Pein, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pein · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Pein‹ als Erstglied: ↗peinsam · ↗peinvoll
 ·  mit ›Pein‹ als Letztglied: ↗Herzenspein · ↗Liebespein
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben (psychischer) Schmerz, Qual
Beispiele:
seelische, körperliche, schwere, heftige Pein
Pein erleiden, empfinden
jmdn. aus Not und Pein erlösen
das schlechte Gewissen macht, bereitet jmdm. Pein
ich fühle in mir die Pein der Bereuenden [St. ZweigNovellen88]
Das Pentagramma macht dir Pein [GoetheFaust1396]
Beschwernis, Last, Bedrängnis
Beispiele:
Den Ernst und den Zwang und die Pein deines Schicksals kenne ich [G. Hauptm.AngermannIV]
Lesen Sie oft in Goethes großem Gedicht! ... Es söhnt uns aus mit der Pein des engen Erdenlebens [NollHolt2,359]
die ewige Pein Religion Höllenstrafe, Höllenqual
Beispiel:
dies Zwacken, Strecken, Schrauben und Sengen sei ja offenbar einer kindlich verblendeten Phantasie entsprungen, dem Wunsche nach frommer Nachahmung dessen, was an den jenseitigen Stätten ewiger Pein geschah [Th. MannZauberb.2,649]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pein · peinigen · Peinigung · peinlich · pingelig
Pein f. ‘Strafe, Qual, Schmerz’, ahd. pīna (8. Jh.), mhd. mnd. pīne, pīn ‘Mühseligkeit, Drangsal, Marter, Not’, asächs. pīna, afries. mnl. pīne, nl. pijn. Das Wort gelangt mit dem Christentum in das Germ. (frühe abgeleitete Formen zeigen im Ahd. verschobenen Anlaut, s. unten). Es ist entlehnt aus mlat. pena ‘Strafe, Buße, Höllenqual, Folter, Mühe, Schwierigkeit’ (dessen geschlossenes, im Vlat. entwickeltes ē mit ahd. ī wiedergegeben wird), lat. poena, griech. poinḗ (ποινή) ‘Sühne, Strafe, Rache’, lat. auch ‘Qual’. peinigen Vb. ‘Schmerzen zufügen, quälen’, mhd. pīnegen, pīnigen, pīngen, mnd. pīnigen; vgl. älteres ahd. pīnōn und (entsprechend der Lautverschiebung) phīnōn (8. Jh.), mhd. pīnen, nhd. (älter) peinen; dazu Peinigung f. spätmhd. pīnegunge, pīnigunge; vgl. ahd. phīnunga (um 800), spätmhd. pīnunge. peinlich Adj. ‘qualvoll, schmerzlich, unangenehm, beschämend’, älter (in der Gerichtssprache) ‘mit Folterschmerzen verbunden’ (16. Jh.; vgl. peinliche Frage ‘Befragung unter Anwendung bzw. Androhung der Folter’), ‘innerliche Unruhe, Verlegenheit bereitend, innerlich quälend, voller Eifer’ (16. Jh.), danach ‘gewissenhaft, übertrieben sorgfältig’ (Mitte 18. Jh.), mhd. pīnlich ‘schmerzlich, quälend, grausam, straffällig, strafwürdig’. Von Köln aus (seit dem 19., bes. in der 2. Hälfte des 20. Jhs.) verbreitet sich die westd. Form pingelig Adj. ‘übertrieben gewissenhaft, übergenau, kleinlich, heikel’, aus rhein. pingelich, pingelije ‘sehr empfindlich, zimperlich, peinlich genau’ zu Ping(k), der mundartlichen Entsprechung von hd. Pein.

Thesaurus

Synonymgruppe
Agonie · ↗Qual · ↗Quälerei · ↗Strapaze · ↗Tortur  ●  ↗Hölle  ugs.
Synonymgruppe
Leid · ↗Schmerz · ↗Weh
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Drangsal · ↗Folter · ↗Folterung · ↗Höllenpein · ↗Höllenqual · ↗Marter · ↗Misshandlung · ↗Peinigung · ↗Quälerei · ↗Tortur
Unterbegriffe
  • Auspeitschen · ↗Flagellation · ↗Geißelung
  • saubere Folter · weiße Folter
  • hochnotpeinliche Befragung · peinliche Befragung · scharfe Frage
Assoziationen
  • Generalinquisitor · ↗Großinquisitor
  • Stachelrolle · gespickter Hase
  • Spanischer Bock · Spanischer Reiter · Spanisches Pferd
  • Bogerschaukel · Papageienschaukel
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Leiden Liane Linderung Lust Marter Moser Not Peinlichkeit Qual Scham Schmerz arge befreien bereitet erlittene erlöst erspart ertragen ewige körperliche lindern physische psychische schwebender seelische unerträgliche unsägliche verursacht überlaßt

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbst der chronisch entzündete Fuß bereitet ihr beim Tanz keine Pein mehr.
Die Welt, 16.01.2001
Dabei ist es vornehmlich die Pein des Erinnerns selbst, die hier thematisiert ist.
Der Tagesspiegel, 06.03.1998
Was ich heute lachend erzählen kann, das war vor dreißig Jahren eine Pein, über die ich zuweilen vor Wut hätte heulen mögen.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 17919
In der sicheren Luft bäuerlicher Tage erlitt er Peinen wie ein Erstickender.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 26
Eugen war totenblaß geworden und eine unsägliche Pein schnürte ihm das Herz zusammen.
Meysenbug, Malwida von: Unerfüllt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1907], S. 3425
Zitationshilfe
„Pein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pein>, abgerufen am 17.10.2017.

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