Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Parte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Parte · Nominativ Plural: Parten · Verwendung im Singular ungebräuchlich
Aussprache  [ˈpaʁtə]
Worttrennung Par-te
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

veraltet, D-Mittelost Synonym zu Partei (4)
Beispiele:
Wenn in einem der elf Häuser noch vier Parten wohnen[,] ist das schon viel. [Leipziger Volkszeitung, 05.11.2001]
Heute gehören zur Eigentümergemeinschaft 15 Parten, wohnen 35 Leute auf dem Mühlengelände. [Thüringer Allgemeine, 22.07.2006]
Im VEB (= Volkseigener Betrieb) Robotron sitze ich mit Günter Kiesling zusammen. 1949 in der Nordstraße geboren, in einem Mietshaus mit sechs Parten, die Eltern schon dort und die Großeltern, deren kleine Fensterputzerei in der Krise kaputtging. [Neues Deutschland, 09.02.1985]
Seit der Bodenreform wohnen die Schumanns, Else und Fritz, mit anderen Parten im weitläufigen Gutshaus des enteigneten Großbauern. [Neues Deutschland, 07.04.1979]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Partei · Parte1 · Parteigänger · Parteigenosse · parteiisch · unparteiisch · parteilich · Parteilichkeit · Parteiung
Partei f. ‘Gruppe Gleichgesinnter, Vereinigung von Personen mit der gleichen politischen Überzeugung, um bestimmte Ziele durchzusetzen’, auch ‘Partner eines Vertrags, einer der beiden Gegner im Rechtsstreit’, mhd. partīe ‘Abteilung, Personengruppe, Gruppierung’, mnd. partī(g)e ‘Personenverband, Parteiung, einseitige Parteinahme, Prozeßpartei’, entlehnt aus afrz. partie ‘Teil, Gebiet, Anteil, Verteilung, Trennung, Rechtshandel, Heiratsmöglichkeit, Seite, Richtung, Gegner’, dem substantivierten Femininum des Part. Perf. von afrz. mfrz. partir ‘teilen, verteilen, trennen, sich entfernen, aufbrechen’ (frz. partir ‘abreisen, aufbrechen, losgehen’), dem lat. partīre (partītum), auch partīrī ‘teilen, trennen, zuteilen’ zugrunde liegt; dieses ist gebildet zu lat. pars (Genitiv partis) ‘Teil, Anteil, Seite’. Partei ‘Personengruppe mit gemeinsamen Interessen’, das in einigen Verwendungen noch längere Zeit im Wechsel mit später entlehntem Partie (s. d.) gebraucht wird, bezeichnet seit dem 15. Jh. auch jede der in Verhandlungen oder einem Rechtsgeschäft sich gegenüberstehenden Seiten (‘Vertragspartner, Prozeßgegner’) sowie (zuerst niederrhein.) eine Gruppe mit gemeinsamem Wohnsitz (‘Haushaltung, Familie, Mietspartei’, obsächs. Parte1 f. ); vom 16. Jh. an steht es für ‘sich von anderen sondernde politische oder konfessionelle Gesinnungsgemeinschaft’ und vereinzelt schon für ‘Heiratsmöglichkeit, zu heiratende Person’ (besonders unter dem Gesichtspunkt der Vermögensverhältnisse, hierfür seit dem 17. Jh. auch Partie, das sich schließlich durchsetzt); in der Militärsprache des 17. Jhs. ist es außerdem ‘Streifzüge unternehmende kleine Schar’. In mehreren seiner Bedeutungen, namentlich im Sinne von ‘politische Organisation’, zeigt Partei semantischen Einfluß des (ebenfalls zu afrz. mfrz. partir gehörenden) Maskulinums mfrz. frz. parti ‘Anteil, Lage, Beruf, Stand, zu heiratende Person, Entschluß, Interessengruppe, Organisation’, frz. auch ‘Trupp von Soldaten, Streifkorps’ (afrz. parti ‘Teil, Anteil, Menge, Lage’). Parteigänger m. ‘Anhänger einer politischen Richtung, einer Persönlichkeit’ (Anfang 19. Jh., meist abschätzig), zuvor ‘Führer oder Angehöriger einer Streifzüge unternehmenden Schar’ (17. Jh.). Parteigenosse m. ‘Mitglied einer politischen Partei’ (Anfang 19. Jh.), in der Sozialdemokratie seit den 70er Jahren des 19. Jhs. allmählich durch die kürzere Form Genosse (s. d.) verdrängt. parteiisch Adj. ‘einseitig für eine Partei, eine bestimmte Interessengruppe, einen von zwei Gegnern eingestellt, voreingenommen, befangen’ (16. Jh.), auch ‘einer Gruppe, Partei angehörend, zu ihr stehend’ (15. Jh.); entsprechend unparteiisch Adj. (15. Jh.). parteilich Adj. ‘eine Partei betreffend, vertretend, Partei ergreifend’ (20. Jh.), ‘parteiisch’ (15. Jh.). Parteilichkeit f. ‘theoretisches und praktisches Eintreten für die Interessen einer Partei’ (20. Jh.), ‘einseitige Stellungnahme oder Beurteilung’, auch ‘Uneinigkeit’ (um 1500). Parteiung f. ‘Zersplitterung in einander bekämpfende Parteien, Spaltung, Zwietracht’ (Ende 15. Jh.); vgl. mhd. partīen ‘(sich) in Parteien spalten’.
Zitationshilfe
„Parte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Parte#1>.

