Pfeife, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pfeife · Nominativ Plural: Pfeifen
Aussprache
WorttrennungPfei-fe
Wortbildung mit ›Pfeife‹ als Erstglied: ↗Pfeifchen · ↗Pfeifendeckel · ↗Pfeifenkopf · ↗Pfeifenmann · ↗Pfeifenraucher · ↗Pfeifenreiniger · ↗Pfeifenrohr · ↗Pfeifensignal · ↗Pfeifenspitze · ↗Pfeifenstrauch · ↗Pfeifentabak · ↗Pfeifenwerk
 ·  mit ›Pfeife‹ als Letztglied: ↗Abendpfeife · ↗Backpfeife · ↗Bordunpfeife · ↗Dampfpfeife · ↗Deckelpfeife · ↗Fabrikpfeife · ↗Flachpfeife · ↗Friedenspfeife · ↗Kuckuckspfeife · ↗Meerschaumpfeife · ↗Opiumpfeife · ↗Orgelpfeife · ↗Querpfeife · ↗Sackpfeife · ↗Shagpfeife · ↗Signalpfeife · ↗Stimmpfeife · ↗Stummelpfeife · ↗Tabakpfeife · ↗Tabakspfeife · ↗Tonpfeife · ↗Trillerpfeife · ↗Wasserpfeife · ↗Weichselpfeife
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
der Flöte ähnliches, einfaches, kleines, aus einer Röhre mit Mundstück und Grifflöchern bestehendes Musikinstrument
Beispiele:
[…] in den Gängen sind im Musikmuseum Basel auf dem Leonhardshügel über 600 Instrumente zu bewundern: Tasten-, Blas-, Streich- und Schlaginstrumente von alten Tischorgeln bis zu Pfeifen, Trommeln und Schalmeien. [Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2006]
Der Klang von einem Dutzend Dudelsäcken war so unwiderstehlich wie die Pfeife des Rattenfängers von Hameln. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2005]
Da die Rohrlänge bei Zungenpfeifen nur einen geringen Einfluß auf die Tonhöhe der Pfeife hat, ändert sich die Stimmung der Rohrwerke viel weniger mit der Lufttemperatur als die der Labialpfeifen. [Hortschansky, Klaus u. a.: Orgel. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 56610]
Phrasem:
nach jmds. Pfeife tanzen (= gezwungenermaßen oder willenlos alles tun, was jemand von einem verlangt)
Beispiele:
Als Lehrer verkleidete Kinder genossen es […], Erwachsene mal so richtig nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, was durchaus Züge von Terror annahm. [Süddeutsche Zeitung, 06.11.2014]
Vor dem Landgericht Mannheim hat der international gesuchte Hochstapler […] ein Geständnis angekündigt – wenn die Justiz nach seiner Pfeife tanzt. [Spiegel, 15.01.2013 (online)]
Die Bundesregierung und die sie tragende Bundestagsmehrheit werden das Verfassungsorgan Bundesrat immer als Bremser oder gar als Blockierer kritisieren, wenn der Bundesrat nicht nach ihrer Pfeife tanzt. [Die Welt, 18.08.2003]
Im Rahmen dieser kollegialen Kooperation nutzt freilich die NSA ihre Position als größte nachrichtendienstliche Organisation dazu aus, ihre internationalen Partner nach der amerikanischen Pfeife tanzen zu lassen. [die tageszeitung, 15.01.1999]
b)
Orgelpfeife
Beispiele:
[…] die Pfeifen dieser Orgel sind Temperaturschwankungen und Ermüdungseinflüssen ausgesetzt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2006]
Die Domkirche im südhessischen Lampertheim erhält eine neue Orgel. […] Das Instrument hat vierundvierzig Register und 2689 Pfeifen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2005]
Der Intonateur Friedrich Kunze sorgt dafür, daß die knapp 4000 Pfeifen der neuen Orgel in der Kirche St. Wolfgang im sächsischen Schneeberg auch richtig klingen. [Süddeutsche Zeitung, 24.09.1998]
Die größten Pfeifen der pneumatischen Orgel sind aus Holz, alle anderen bestehen aus einer Zinnlegierung. [Berliner Zeitung, 09.08.1995]
c)
beim Dudelsack   einer Pfeife (Lesart 1 a) ähnliches Teil, in dem beim Spielen die Töne entstehen
Beispiele:
Der schrille und laute Ton der Dudelsäcke erklingt bis in die Morgenstunden. In Cafés, Brasserien und Konzerthallen blasen Musikgruppen kräftig ins Rohr und in die Pfeife […]. [Die Zeit, 10.08.2011 (online)]
750 bis 2000 Mark kostet ein Dudelsack von Michael Hofmann, je nachdem, welches Material er verwendet und wie viele Pfeifen der Sack hat. [Süddeutsche Zeitung, 21.01.1994]
Chalumeau […] Walther gibt […] vier Bedeutungen an: Zwei beziehen sich auf Schalmeien (Schäferpfeife und Pfeife des Dudelsacks), die beiden anderen auf das Ch. im engeren Sinne, ein kleines Blaß-Instrument, so sieben Löcher hat […]. [o. A.: C. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 1886]
Jetzt holt einer den Dudelsack hervor, ein stattliches Stück aus hellgelbem Leder und kunstreich geschnitzten Pfeifen. [Die Zeit, 27.04.1962, Nr. 17]
d)
