Pelle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pelle · Nominativ Plural: Pellen · Verwendung im Plural ungebräuchlich
Aussprache  [ˈpɛlə]
Worttrennung Pel-le
Wortbildung  mit ›Pelle‹ als Letztglied: Wurstpelle
Herkunft aus pellislat ‘Fell, Haut’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich
a)
Darm eines Schweins oder dünne Folie aus Kunststoff als Hülle um eine Wurst
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: die Pelle abziehen, aufschneiden
Beispiele:
Wusstest du, dass Würste eine besondere Haut haben? Für diese Hülle oder Pelle nimmt man jedoch nicht die Haut von Tieren, sondern etwas anderes: den Darm. Der Darm ist wie ein meterlanger Schlauch. Er eignet sich also ziemlich gut, um damit Würste zu machen. Die Fleischmasse wird dazu in diesen Schlauch gefüllt. [Dresdner Neueste Nachrichten, 28.03.2020]
Touristen lieben die Münchner Weißwurst. […] Nur das mit dem Zuzeln, der einzig wahren Form des korrekten Weißwurst‑Verzehrs, das bekommen sie auf Anhieb nicht so richtig hin. Sobald Neulinge Gabel oder Messer auf die Pelle ansetzen, um die Wurst zu zerschneiden, bekommen sie in bayerischen Biergärten prompt Gesellschaft vom Nebentisch. Die zeigt dann, wie es geht. [Welt am Sonntag, 22.10.2017]
Die Fleischmasse muss in den Darm. Der steht zunächst unscheinbar in einem Schüsselchen voller Wasser auf dem Tisch und wird nun über das Füllrohr der Wurstmaschine gespannt. Nun braucht es wieder Gefühl, um das Brät gleichmäßig in die Pelle zu drücken, bevor die mit beherzten Schwüngen zu mehr oder weniger gleichmäßigen Würsten abgedreht wird. [Rhein-Zeitung, 30.12.2014]
Die aus gehacktem Schafsherz und ‑lunge mit Gewürzen und Haferschleim gefertigte Wurst in einer Pelle aus Schafsmagen wird gekocht und traditionell mit einem Glas schottischem Whisky genossen. [Der Spiegel, 03.08.2009 (online)]
1,5 Millionen Currywürste stellt die hauseigene Schlachterei im Jahr her. […] Die […] Wurstfüllmaschine presst das Brät in einen aufgewickelten Kunstdarm, exakt 185 Gramm Fleisch füllen die Pelle, dann dreht die Maschine den Darm um 90 Grad fertig ist die Wurst. [Die Zeit, 17.01.2008]
b)
dünne Haut oder Schale von Gemüse, Kartoffeln o. Ä.
Beispiele:
Ich schob Paprika in den Ofen, bis die Pelle Blasen warf, briet Zucchini‑Streifen mit Knoblauch in Olivenöl, garnierte mit Weißkäse und Schinken. [Saarbrücker Zeitung, 20.10.2014]
[Rezept:] Alle frischen Zutaten klein schnippeln, Kartoffeln bissfest kochen und mit Pelle in Scheiben schneiden, Bohnen gar kochen. [Hamburger Abendblatt, 17.06.2010]
Die Zwiebeln sowie der Knoblauch werden zuerst von ihrer Pelle befreit und anschließend in kleine Würfel geschnitten. [Champignons mit Füllung, 17.03.2009, aufgerufen am 01.09.2020]
Zubereitung: Kartoffeln in der Pelle 25 Minuten kochen. [Bild am Sonntag, 14.01.2001]
Aufgespießt auf den angespitzten Haselstöcken garten die Kartoffeln in der Glut; erst wenn die Pelle vollkommen schwarz und verkohlt aussah, wurden sie von den Kindern aus dem Feuer genommen. [Saarbrücker Zeitung, 13.10.1994]
c)
übertragen
α)
abwertend
Phrasem:
wie die Wurst in der Pelle (= sehr gedrängt, weil wenig Platz vorhanden oder die Kleidung zu eng ist)
Beispiele:
Ich spielte ein Zimmermädchen, musste ein furchtbares Kostüm anziehen und habe mich gefühlt wie eine Wurst in der Pelle [denn das Kostüm war sehr eng]. [Neue Osnabrücker Zeitung, 20.02.2016]
Kann ich das tragen oder seh ich dann aus wie eine Wurst in der Pelle (= als wäre ich zu dick)? [Die Sache mit dem #waagnis oder wie ich mein Gewicht lieben lernte!, 13.06.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Diese Fahrrad‑T‑Shirts sollen ja ganz wunderbar sein, sagt der Verkäufer im Fachgeschäft. »Der Schweiß bleibt nicht auf der Haut, sondern wird nach außen transportiert.« Naja, mag sein. Aber darin sieht man aus wie die Wurst in der Pelle. [Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001]
Im roten[,] hautengen Paillettenkleid ähnelte die Schauspielerin eher einer Wurst in der Pelle – da half auch das Baucheinziehen nicht [denn sie war zu dick für das Kleid]. [Bild am Sonntag, 07.01.2001]
β)
Phrasem:
jmdm. auf der Pelle liegen, sitzen (= eine andere Person belästigen, indem man immer in deren Nähe ist oder in sehr kurzen Abständen immer wieder Kontakt zu ihr aufnimmt)
Beispiele:
Vielleicht liegt das ja wirklich am Wetter, denn dann können die Kinder den ganzen Tag draußen spielen, sitzen sich nicht gegenseitig auf der Pelle. [Saarbrücker Zeitung, 07.07.2017]