Weitere Informationen …

Parte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Parte · Nominativ Plural: Parten
Aussprache  [ˈpaʁtə]
Worttrennung Par-te
Wortbildung  mit ›Parte‹ als Erstglied: Partezettel  ·  mit ›Parte‹ als Letztglied: Trauerparte
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

A Todesanzeige, die mit der Post verschickt, persönlich verteilt oder in einer Zeitung veröffentlicht wird
Beispiele:
»Behaltet uns so in Erinnerung, wie wir in den schönsten Stunden mit Euch beisammen waren« – darum bitten die Hinterbliebenen auf der Parte stellvertretend für das tote Ehepaar. [Kronen Zeitung, 02.11.2017]
»Während der Zeit der strengen Corona‑Auflagen haben Bestattungen nur im ganz kleinen Kreis stattgefunden. Manche Hinterbliebene haben auf der Parte gebeten, zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Licht anzuzünden und gemeinsam an den Verstorbenen zu denken«, so P[…]. [OÖ Nachrichten, 24.10.2020]
Die Namen der Angehörigen suchen sich die Täter anscheinend aus Parten in Zeitungen und im Internet heraus. Dann recherchieren sie das zugehörige Bestattungsinstitut und verschicken die betrügerischen Rechnungen. [APA-Meldungen digital, 10.02.2015]
Wer eine Parte zugeschickt bekommt, sollte auf diese mit einem Hand geschriebenen [sic! handgeschriebenen] Trauerbrief antworten. Kondolieren per E‑Mail ist zwar möglich, sollte aber nicht die einzige Form bleiben. [Original Text Service, 30.10.2009]
Auf den Parten wurde ein letzter Wunsch des Verstorbenen zum Ausdruck gebracht[…]: Statt Kranz‑ und Blumenspenden sollte man den dafür vorgesehenen Betrag besser der Freiwilligen Feuerwehr […] spenden. [NÖ Nachrichten, 11.01.1999]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Parte2 f. öst. ‘Traueranzeige’, Kurzform (20. Jh.) von Partezettel, zu frz. part f. ‘Teil, Anteil, Mitteilung’ (s. Part), wohl hervorgegangen aus frz. donner part ‘Mitteilung machen’.
Zitationshilfe
„Parte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Parte#2>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Part
Parsismus
Parsing
Parser
Parsec
Partei
Parteiabzeichen
Parteiaktiv
Parteiaktivtagung
Parteiamt