kleines, verschieden geformtes, mit einem Mundstück versehenes Instrument, das beim Hineinblasen einen mehr oder weniger lauten und schrillen Ton hervorbringt
Beispiele:
Aus der Pfeife von Schiedsrichter Felix Brych ertönen an diesem Samstagabend drei laute Pfiffe. [Spiegel, 30.05.2015 (online)]
Mit Pfeifen und Tröten wurde […] viel Lärm gemacht. Größere Proteste waren für den späten Nachmittag geplant. [Die Zeit, 12.11.2012 (online)]
Mit Pfeifen, Tröten und Rasseln bestückt, sorgten Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 14 Jahren beim so genannten Kids Day für eine erhebliche Lärmkulisse […]. [Die Welt, 13.05.2003]
Eines Tages in der Turnstunde zog er plötzlich die Pfeife hervor und pfiff schrill. [Berliner Zeitung, 26.03.1946]
e)
Vorrichtung, Teil an bestimmten (mit Dampfdruck arbeitenden) Maschinen oder Geräten zum Erzeugen eines Pfeiftons (als Signal)
Beispiele:
Der Zug, in dem 116 Gäste essen und feiern können, kostet 4000 DM für eine Feier und schnauft in der Jahrtausendnacht durch die englische Landschaft. Die Pfeife der Lokomotive wird die plaudernden Gäste an Mitternacht erinnern. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.1996]
An der Spitze des Zuges schrillte die Pfeife. [Die Welt, 20.09.2003]
Als ich nun an einem Sonntag-Vormittag zum erstenmal in der Schmiedewerkstätte meines Vaters Dampf aufgemacht hatte, da ließ ich die Pfeife ertönen, öffnete das Dampfventil, und die Maschine begann – zuerst langsam, dann immer schneller und schneller – sich zu drehen. [Voß, Ernst: Lebenserinnerungen und Lebensarbeit des Mitbegründers der Schiffswerft von Blohm & Voß. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1924], S. 5013]
2.
Gerät zum Rauchen von Tabak, das aus einem zum Aufnehmen des Tabaks dienenden Kopf und einem daran befindlichen, in ein Mundstück auslaufenden Rohr besteht
Beispiele:
Maigret stopft seine Pfeife, raucht, erzeugt – wie jeder Pfeifenraucher – zugleich Abstand und Nähe, nebelt den anderen ein und verschafft sich selbst Zeit und damit Klarheit. [Die Zeit, 18.08.2005, Nr. 34]
[…] in der Vitrine liegt die Pfeife von Walt Disney (der tatsächlich starker Raucher war, jedoch filterlose Zigaretten bevorzugte). [Süddeutsche Zeitung, 24.12.2016]
Offenbar glaubt eine Mehrheit der Nutzer der auch Shisha oder Hookah genannten Pfeifen, der Tabakkonsum sei verträglicher als zum Beispiel bei Zigaretten. [Süddeutsche Zeitung, 09.09.2013]
Wenn der Schiedsrichter bei Training oder Wettkampf das Gefühl hat, daß die Pfeife eines Teilnehmers nicht mehr brennt oder keine Glut mehr hat, dann muß der Betreffende »Dampf zeigen«. [Die Welt, 18.04.2006] übertragen
Vincent, die Pfeife zwischen den schwarzen Zähnen, läßt das Chaos der Welt an sich heran. [konkret, 2000 [1990]]
Dr. Klenk biß stark auf das Mundstück seiner Pfeife. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 71]
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine Pfeife rauchen, stopfen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Pfeife zwischen den Zähnen, im Mundwinkel
als Genitiv-/Akkusativ-/Dativobjekt: das Mundstück der Pfeife
umgangssprachlich
Phrasem:
jmdn., etw. kann man in der Pfeife rauchen (= jemand, etwas taugt nichts, ist nichts wert)
Beispiele:
Eigentlich ist es ziemlich egal, wer das Spiel um den dritten Platz gewinnt. Spiele um den dritten Platz – das gilt nicht nur im Fußball – kann man in der Pfeife rauchen, weil sich dabei zwei Loser gegenüber stehen. [Süddeutsche Zeitung, 08.07.2006]
Und so, liebe Kinder, wurde im schönen Rheinland der Teufel Opium mit dem Beelzebub Karneval ausgetrieben. Seitdem ist nicht mehr Opium das Opium für das Volk, sondern der rheinische Karneval. Und den Rest des Jahres kann man in der Pfeife rauchen. [Süddeutsche Zeitung, 29.07.2002]
Diese Regierung kann man in der Pfeife rauchen! Wenn Sie das endlich sagen würden, bekämen Sie Beifall. [Bild am Sonntag, 22.08.1999]
Die Europäer haben seiner Meinung nach vor lauter Reichtum und Überfluß ein gestörtes Verhältnis zur Realität der sowjetischen Bedrohung. Es sei aber notwendig, Opfer zu bringen. Es müsse konventionell, chemisch und nuklear aufgerüsten werden, um der Übermacht des Warschauer Pakts etwas entgegenzusetzen. Seine Vorschläge wird er jetzt wohl wirklich in der Pfeife rauchen können. [die tageszeitung, 26.06.1987]
3.
