Picker, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pickers · Nominativ Plural: Picker
Aussprache [ˈpɪkɐ]
Worttrennung Pi-cker
Herkunft aus pickerengl, Täter- und Instrumentbezeichnung zu to pickengl ‘auswählen, wählen, nehmen’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
jmd., der etw. aufsammelt oder einsammelt
Beispiele:
Zum Straßenbild gehören die »Picker«, die den Abfall nach wiederverwertbarem Material durchsuchen und weiterverkaufen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2002]
Die Bürger kritisierten die Arbeit der FES (= Frankfurter Müllabfuhr) nicht nur, sie lobten sie auch[,] etwa ein neues Projekt in der Höchster Altstadt: Zwei »Picker« sammeln dort täglich den Müll von Straßen und Bürgersteigen ein. [Frankfurter Rundschau, 10.02.2000]
5. März: Mit einem »Sofortprogramm für mehr Sauberkeit« ruft OB Petra Roth die Frankfurter zum Frühjahrsputz. Bereits nach einem Anruf sollen unerwünschte Dreckecken verschwinden und neu eingestellte »Picker« das aufheben, was andere achtlos fallen lassen. [Frankfurter Rundschau, 28.12.1999]
2.
Gerät, mit dem etw. (z. B. Müll) vom Boden aufgehoben werden kann, ohne sich dabei bücken zu müssen
Beispiele:
100 freiwillige Helfer aus den Vereinen waren bei der Putzaktion im Dorf dabei. Mit Säcken und Picker bewaffnet, waren sie rund um Schonach unterwegs. [Südkurier, 05.05.2012]
Der Ortsbeirat Lankow lädt heute alle Bewohner des Ortsteils zum gemeinsamen Frühjahrsputz ein. Vor allem der Generationenpark entlang der Straßenbahnlinie 2 soll von Unrat gereinigt werden. […] Müllsäcke und Picker zum Aufsammeln stehen bereit, Handschuhe sollten mitgebracht werden. [Schweriner Volkszeitung, 24.03.2010]
Knapp 20 Männer, Frauen und Jugendliche[…] stellten sich am Schützenheim am Scheleberg auf, um dem Müll zu Leibe zu rücken. Unter Leitung und in der Organisation vom Umweltbeauftragten […] machten sich die Teilnehmer, zünftig bekleidet und »bewaffnet« mit allerlei Gerätschaften, an die Arbeit. Gummistiefel, Regenjacken, Handschuhe, Picker, Eimer, Säcke und anderes mehr gehörte zur Ausrüstung. [Aachener Zeitung, 11.04.2007]
Die Naturschutzjugendgruppe […] hatte für ihr Vorhaben, den Orscholzer Wald rund ums Cloef‑Atrium auf Vordermann zu bringen, den Turnverein Orscholz gewinnen können. Deren Mitglieder rückten mit Picker und Eimer ein, um zusammen mit den Naturschützern zwei Stunden den Unrat dorthin zu befördern, wo er hingehört. [Saarbrücker Zeitung, 17.02.2005]
Früh am Samstag morgen waren zwei Dutzend AktivistInnen der Öko‑Partei im Aachener Stadtwald zusammengekommen, um mit Picker und Müllsack das ökologische Ungleichgewicht nachhaltig zu beseitigen: Sie sammelten Dreck. [die tageszeitung, 19.12.1988]
3.
