Parodie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Parodie · Nominativ Plural: Parodien
Aussprache  [paʀoˈdiː]
Worttrennung Pa-ro-die · Par-odie
Wortbildung  mit ›Parodie‹ als Erstglied: Parodist · parodieren · parodisch
Herkunft aus gleichbedeutend parodiefrz < parōdíagriech (παρῳδία) ‘eine inhaltlich ins Komische gewendete Nachahmung eines Gesanges, Liedes, Gedichtes’, eigentlich ‘Nebengesang’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich komisch-satirische Nachahmung oder Umbildung eines (berühmten, bekannten) meist künstlerischen, oft literarischen Werkes oder des Stils eines (berühmten) Künstlers
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine unfreiwillige, bitterböse, boshafte, bissige, respektlose Parodie
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Parodie auf ein Genre, eine Oper, einen Roman, Film
als Akkusativobjekt: eine Parodie drehen, schreiben, liefern, darstellen, enthalten
in Koordination: Parodie und Travestie, Persiflage, Hommage, Satire, Imitation, Karikatur
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: wie eine Parodie wirken, klingen, gelesen werden
Beispiele:
»Man darf mir nicht den Vorwurf machen, ich sei in Nebendingen zu weitschweifig: das ist so die Art der Reisenden«, schreibt de Maistre, dessen Werk auch eine sanft ironische Parodie auf zeitgenössische Abenteuer‑ und Reiseberichte und ihre Detailverliebtheit ist. [Welt am Sonntag, 08.03.2020]
Die Parodie ist im Grunde ein parasitärer Akt, der Text ist stets auf ein vorhergehendes Werk und sein Melos bezogen, das durch Übersteigerung ins Lächerliche gezogen wird. [Der Standard, 14.05.2008]
Original und Parodie: Sophia Thomalla räkelt sich im weißen Bikini, Faisal Kawusi stellt ihr Foto witzig nach. [Bild, 30.06.2020]
Gérard Genette zufolge bedeutet die Parodie die »spielerische Transformation« eines Texts. [Süddeutsche Zeitung, 25.05.2018]
Denn das Stilmittel der Parodie funktioniert eben besonders gut in narrativen Texten, in denen die Prozesse der Konsumgesellschaft beschrieben werden. [Süddeutsche Zeitung, 15.06.2009]
Auf dem einen Wandtheil zunächst über der hinabführenden Treppe waren Parodien einiger der berühmtesten italienischen Meisterwerke, des Bildnisses der »Monna Lisa« von Lionardo, der »Irdischen und himmlischen Liebe« von Tizian, der »Geburt der Venus« von Botticelli, der »Madonna di Granduca« von Raffael, von glänzend geistreicher und witziger satirischer Erfindung gemalt. [Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 02.03.1903]
übertragen In Brusthöhe, zwei Spannen von seinem Gesicht sah er diese blassen Larven, Parodien auf das Menschenantlitz. [Kubin, Alfred: Die andere Seite. München: Spangenberg 1990 [1909], S. 268]
übertragen, abwertend misslungene Imitation, AbklatschDWDS
Kollokationen:
mit Genitivattribut: eine Parodie der Demokratie
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Parodie verkommen
Beispiele:
Vermutlich auf Druck von Moskau erklärte sich Assad vor einer Woche zu vorgezogenen Präsidentenwahlen bereit. Bei den jüngsten vor zwei Jahren wurde der Diktator mit 88,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Beobachter sprachen von einer Parodie der Demokratie. [Badische Zeitung, 13.04.2016]
Zu stark ist sein verstaubtes Welt‑ und Rollenbild einem Werk verhaftet, das zur traurigen Parodie der eigenen Therapiesitzung verkommen ist. Es ist an der Zeit, dass der 82‑jährige Woody Allen erkennt, dass seine Zeit abgelaufen ist. [Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2018]
Beim 5:1 gegen den FC Schalke 04 – geradezu idealtypisch als Parodie auf einen ernsthaft zu nennenden Gegner – traf der Niederländer [Arjen Robben] dreimal. [Rhein-Zeitung, 03.03.2014]
Lange Zeit leugnete die Justiz das grassierende Unwesen [von Gerichtsdeals], diese Parodie auf den Rechtsstaat. [Die Zeit, 19.01.2007]
Was aber die elenden Dichter der Zeit aus seiner [Leibniz’] Lehre machten, das ist fast durchaus unfreiwillige Parodie. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26634]
2.
(komisch-spöttische) Unterlegung eines neuen Textes unter eine Komposition
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine burleske, köstliche, augenzwinkernde Parodie
Beispiele:
Wunderbar auch die Parodie auf den Song »Weiße Rosen aus Athen«, der mit dem neuen Text »12 Milliarden nach Athen, macht es gut, kommt recht bald wieder« neue Aktualität gewinnt. [Neue Westfälische, 29.01.2014]
Der vor allem für seine Parodien von Pop‑ und Rocksongs bekannte US‑Musiker und Komiker »Weird Al« Yankovic ist in Hollywood mit einem Stern auf dem Walk of Fame ausgezeichnet worden. [Mittelbayerische, 29.08.2018]
Überzeugt hat der Kabarettist auch bei seinem jetzigen Gastspiel. »Gutes setzt sich eben durch – das gilt auch für meinen Sessel«, meinte er als vermeintlich 90‑Jährige, die sich aus demselben altersgerecht ächzte, aber verbal flott loslegte: Mit Liedern nach melodischer Vorlage der berühmten »Schwester«, allerdings mit neuen Texten voll von Satire, Klamauk, Parodie und Comedy. [Südkurier, 20.04.2016]
