Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Plastik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Plastik · Nominativ Plural: Plastiken
Aussprache  [ˈplastɪk]
Worttrennung Plas-tik
Herkunft aus gleichbedeutend plastiquefrz < plastiquefrz ‘formbar, modellierbar, räumlich geformt, künstlerisch herausgearbeitet’ < plastikósgriech (πλαστικός) ‘zum Bilden, zum Formen geeignet, geschickt’ < plásseingriech (πλάσσειν) ‘(eine weiche Masse) kneten, bilden, formen, gestalten’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Sandsteinplastik
Sandsteinplastik
(Ralf Adrian, CC BY-SA 3.0)
Kunst körperhaftes, dreidimensionales Bildwerk, das durch Formen, Modellieren oder Auftragen unterschiedlicher Materialien wie z. B. Bronze, Ton, Gips o. Ä. geschaffen wurde
siehe auch Skulptur (1)
Im heutigen Sprachgebrauch werden die Gattungs- sowie Einzelbegriffe Plastik und Skulptur gleichbedeutend verwendet und stehen insgesamt für die körperbildende, dreidimensionale Kunst.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine antike, mittelalterliche, moderne, zeitgenössische Plastik; eine kleine, figürliche, große, monumentale Plastik
als Akkusativobjekt: eine Plastik formen, gestalten, entwerfen
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Ausstellung mit Plastiken
mit Genitivattribut: die Plastik eines Künstlers, Bildhauers
in Koordination: Bilder, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken; Reliefs, Skulpturen, Plastiken
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Plastiken aus Bronze, Holz, Stein, Ton
als Genitivattribut: eine Abgusssammlung [antiker] Plastiken
Beispiele:
Der Kunstwissenschaftler Eduard Trier formulierte den Unterschied zwischen Plastik und Skulptur: »Der Bildhauer nimmt weg, der Plastiker baut auf.« Diese Abklärung ist nötig, da es heute vielfach gebräuchlich ist, zu allen dreidimensionalen künstlerischen Arbeiten den Begriff »skulptural« zu verwenden. [Peter A. Bär, 12.07.2020, aufgerufen am 31.08.2020]
Seine Kunstwerke sind vor allem fein gestaltete Tonkeramiken. Als Motiv wählt der Designer vor allem religiöse Symbole und Frauenkörper. Die Plastiken sind detailreich modelliert. [Fränkischer Tag, 10.05.2017]
Was ist denn der Unterschied zwischen einer Skulptur und einer Plastik? Ganz schön schwierige Frage für die zehn Kinder, die zum Kinder‑Kunstworkshop in die Kunstsammlung in die Villa Burgeff [in Hochheim] gekommen waren. […] Verständiges Nicken […], als sie hörten, dass bei einer Skulptur, beispielsweise aus Stein oder Holz, Material weggenommen wird, während bei einer Plastik verschiedene Einzelteile zusammenkommen, also etwas hinzugefügt wird. [Allgemeine Zeitung, 21.03.2014]
Dabei geht er in seinen Kunstwerken sehr bewusst mit den verschiedenen Schaffensprozessen von »Skulptur«, also dem Heraushauen aus einem (Holz‑)‍Block, und der »Plastik«, dem additiven Prozess des Aneinanderschweißens des Stahls, um. [Allgemeine Zeitung, 07.11.2008]
Entstanden ist die Plastik aus Stahl, Bronze und Glas […] 1996 in Bad Langensalza, in Harald S[…]s Atelier. [Thüringer Allgemeine, 01.11.2001]
A[…] zeigte neben den älteren Metallplastiken, wie die »ausdrucksstarke Hand«, gefertigt mit gebrauchten Materialien wie Schrauben, auch erstmalig Plastiken in einer größeren Dimension aus neuwertigem Stahl, die erst in den letzten Monaten in seinem neuen Wohnort in Waldhausen entstanden. [Südkurier, 30.11.1999]
Kleine Plastiken werden ohne Stützen massiv modelliert, größere über herausziehbaren Stützen gearbeitet, ausladende Teile gegebenenfalls abgetrennt, einzeln gebrannt und angesetzt (z. B. Hände an Ärmel bei got. (= gotischen) Tonfiguren). [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 8966]
2.
