Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Planetarium, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Planetariums · Nominativ Plural: Planetarien
Aussprache  [planeˈtaːʀi̯ʊm]
Worttrennung Pla-ne-ta-ri-um
Wortbildung  mit ›Planetarium‹ als Letztglied: Großplanetarium
Herkunft moderne Bildung zu Planet
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Vorführung in einem Planetarium
Vorführung in einem Planetarium
(Planétarium de Reims, CC BY-SA 4.0)
Planetarium
Planetarium
(Pedelecs, CC BY-SA 3.0)
System aus speziellen Projektoren, das den Sternenhimmel bzw. die Bewegung von Planeten, Sternen und anderen astronomischen Erscheinungen auf das Innere einer Kuppel projiziert; Raum (1), Gebäude, in dem sich ein solches System befindet
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: ein Planetarium besuchen
mit Adjektivattribut: ein virtuelles, modernes, digitales Planetarium
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Besuch im Planetarium; der Sternenhimmel, die Sterne im Planetarium
mit Genitivattribut: das Planetarium der Sternwarte
in Koordination: Planetarien und Sternwarten, Kinos, Bibliotheken, Theater, Museen, Restaurants
als Aktiv-/Passivsubjekt: das Planetarium lädt ein, bietet an
Beispiele:
An die Kuppel im Planetarium können bis zu 7.000 Sterne genauer Position und Helligkeit projiziert werden, als weitere Möglichkeit sind die gerafften Bahnbewegungen der Planeten, die Darstellung der Mondphase sowie Finsternisse und vieles mehr möglich. [Südkurier, 19.06.2012]
Planetarien sind an ihrem kuppelförmigen Dach zu erkennen. […] Wichtigstes Stück dieser Einrichtungen ist der Planetariumsprojektor. Er steht in der Mitte des Kuppelraumes und sorgt für die Abbildung des künstlichen Himmels, seiner verschiedenen Objekte und deren Bewegungen. Mit seiner Hilfe sind Reisen durch Raum und Zeit möglich. Denn das Planetariumsgerät ist nicht nur ein Projektor, sondern gleichzeitig eine Art Rechenmaschine. Damit kann bestimmt werden, wie der Himmel in der Vergangenheit aussah oder in Zukunft aussehen wird. Der Projektor wird entweder von Hand durch einen Vortragenden oder durch Computer programmiert gesteuert. Die Sitze für das Publikum sind in mehreren Kreisen um den Projektor angeordnet und mit einer zurückklappbaren Lehne versehen – in manchen Planetarien können sie sogar etwas gedreht werden. Auf diese Weise ist eine gute und entspannte Betrachtung des künstlichen Himmels möglich. Der Planetariumsprojektor wurde 1919 von der Firma Zeiss erfunden und seitdem immer wieder verbessert. [Berliner Morgenpost, 10.10.2009]
Die Vorstellungen im Planetarium sind sehr anschaulich, es werden nicht nur Sterne, sondern auch Bildungsprogramme oder Unterhaltungsshows gezeigt, in unserem Fall Kinderprogramme über Planeten und Saurier. [Thüringer Allgemeine, 08.12.2021]
Öffnet sich die Kuppel auf ihrem [der Sternwarte] Dach, ist ein neues[,] hochmodernes Teleskop zu sehen. Direkt neben der Kuppel der Sternwarte steht noch eine zweite Kuppel: das Planetarium. Das ist eine Art Kino zum Sterne gucken [sic!]. [Thüringer Allgemeine, 08.04.2021]
Anders als Sternwarten zeigen Planetarien nicht den echten, sondern einen künstlichen Sternenhimmel, der von Projektoren an eine Kuppel gestrahlt wird. [Frankfurter Rundschau, 30.04.2020]
Bei bedecktem Himmel ersetzen Planetarium, Bildprojektionen und Modelle den realen Blick zum Firmament. [Reutlinger General-Anzeiger, 14.12.2019]
In Garching im Landkreis München eröffnet am Wochenende ein Planetarium der Superlative. […] 14 Meter Durchmesser hat die 360‑Grad‑Kuppel des Planetariums, insgesamt gibt es 109 Sitze. Täglich sollen bis zu sechs verschiedene Vorstellungen auf Deutsch und Englisch gezeigt werden […]. [Münchner Merkur, 27.04.2018]