Mit seinen selbst getexteten Parodien brachte er die Narrhalla zum Beben und insbesondere seine musikalische Feststellung, dass Borussia Neunkirchen mehr Tradition hat als der 1. FC Saarbrücken, brachte ihm donnernden Applaus. [Saarbrücker Zeitung, 30.01.2013]
Charakteristischer für den Gassenhauer sind jedoch die Parodien auf textlose oder auch textierte Melodien. An den Parodien von Tänzen und Märschen spiegelt sich geradezu die Geschichte dieser Gattungen seit dem Beginn des 19. Jh. wider. Es gab kaum einen Tanz oder Marsch, den man nicht mit einem Text versehen hätte. [Gudewill, Kurt: Gassenhauer. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 26063]
3.
Musik
a)
Verwendung von Teilen einer eigenen oder fremden Komposition für eine andere Komposition
Beispiele:
In der Musik stand die Parodie ursprünglich nur für die ernsthafte Umformung einer Komposition, Bach oder Händel arbeiteten damit. [Süddeutsche Zeitung, 04.09.2014]
Metamorphosen kommen in der Musik in den unterschiedlichsten Spielarten vor; eine davon ist die Parodie, also die Wiederverwendung einer bestehenden Musik in einem neuen Werk. [Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2019]
Was er über die Parodie, also die musikgeschichtliche Wiederverwendung bereits bestehender Vorlagen, sagt, ist interessant; ist sie direkt zu hören, gehen einem die Ohren auf. [Südkurier, 20.11.2014]
Das rührte an die Praxis der Parodie, also des Selbstzitats, ein im Spätbarock übliches Verfahren, von dem Gluck allerdings exzessiven Gebrauch machte. Viele Arien und Tanznummern verwendete er mehrfach, manche fünfmal in verschiedenen Werken. Zwar passte Gluck die Melodie dem jeweiligen Rollencharakter neu an, eine Parodie ist bei ihm nie eine bloße Kopie, aber der kreative Verschiebebahnhof steigerte die ohnehin herrschende Verwirrung erheblich. [Die Welt, 02.07.2014]
Frau W[…] trägt am Klavier Szenen und Lieder vor, deren Texte und Kompositionen von ihr selbst herrühren; besonders auf dem Gebiete musikalischer Parodie hat Frau W[…] mit ihren heiteren Gaben in kleinerem Kreise schon viel Beifall gefunden. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906]
b)
Vertauschung von geistlichen und weltlichen Texten und Kompositionen
Beispiele:
Wie auch weite Teile des weihnachtlichen Dauerbrenners ist es barockzeittypische »Parodie«, also geistliche Umdichtung einer kompositorisch fast unveränderten Festmusik‑Kantate, die aus der Schäferspiel‑Huldigung für einen barocken Landesfürsten eine allenfalls theologisch etwas leichtgewichtige »Osterspiel«‑Begegnung zweier Jünger und der beiden Marien am Grab des auferstandenen Christus macht. [Neue Westfälische, 01.05.2012]
Eine Weltersteinspielung wird ebenfalls dabei sein: Capella‑Leiter Christian Bonath hat den Kanon »Ceciderunt« aus Telemanns »Schulmeisterkantate« bearbeitet und als Parodie mit geistlichem Text unterlegt. [Reutlinger General-Anzeiger, 21.07.2017]
Schön war an der Aufführung, daß Ansgar Müller‑Nanninga vordergründiges Prachtgehabe vollkommen vermied, auf einfaches, sauberes, atmosphärisch dichtes Musizieren setzte. Das bekommt dem Werk, in dem fast alle Stücke sogenannte Parodien sind – die Musik stammt aus verschiedenen weltlichen Kantaten, und nur ihr Text wurde neu hinzugedichtet –, mehr als gut. [die tageszeitung, 05.12.1998]
Parodien, geistliche Textierungen weltlicher Lieder, waren, wie in jeder jungen religiösen Bewegung, so auch in der Reformation beliebt, Parodien weltlicher Liedsätze gerne verwendet. [Engel, Hans: Bearbeitung. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 6295]
Die Entstehung des Oratoriums dürfte auf Bachs Bedürfnis, eine große Zahl vorhandener und anderweit nicht nutzbarer weltlicher Kompos. durch geistliche Parodie für die Dauer verwendbar zu machen, zurückgehen. [Blume, Friedrich: Bach. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 4488]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Parodie · parodieren
Parodie f. satirische oder komische Nachbildung eines Kunstwerkes, besonders einer Dichtung, bzw. des Stiles eines berühmten Künstlers, ‘scherzhafte Nachahmung, Verspottung, Verzerrung’, Übernahme (17. Jh.) von gleichbed. frz. parodie, entlehnt aus lat. parōdia, griech. parōdía (παρῳδία) ‘eine inhaltlich ins Komische gewendete Nachahmung eines Gesanges, Liedes, Gedichtes’, eigentlich ‘Nebengesang’, Präfixbildung (s. para-) mit einer Ableitung von griech. ōdḗ, aoidḗ (ᾠδή, ἀοιδή) ‘Gesang, Lied, Gedicht’ (s. Ode). parodieren Vb. ‘in einer Parodie nachahmen, verspotten’ (17. Jh.), frz. parodier.

Thesaurus

Synonymgruppe
Glosse · Karikatur · Parodie · Persiflage · Satire · Verspottung · humoristische Verarbeitung · Überspitzung · Übertreibung · Überzeichnung  ●  Veräppelung  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Parodie‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Parodie‹.

Zitationshilfe
„Parodie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Parodie>.

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