Nur die Hälfte der Gefangenen in seiner Abteilung hat Arbeit in den anstaltseigenen Betrieben, der Küche oder Bäckerei, der Wäscherei oder der Werkstatt. Die anderen sitzen sich Tag und Nacht auf der Pelle, wenn sie nicht mal in den Kraftraum oder zum Fußball gehen oder sich in einem der Zirkel, die angeboten werden, beschäftigen. [Schweriner Volkszeitung, 16.06.2008]
Am Montag hieß es wieder Abschied nehmen von alten und von neuen Freunden. Und hier verabschiedete sich kaum einer nur mit einem Händedruck, man nahm den Freund oder die Freundin in den Arm und versprach, sich irgendwann wieder einmal zu treffen. […] Freundschaften halten länger, wenn man sich nicht auf der Pelle liegt und in Abständen aber dafür umso herzlicher festet. [Südkurier, 01.06.2004]
Der Volksmund weiß zu berichten, dass eine Ehe gut läuft, wenn sich die Partner nicht ständig auf der Pelle liegen. [Rhein-Zeitung, 06.01.2004]
γ)
Phrasem:
jmd., etw. rückt jmdm. auf die Pelle (= jmd., etw. ist immer in jmds. Nähe oder nimmt regelmäßig Kontakt zu jmdm. auf, um diese Person zu bedrohen oder zu belästigen)
Beispiele:
Fast aufdringlich rückt die Kamera der Königin Karthagos auf die Pelle, das Video zeigt Falten und Fältchen, zeigt, wie sich die Königin den Ehering vom Finger zieht, zeigt Wimpern und ein Auge, in dessen Pupille sich ein Lichterkranz spiegelt. [Neue Osnabrücker Zeitung, 28.09.2020]
Beinahe schon übergriffig sind Supermarktkunden, die einem an der Kasse so unangenehm dicht auf die Pelle rücken, dass ihr Atem im Nacken spürbar ist. [Kieler Nachrichten, 04.09.2020]
Anstatt auf der freien Hauptspur der Autobahn zu bleiben, war er [der Raser] auf der Überholspur mit 138 km/h einem Vorausfahrenden 26 Meter auf die Pelle gerückt. [Schweriner Volkszeitung, 06.04.2013]
Gegenwärtig macht sich im Zürichsee der sogenannte Höckerflohkrebs breit, der dem einheimischen Bachflohkrebs auf die Pelle rückt. [Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2006]
übertragen Das Berliner Banken‑Start‑up Number26 expandiert in Europa und rückt den etablierten Geldhäusern damit enger auf die Pelle. [Der Standard, 03.12.2015]
δ)
Phrasem:
jmdm. von der Pelle bleiben (= jemanden nicht belästigen)
Beispiele:
Und der nächtliche Regen muss intensiver gewesen sein als ich dachte. Der Pfad im Tiergarten wird zur fiesen Rutschpartie über schmierigen Modder. Der Vorteil: Die Spaziergänger bleiben mir weitgehend von der Pelle! Sie bevorzugen asphaltierte Wege und ich kann in Ruhe meine Runde drehen. [Trümmerfrau, 18.03.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
»Ich habe dich zum Fressen gern« und »Bleib mir bloß von der Pelle« sind die zwei extremen Pole, mit denen das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz sprichwörtlich beschrieben wird. [Südkurier, 26.11.2007]
Bleib mir bloss von der Pelle (= lass mich in Ruhe), ok? [Boyz’n the Hood, 1991, aufgerufen am 31.10.2014]
2.
veraltend
Phrasem:
jmdm. von der Pelle gehen (= aufhören, eine andere Person zu belästigen oder zu verfolgen)
Beispiele:
Die ganze Zeit hatten wir kein Wort gesprochen. Als ich abends nach Hause kam, fiel mir gleich auf, daß Cornelia anders war als sonst, irgendwie zapplig, innerlich aufgescheucht. Das kam bei jeder Bewegung durch, bei jeder Geste, bei jedem Wort. Den ganzen Abend ging sie mir nicht von der Pelle. [Berliner Zeitung, 07.08.1968]
»Ach, Mensch, da hat einer was ausgefressen, und dem gehen wir nicht mehr von der Pelle«, erklärte Gustav. [Kästner, Erich: Emil und die Detektive. Hamburg: Dressler 1991 [1928], S. 94]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pelle · pellen · Pellkartoffel
Pelle f. ‘dünne Haut, Fruchtschale, Wursthaut, Schale der gekochten Kartoffel’. Mnl. pelle ‘Vlies, wolliges Fell’ (nl. pel ‘Schale, Haut, Fell’) beruht auf einer zur Römerzeit erfolgten Entlehnung aus lat. pellis ‘Fell, Haut, Pelz’ (s. Fell, Pelz). Das Substantiv verbreitet sich in den oben genannten Bedeutungen durch niederländische Siedler in der Mark, Nordthüringen, gelangt von da ins Omd., ins Mecklenb. und Balt. Es ist zunächst wohl ein Wort der Umgangssprache, denn literarische Bezeugung setzt erst im 18. Jh. ein. Dazu die Wendungen jmdm. auf die Pelle rücken, auf der Pelle sitzen, nicht von der Pelle gehen (19. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet pellen Vb. ‘schälen’ (Ende 18. Jh.). Pellkartoffel f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Haut · Wursthaut  ●  Pelle  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Pelle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pelle‹.

Zitationshilfe
„Pelle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pelle>, abgerufen am 18.09.2021.

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