Jargon jmd., der im Lager (4) einem bestimmten Auftrag entsprechend Waren einsammelt (und in Pakete verpackt)
Beispiele:
Bei Amazon war ich Picker. Ich ging durchs Lager und sammelte die bestellten Waren ein. Als Picker trägt man einen Scanner bei sich, der einem alles vorgibt: das nächste Produkt, und wo man es findet. Selbst die Wege, die man durch diese riesigen Lagerhallen nimmt, sind genau vorgeschrieben. [Die Zeit, 21.02.2013]
Rainer B[…] wurde Picker. Das bedeutet, er hat Packlisten zu lesen, Pakete in Regalen zu suchen, einzusammeln, zu scannen und in Kartons zu stecken, so lange, bis der Wagen voll ist. Neun Kartons passen auf einen Wagen. [Die Zeit, 21.05.2015]
Weiß ist ein sogenannter »Picker«. Das heißt, er holt aus den Regalen das, was wir Kunden per Klick bestellt haben. Etwa 15 Kilometer legt jeder »Picker« am Tag zurück. [Bild am Sonntag, 12.01.2014]
Als »Picker« sammeln sie mit kleinen Wagen Waren aus den Regalen und lassen sich dabei von einem Navigationssystem steuern. Das kleine Handgerät, der Scanner, gibt ihnen vor, welche Waren sie in welcher Reihenfolge woher holen müssen, erfasst die gesammelten Produkte im Wagen – und meldet die Leistungen jedes einzelnen Pickers an seinen Abschnittsleiter. [Welt am Sonntag, 24.11.2013]
Die angestellten Warenhausbeschäftigten oder Komissionierer – »Picker« im Amazon‑Sprech – bekommen mehr als 2,50 Euro weniger pro Stunde als im Tarifvertrag der Branche vorgesehen und kein Weihnachts‑ und Urlaubsgeld[…]. [Süddeutsche Zeitung, 03.11.2012]
4.
Jargon, Fernsehen jmd., der die Möglichkeit oder das Vorrecht hat, zwischen verschiedenen Optionen (z. B. Kandidaten in einer TV-Show) zu wählen
Beispiele:
Zum Ende einer jeden Sendung musste sich der Picker für einen Kandidaten entscheiden und durfte mit diesem eine kleine Kennenlernen‑Reise unternehmen. [Herzblatt, 02.07.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Flächenvergabe bei der Bread & Butter erfolgte noch nie nach wirklich objektiven Kriterien (wahrscheinlich gibt es die auch gar nicht), sondern letztlich nach des Gründers Gusto. […] Das ist wie in einem guten Club, wo der Picker durch die Auswahl der richtigen Gäste am Eingang über den Ausgang der Party entscheidet. [Blut-Klamotten aus Bangladesch, 10.05.2013, aufgerufen am 31.08.2020]
Die Klone kämpfen eine Woche lang um die Gunst des Pickers, wen wird er wohl wählen? [Die neue Dating-Show: Game of Clones – Ein Klon zum Verlieben, 15.12.2017, aufgerufen am 31.08.2020]
Dem Urteil des »Pickers« – der Person also, die entscheidet, wer entlassen wird – geht eine Kurzevaluation der Bewerber voraus: »Also der Kuss mit dir, das war total erotisch, hat mich auch heiß gemacht [sic!], aber von mir wissen wolltest du ja dann doch eigentlich nicht so viel, und das fand ich ein bisschen schade.« [Die Welt, 05.05.2003]
Pünktlich zur 250. Jubiläumsfolge tourt »Herzblatt« – wohl eine der beliebtesten Fernsehshows – durchs Bundesgebiet. Jedesmal beginnt von neuem das Spekulieren, für welchen der drei Kandidaten sich der »Picker«, der Einzelkandidat, entscheidet. [Rhein-Zeitung, 09.07.1997]
5.
Weberei Vorrichtung an mechanischen Webstühlen zur Führung des Schiffchens (1 b)
Beispiele:
Als Picker bezeichnet man die Schlagvorrichtung am Webstuhl, die das Schiffchen abfängt und zurückschlägt. [Neues Deutschland, 03.08.1962]
Wenn um 14 Uhr Schichtschluß ist. werden eine Viertelstunde vor Beendigung jeweils ein Webstuhl ausgelegt und die Picker und Kastenspillen saubergemacht, sofort leicht geölt und der Webstuhl wieder eingelegt und laufend an den anderen Schichter übergeben. [Neues Deutschland, 07.01.1954]
Indem nun dieser Hebelarm auf einer Welle, der Schlagwelle, sitzt, die andererseits mit einem langen Hebelarm, dem Schlagarm, verbunden ist, welch letzterer den Picker antreibt, erhält dieser eine rasch beschleunigte Bewegung, die sich dem vor ihm liegenden Schützen mittheilt und denselben zum Durcheilen des Faches befähigt. [Neue Schlagmechanismus-Construction an mechanischen Seidenwebstühlen. In: Dinglers Polytechnisches Journal (Hg. A. Hollenberg), Jg. 1892/283. Stuttgart 1892, S. 153–155]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Picker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Picker>.

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