Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Pietät, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pietät · Nominativ Plural: Pietäten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache 
Worttrennung Pi-etät · Pie-tät
Wortbildung  mit ›Pietät‹ als Erstglied: pietätlos · pietätsvoll · pietätvoll
Herkunft zu pietāslat ‘auf sittlichem Empfinden und auf Verehrung beruhendes Pflichtgefühl, Liebe (zu Verwandten, zum Vaterland), Sanftmut, Barmherzigkeit’ < piuslat ‘rechtschaffen, gottesfürchtig, gewissenhaft, zärtlich, gütig’
eWDG

Bedeutung

gehoben Achtung, Ehrfurcht vor etw., jmdm.
Beispiele:
aus Pietät gegenüber dem Verstorbenen
die Pietät wahren
ein Akt der Pietät
es an der nötigen Pietät fehlen lassen
Auch den harmlosen Menschen bleibt es kaum erspart … in Konflikt mit den schönen Tugenden der Pietät und der Dankbarkeit zu geraten [ HesseDemian3,216]
es sind Gefühle herzlicher Pietät für ein Werk, eine Kulturtat, die meiner Jugend behilflich war [ Th. Mann11,410]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pietät · Pietismus · Pietist · pietistisch
Pietät f. ‘Ehrfurcht, dankbares Gedenken, Frömmigkeit, ehrerbietige Rücksichtnahme’, entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat. pīetās (Genitiv pīetātis) ‘auf sittlichem Empfinden und auf Verehrung beruhendes Pflichtgefühl, Liebe (zu Verwandten, zum Vaterland), Sanftmut, Barmherzigkeit’, zu lat. pīus ‘rechtschaffen, gottesfürchtig, gewissenhaft, zärtlich, gütig’; zuvor (15./16. Jh.) übersetzt mit mildicheit, gunstig gemute, christenlich verbintnuß, glubd des thauffs. – Pietismus m. gegen die dogmatisch erstarrte protestantische Orthodoxie, später auch gegen die Aufklärungsideologie gerichtete, stark gefühlsbetonte Frömmigkeit, die ein tätiges Christentum anstrebt, von den Gegnern spöttisch im Sinne von ‘Frömmelei, Frömmlertum’ gebraucht; nlat. Bildung (2. Hälfte 17. Jh.) zu lat. pīetās (s. oben), zuerst als Scheltname, wie auch Pietisterei (Ende 17. Jh.), für die von Spener 1670 in Frankfurt a. M. eingerichteten Collegia pietatis (gottesdienstliche Hausandachten). Pietist m. ‘Anhänger des Pietismus’, zuerst Spottname für die Anhänger Speners, ‘Frömmler, Mucker’ (2. Hälfte 17. Jh.); pietistisch Adj. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Pietät · Respekt · taktvolle Rücksichtsnahme

Typische Verbindungen zu ›Pietät‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pietät‹.

Verwendungsbeispiele für ›Pietät‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und die Empfindung ist nicht nur Pietät für einen alten Gebrauch. [Die Zeit, 02.04.1998, Nr. 15]
Und trotzdem herrscht bei ihnen eine Art Pietät vor, die sie daran hindert, lautstark zu demonstrieren. [Die Zeit, 30.03.2006, Nr. 14]
Darum bleibt die Homepage für einen Tag aus Pietät offline. [Die Zeit, 25.06.2001, Nr. 26]
Den Kindern der Opfer dürfen wir wohl kaum Pietät vorschreiben. [Die Zeit, 08.07.1988, Nr. 28]
Aber die Studenten hatten keinerlei Pietät vor des Professors Liebe, waren respektlos darüber hergefallen. [Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 58]
Zitationshilfe
„Pietät“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Piet%C3%A4t>.

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