Bei bewölktem Himmel kann der Sternhimmel im Planetarium erlebt werden, Mond und Planeten am Omniglobe, mit digitalen Simulationen und Modellen. [Reutlinger General-Anzeiger, 15.06.2013]
2.
Mechanisches Planetarium
Mechanisches Planetarium
(Sage Ross, CC BY-SA 3.0)
Mechanisches Planetarium
Mechanisches Planetarium
(Christopher Michel, CC BY 2.0)
historisch mechanisches Modell zur Veranschaulichung der Planetenbahnen
Beispiele:
Herausgekommen ist ein astronomisches Instrument mit einem Gewicht von 160 Kilogramm, das auf einem 190 Kilogramm schweren Granitsockel ruht. […] Das Planetarium mit 50 Rädern versteht sich als getreues Modell […] [des] von Kopernikus definierten und von Kepler vervollkommneten »heliozentrischen« Weltbilds mit der Sonne als Mittelpunkt und neun sie umkreisenden Planeten. [Süddeutsche Zeitung, 11.07.1995]
Den Boden des Zimmers deckte ein rother Teppich, Wände und Plafond waren getäfelt; auf Tischen und in offenen Schränken ringsum standen Planetarien, Globen, astronomische und physikalische Instrumente. [Martens, Georg von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Bd. 4. Berlin 1873]
Planetarium, lat., maschinenmäßige Darstellung der Planetenbewegungen, seit Huyghens bekannt. [Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau 1856]
Beim Unterricht in der mathematischen Erdkunde sind besonders Planetarien anzuwenden. Es sind dieß künstliche Maschinen, wo durch sich bewegende Kugeln die Stellung und das Verhältniß der Planeten und ihrer Trabanten zur Sonne sinnlich dargestellt wird. Zeigt eine solche Maschine nur die Bewegung der Erde und des Mondes, so heißt sie ein Tellurium. [Tetzner, Theodor: Neueste vollständige Erdbeschreibung für Bürgerschulen, Seminarien und zum Selbstunterricht. Dresden 1842]
Die Planetarien sind Werkzeuge, welche die Größe, Lage, Entfernung und Bewegung der Planeten in einem verkleinerten Maßstab darstellen. [Brewer, Johann Paul: Anfangsgründe der Mathematischen Geographie für mittlere und obere Klassen der Gymnasien. Düsseldorf 1828]
Außer den Vorstellungen, die man vom Sonnensystem aufs Papier oder auf eine ebene Fläche zeichnet (Taf. III.), macht man auch Maschinen, welche die verhältnißmäßigen Entfernungen der Planeten, und beim Umdrehen einer Kurbel, wodurch die Planeten in Bewegung gesetzt werden, die verhältnißmäßige Geschwindigkeit ihres Umlaufs um die Sonne zeigen. Eine solche Maschine heißt ein Planetarium oder Orrery, und sie befördert durch ihre sinnliche Darstellung die Einsicht in den Bau und die Einrichtung des Sonnensystems ungemein. [Gaspari, Adam Christian: Lehrbuch der Erdbeschreibung. Cursus 2. 7. Aufl. Weimar 1809]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Planet · Planetarium
Planet m. ‘Wandelstern, das Sonnenlicht reflektierender Himmelskörper, der sich auf elliptischer Bahn um die Sonne bewegt’, mhd. plānēte, Entlehnung aus gleichbed. spätlat. (Plur.) planētae, planētēs, nach griech. astéres planḗtai (ἀστέρες πλανῆται) ‘Irrsterne, Wandelsterne’, fem. Plur. von griech. planḗtēs (πλανήτης) ‘umherschweifend’, einer Bildung zu griech. plánēs, Genitiv plánētos (πλάνης, πλάνητος) ‘herumirrend, herumschweifend’, planā́sthai (πλανᾶσθαι) ‘umherirren, umherschweifen’. Planetarium n. ‘optisches Gerät zur Veranschaulichung von Lage und Bewegung der Planeten und Gestirne, das Gebäude dafür’ (19. Jh.).

Thesaurus

Astronomie
Synonymgruppe
Planetarium · Sternentheater
Assoziationen
  • Planetenmaschine  ●  Orrery  engl.

Typische Verbindungen zu ›Planetarium‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Planetarium‹.

Zitationshilfe
„Planetarium“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Planetarium>.

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