derb
Synonym zu Penis
Beispiele:
[…] unübersetzbar: Schwanz, Pimmel, Rute, die Pfeife, der Schwengel, der Piller, die Latte, der Ständer, der Dödel, das Teil, der Freudenspender, der Hammer, die Nudel, der Lümmel, der Schniedelwutz […]. [Welt am Sonntag, 12.09.2004]
Ich hätte nichts dagegen, heute nacht mal so richtig meine Pfeife durchzupusten! Vielleicht ist sogar ein flotter Dreier drin! [The Signal, 2007 (Filmuntertitel)]
»Schwanz, Banane, Gurke, Wurst, Pfeife und Ferrari«, liest die 24-jährige Medizinstudentin Cornelia Estermann vom Projekt »Achtung Liebe« lachend vor. [Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2004]
4.
salopp, abwertend unfähiger, ängstlicher Mensch; Versager
Beispiele:
Billy, warum ist George so ein Arsch? Er ist kein Arsch. Er ist eine Pfeife. Und ein Knallkopf. Und ein Doofmann und ein Idiot. [The Amityville Horror, 2005 (Filmuntertitel)]
Darf jeder sagen: Gerhard Schröder ist ʼne Pfeife. [Der Tagesspiegel, 09.09.2004]
Wollen Sie etwa sagen, der bisherige Kapitän van Burik ist eine Pfeife? [Bild am Sonntag, 04.01.2004]
Der [gegnerische Boxer] soll erst einmal ernstzunehmende Gegner boxen und mir zeigen, daß er mich schlagen kann. Und dann kann er vielleicht mal bei mir anklopfen, die Pfeife. [Der Tagesspiegel, 20.03.1998]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pfeife f. aus einer Röhre bestehendes Blasinstrument, ahd. phīfa (um 800), mhd. phīf(e), asächs. pīpa, mnd. mnl. aengl. pīpe (auch ‘Röhre, Rohr’), engl. pipe (vgl. Plur. pipes ‘Dudelsack’), nl. pijp beruhen auf frühen Entlehnungen (ins Hd. vor der Lautverschiebung) aus vlat. *pīpa ‘Röhre, Rohrpfeife, Schalmei’, einer Bildung zu lat. pīpāre ‘piep(s)en’ (s. ↗piepen). Dazu die Redensart nach jmds. Pfeife tanzen ‘sich jmds. Willen fügen, ihm unbedingt gehorchen’; vgl. einen (wohl zweideutigen) Frühbeleg wol tanzen nach mannes pfeifen (15. Jh.). Nl. pijp wird auf das röhrenförmige Gerät übertragen, durch das man den Tabakrauch einzieht, daraus Rauchpiep, Tabak(s)pfeife, verkürzt Pfeife (17. Jh.).

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
Flöte
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Graupe  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Wurst  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Unterbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Johlen Manuale Mund Mundstück Mundwinkel Orgel Pfeife Rauch Register Tabak Trommeln Tröten Zigaretten Zigarillos Zigarren Zischen ansteckte anzündete ausklopfte gedackten nuckelt paffte qualmende qualmt raucht schmaucht sog stopft tanzen trillern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pfeife‹.

Zitationshilfe
„Pfeife“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pfeife>, abgerufen am 19.09.2017.

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