlieren). Im älteren Nhd. ist Parlament ‘Versammlung des Rates einer Stadt, Vertretung eines Landes, rechtsprechende Behörde oder gesetzgebende Körperschaft’, auch ‘höchster Gerichtshof’. Das ursprünglich der Verwaltungssprache angehörende Wort bekommt seine politische Bedeutung als ‘höchstes gewähltes Staatsorgan, Volksvertretung’ von engl. parliament (aus afrz. parlement), das semantisch auch auf frz. parlement zurückgewirkt hat. Auf deutsche Verhältnisse bezogen, wird Parlament in diesem Sinne erst durch das Frankfurter Parlament (1848) geläufig. Parlamentarier m. ‘Mitglied eines Parlaments, Abgeordneter’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. engl. parliamentarian, das ursprünglich denjenigen bezeichnet, der im englischen Bürgerkrieg (17. Jh.) auf der Seite des Parlaments stand, und in dieser Verwendung schon Ende des 18. Jhs. als Parlamentarier ins Dt. gelangt. parlamentarisch Adj. ‘das Parlament betreffend, vom Parlament gebildet oder ausgehend, in ihm üblich’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. engl. parliamentary, anfangs auf englische, dann auch auf französische, im Zusammenhang mit der Frankfurter Nationalversammlung auch auf deutsche Verhältnisse angewandt (Mitte 19. Jh.); dazu unparlamentarisch Adj. (selten Ende 18. Jh., häufiger Mitte 19. Jh.), engl. unparliamentary. Parlamentarismus m. ‘Staatsform, bei der das Parlament durch sein Gesetzgebungsrecht, durch die Mitwirkung an der Regierungsbildung und durch Kontrolle der Regierung Einfluß auf die Leitung des Staates besitzt’ (Mitte 19. Jh.), latinisierende Bildung, zunächst mit Bezug auf die damals als vorbildlich angesehene englische Verfassung; vgl. (hiernach oder nach frz. parlementarisme, 1852) jüngeres engl. parliamentarism (1870).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Abgeordneter · Delegierter · Deputierter · ↗Mandatsträger · Parlamentarier · ↗Repräsentant · ↗Volksvertreter  ●  ↗Mandatar  österr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Landtagsabgeordneter · Mitglied des Landtages  ●  MdL  Abkürzung
  • Bundestagsabgeordneter · Mitglied des Bundestages  ●  ↗MdB  Abkürzung
  • Ratsmitglied  ●  Ratsfrau  weibl. · ↗Ratsherr  männl. · Ratsherrin  weibl. · Ratmann  fachspr., männl., mittelalterlich
  • Mitglied der Bremischen Bürgerschaft  ●  MdBB  Abkürzung
  • Mitglied des Abgeordnetenhauses  ●  MdA  Abkürzung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgeordnetenhaus Altersversorgung Diät Diäten Fraktion Immunität Konvent Lobbyist Mehrheit Minister Nebeneinkünfte Regierungskoalition Regierungsmitglied Regierungsvertreter altgedient anwesend christdemokratisch debattieren einflußreich erfahren gewählt grün konservativ kurdisch liberal mitstimmen oppositionell sozialdemokratisch stimmen votieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Parlamentarier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Änderungsanträge zu einem Gesetzentwurf kann sogar jeder einzelne Parlamentarier stellen.
o. A. [mes]: Gruppenantrag. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1992]
Immerhin war aber der Einfluß auch der Parlamentarier und Parteihonoratioren noch erheblich.
Weber, Max: Politik als Beruf. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1919], S. 424
Sie würde so manchen Parlamentarier dazu bewegen, die europäische Verfassung endlich einmal zur Hand zu nehmen.
Die Welt, 25.04.2005
Hier ist das institutionelle Bewußtsein unserer Parlamentarier nicht stark genug entwickelt.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 1038
In der Schweiz hatten 124, in Frankreich 120 Parlamentarier unterschrieben.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 87
Zitationshilfe
„Parlamentarier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Parlamentarier>, abgerufen am 18.10.2019.

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