Perspektive, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Perspektive · Nominativ Plural: Perspektiven
Aussprache  [pɛʁspɛkˈtiːvə]
Worttrennung Per-spek-ti-ve · Pers-pek-ti-ve
Herkunft zu perspicerelat ‘mit dem Blick durchdringen, deutlich sehen, erkennen, wahrnehmen’ < specerelat ‘sehen’
eWDG

Bedeutungen

1.
Aussicht für die Zukunft
Beispiele:
eine klare, feste, gute, glückliche, große, noch nie dagewesene, veränderte Perspektive
ungeahnte Perspektiven ergeben, eröffnen sich
Perspektiven sehen, analysieren
etw. in einer vielversprechenden Perspektive betrachten
Hat er sich nie mit Ihnen über die weitere Perspektive unterhalten? [ NollHolt1,327]
auf der Grundlage prognostischer Einschätzungen vorauszusehende Entwicklung, Entwicklungsmöglichkeit
Beispiele:
die Perspektive des Sozialismus
der Redner zeigte die Perspektiven der chemischen Industrie
der Export wird in der Perspektive zunehmen
berufliche Entwicklungsmöglichkeit
Beispiele:
jmdm. eine Perspektive geben
welche Perspektiven haben Sie?
dieser Beruf hat heute keine Perspektive mehr
2.
Mathematik, bildende Kunst Darstellung räumlicher Gegenstände auf ebener Fläche, von einem an einem bestimmten Punkt befindlichen Betrachter aus gesehen, wobei die in die Raumtiefe laufenden Parallelen gesetzmäßig verkürzt und in einem Punkt zusammenlaufend erscheinen, sodass Raumwirkung entsteht
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Perspektive einer Zeichnung, eines Bildes
der Fotograf nahm den Turm in einer neuen Perspektive (= Sicht) auf
auf einmal stand es [das Gebirge] zum Anstoßen nahe und gleichsam ohne Perspektive (= ohne räumliche Verkürzung) über den Dächern von Lur [ H. Lebertin: Österr. Erzähler2,152]
übertragen Sicht, Standpunkt
Beispiele:
aus soziologischer, historischer Perspektive
er sieht die Welt aus der Perspektive des Künstlers
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Perspektive · perspektivisch
Perspektive f. ‘Darstellung des Raumes und räumlicher Gegenstände auf ebener Fläche mit räumlicher Wirkung, Raumsicht, Ausblick, Aussicht (für die Zukunft)’. Das aus der Fügung mlat. (ars) perspectiva ‘(Wissenschaft) von der Brechung der Lichtstrahlen’, eigentlich ‘durchblickende Kunst’, entstandene substantivierte Fem. wird im 16. Jh. als Begriff der Malerei ins Dt. entlehnt. Zugrunde liegt mlat. perspectivus ‘durchblickend, die Brechung der Lichtstrahlen betreffend’, zu lat. perspicere (perspectum) ‘mit dem Blick durchdringen, deutlich sehen, erkennen, wahrnehmen’; vgl. lat. specere ‘sehen’. Die Bedeutung ‘Zukunftsaussicht’ kommt im 18. Jh. (nach frz. engl. perspective) auf, während der Gebrauch im Sinne von ‘auf der Grundlage prognostischer Einschätzungen vorauszusehende Entwicklung, Entwicklungsmöglichkeit’ (2. Hälfte 20. Jh.) Einfluß von russ. perspektíva (перспектива) zeigt. perspektivisch Adj. ‘den Gesetzen der Perspektive entsprechend, die Perspektive betreffend, (raum)bildlich’ (16. Jh.), ‘auf die Zukunft gerichtet’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausdeutung · Auslegung · Deutung · Exegese · Interpretation · Lesart · Perspektive · Sichtweise · Version  ●  Spin  Jargon, fig. · Bedeutung  geh.
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Perspektive · Ziel · Zielsetzung · Zielvorstellung · Zweck
Synonymgruppe
(unverstellter) Blick auf · Perspektive · Sichtachse
Synonymgruppe
(günstige) Gelegenheit · Aussicht · Chance · Möglichkeit · Option · Perspektive · Weg  ●  (da) lässt sich was machen  ugs., Spruch · Gunst der Stunde  ugs.
Synonymgruppe
(berufliches) Fortkommen · Zukunftsaussicht(en) · berufliche Entwicklungsmöglichkeit  ●  Perspektive  fig., Hauptform · Zukunft  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Perspektive‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Perspektive‹.

Verwendungsbeispiele für ›Perspektive‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als dessen Perspektive aber wird der Untergang selbst der Technik absehbar. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 129]
Hat er sich nie mit Ihnen über die weitere Perspektive unterhalten? [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 329]
Sie setzt die alte strategische Perspektive nur noch um so intensiver fort. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 882]
Das Bild von sich selbst, vom Leben, von den eigenen Perspektiven ist grau, düster, schwarz. [Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 66]
Doch haben wir aus dieser Perspektive annähernd so viel Auto vor der Nase wie in anderen Wagen auch. [Die Zeit, 13.04.2000, Nr. 16]
Zitationshilfe
„Perspektive“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Perspektive>.

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