Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Patt, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Patts · Nominativ Plural: Patts · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [pat]
Grundformpatt
Wortbildung  mit ›Patt‹ als Erstglied: Pattsituation
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Schach als unentschieden gewertete Stellung im Schachspiel, bei der einer der Spieler zugunfähig, aber nicht mattgesetzt ist
Beispiele:
Ein Patt ist eine Endposition einer Partie, bei der ein sich am Zug befindlicher Spieler keinen gültigen Zug mehr machen kann und sein König nicht im Schach steht. Patt ist eine spezielle Form des Remis (Unentschieden). [Schacharena-Wiki, 13.12.2010, aufgerufen am 29.08.2018]
Die Bewertung des Patts als Remis war in der Schachgeschichte längere Zeit umstritten. Im arabischen Schachspiel wurde das Patt als Gewinn für die stärkere Partei gerechnet. Im europäischen Schach, speziell in Italien und Frankreich, herrschte die Einstufung als Remis vor. [Patt, aufgerufen am 23.05.2017]
Kein Tag vergeht[,] ohne dass ich mit drei oder vier Jungs eine Schach Partie bestreite. JA ist dabei mein härtester Gegner[,] der mir bereits drei Mal ein Patt abverlangt hat. [Tagesbericht vom 16. Mai 2015, 16.05.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] ich habe mein kleines Taschenschachspiel mitgenommen, und nach einer Stunde voll Stirnrunzeln, Abtauschen, Rochaden, Gardez’, mehrmaligen Warnungen »Schach« kommen wir wieder zu einem Patt. [Bachmann, Ingeborg: Malina. Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 45]
Patt (vom ital. patto, Vertrag), beim Schachspiel die Stellung, in welcher ein König der am Zuge befindlichen Partei nicht ziehen kann, ohne ins Schach zu kommen und ohne daß gleichzeitig ein anderer Stein dieser Partei sich regelrecht bewegen kann […]. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 54944]
2.
übertragen
a)
unentschiedene Situation, aus der keine von mehreren beteiligten Parteien einen Vorteil ziehen kann
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das lähmende, atomare, machtpolitische Patt
als Akkusativobjekt: das Patt auflösen, überwinden
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Ausweg aus dem Patt; auf ein Patt hinauslaufen
mit Prädikativ: ein Patt ist möglich
Beispiele:
In Osteuropa besteht ein Patt: Weder will der Westen Russlands Anspruch auf eine Zone des privilegierten Einflusses akzeptieren, noch ist Moskau bereit, die volle Souveränität von Ländern wie der Ukraine zu akzeptieren. Da öffnen sich wenig Handlungsoptionen. [Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2016]
Nachdem es in drei Wahlgängen ein Patt gab und keine Kandidatin die nötige Mehrheit hatte, stimmten beim vierten Anlauf 122 Delegierte für Brinker [als Landesvorsitzende der Berliner AfD] und 120 für von Storch. [Süddeutsche Zeitung, 15.03.2021]
Kürzlich, bei einer der Jury‑Sitzungen des Münchner Tukan‑Preises [ein Literaturpreis], kam es zum Patt. Als einer der Juroren musste ich schmunzeln, denn das Abstimmungsverhalten spiegelte offenbar geschlechtstypische Ansichten: Wir männlichen Mitglieder waren FÜR ein bestimmtes Exposé, unsere Kolleginnen DAGEGEN. [Das Abstimmungsverhalten von Frauen und Männern in Literaturjurys, 26.07.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
Offenbar herrscht […] zwischen allen Fraktionen mittlerweile eine Art moralischen Patts, das auch die Regierung gelähmt hat: Keine Partei mag der anderen mehr einen Vorwurf machen, wenn bei einzelnen ihrer Abgeordneten die Verquickung von Geschäft und Mandat, von Privatinteresse und parlamentarischer Funktion ruchbar wird. [Die Zeit, 01.09.1972]
Da dieses »atomare Patt« für beide Seiten [die zur Nato oder zum Warschauer Pakt gehörenden Staaten] das tödliche Risiko eines atomaren Vernichtungsschlages in sich berge, so folgern imperialistische Militärs […], wirke es als »Gleichgewicht des Schreckens« und halte beide Seiten von der Anwendung nuklearer und thermonuklearer Waffen ab, bewahre damit gewissermaßen automatisch die Menschheit vor den Schrecken eines Atomkrieges. [Einheit, 26/6 (1971)]
b)
Situation, in der man sich zwischen mehreren Möglichkeiten nicht entscheiden kann
Beispiele:
Nehmen wir als Beispiel eine Person, die von sich glaubt, einer Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Sie befindet sich in einem geistigen Patt und findet keine Lösung. [Was sind Incisive Questions?, 11.03.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Insgesamt werden die Nichtverarbeitung der Trennung von wichtiger Bezugsperson, […] die Abhängigkeit von äußeren/inneren Objekten (Idealbildungen) und das Patt zwischen teils verborgender [sic!] Abhängigkeit und nicht realisierbaren Individuierungswünschen als wesentliche Faktoren der depressiven Vulnerabilität angesehen. [Depression verstehen und überwinden, 06.07.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
S[…] ironisiert nicht nur die Strategien von Furcht und Vorsicht, sondern auch diejenigen von Courage und Schulterschluss. Dadurch kommt es zum logischen Patt: im Rückblick bleibt für die damaligen Schweizerinnen und Schweizer keine moralisch akzeptable Verhaltensvariante mehr übrig. [Neue Zürcher Zeitung, 19.11.1997]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

patt · Patt
patt Adj. (nur prädikativ) ‘zugunfähig’ (im Schachspiel), d. h. keinen Zug machen könnend, ohne seinen König ins Schach zu bringen, daher ‘unentschieden’, Übernahme (Mitte 19. Jh.) von gleichbed. frz. pat, auch substantivisch ‘Zug, der den König zwingen würde, sich ins Schach, also matt zu setzen’, entlehnt aus ital. patta ‘das Gleichsein, Unentschiedensein’ (in Wendungen wie esser patta ‘unentschieden, quitt sein’, far patta ‘remis machen’) mit lautlicher Angleichung an den Schachausdruck frz. mat (s. matt2). Ital. patta ist wahrscheinlich gebildet zu ital. pattare ‘quitt sein’ (im Spiel), einer Ableitung von ital. patto ‘Vertrag, Vergleich’ (aus lat. pactum ‘Vertrag’). Dazu Patt n. ‘(als unentschieden gewertete) Stellung im Schachspiel, bei der eine Partei patt ist’ (Mitte 19. Jh.), entsprechend frz. pat m. (s. oben). Übertragen ‘Situation, in der keine Partei einen Vorteil erringen kann’ (2. Hälfte 20. Jh.), vgl. militärisches, atomares Patt.

Typische Verbindungen zu ›Patt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Patt‹.

Zitationshilfe
„Patt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Patt>.

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