Gattung der Bildhauerei   Bildhauerkunst
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
Colani war ein deutscher Künstler. […] Colanis Werke gehören der »Bildhauerei«, also der Plastik, an. [Luigi Colani 1928–2019 Kurznachruf, 16.09.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Matisse, so lernen wir aus dieser Ausstellung, wählte die Gattung der Plastik, um die Form auszudrücken und um den Gegenstand besser erfassen zu können. [Südkurier, 02.09.2019]
Die neuen Mitglieder des Künstlerbundes präsentieren ausgewählte Werke aus verschiedensten künstlerischen Gattungen wie Keramik, Plastik, Zeichnung, Druckgrafik, Malerei und Fotografie. [Schweriner Volkszeitung, 31.03.2017]
Zum dritten Mal […] verleiht die Sparkasse Neuwied den Kunstpreis für Arbeiten, die in den Kunstkursen der VHS (= Volkshochschule) Neuwied entstanden sind. Neben Malerei, Grafik und Plastik wird in diesem Jahr erstmals auch die Fotografie als eigenständige Kunstform in die Präsentation einbezogen. [Rhein-Zeitung, 04.06.1998]
3.
Medizin in der plastischen Chirurgie   operative Formung bzw. Umformung oder Rekonstruktion eines verletzten, beschädigten Organs oder Gewebes
Beispiele:
Der Begriff »Plastik« bedeutet […], dass es sich um eine plastische, also formverändernde Operation handelt; Fremdmaterial wird meist nicht eingesetzt. [Gynäkologie, 15.07.2020, aufgerufen am 31.08.2020]
»Für [die Leichtathletik-WM in] Paris[…] habe ich mich fitspritzen lassen.« Hat sie [Grit Breuer] die Symptome kuriert, ohne die Ursachen an der linken Achillessehne zu beseitigen. Der Teilabriß wurde erst Ende Januar während der Operation in Basel erkannt, die Sehne mit einer Plastik stabilisiert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2004]
Vor allem aber hat sich [Fußballprofi Bernhard] Trares jahrelang von Operation zu Operation geschleppt, zuletzt in der Winterpause, als das Sprunggelenk repariert wurde. Beschwerdefrei übers Spielfeld laufen zu können, ist für ihn ein seltenes Erlebnis, nachdem zweimal die Achillessehne (inzwischen eine Plastik) geflickt wurde und einmal das Innenband. [Süddeutsche Zeitung, 26.02.1996]
4.
selten, gehoben, übertragen besonders ausdrucksstarke, anschauliche Sprache oder Aussagekraft
Grammatik: nur im Singular
Synonym zu Plastizität (1)
Beispiele:
Tom Schilling[…] hat mit dieser Inszenierung und Choreographie wieder eine exzellente Leistung vollbracht und erneut seine unerschöpfliche tänzerische Phantasie bewiesen. […] Welche zauberhafte Poesie, welche Plastik und brillante Charakteristik überall, welche theatralische Anschaulichkeit und Ablesbarkeit! [Berliner Zeitung, 10.10.1970]
Die Bildhaftigkeit seiner Musik ist von ungemeiner Plastik. [Berliner Zeitung, 30.04.1958]
Und so können Sie […] – das ist merkwürdig in der deutschen Sprache – ungemein viel finden von demjenigen, was nun wirklich der Plastik der Sprache entspricht, also einer plastischen Sprache entspricht. [Steiner, Rudolf: Eurythmie als sichtbare Sprache. Dornach: Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum 1927]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Plastik · plastisch
Plastik f. ‘bildende Kunst, Bildhauerkunst’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘vom Bildhauer geschaffenes Kunstwerk’ (Ende 19. Jh.), Übernahme von gleichbed. frz. plastique, Substantivierung des Adjektivs frz. plastique ‘formbar, modellierbar, räumlich geformt, künstlerisch herausgearbeitet’ (vgl. mfrz. frz. art plastique ‘Kunst, Figuren und Ornamente zu modellieren, das so geschaffene Kunstwerk’), aus lat. plasticus, griech. plastikós (πλαστικός) ‘zum Bilden, zum Formen geeignet, geschickt’, vgl. plastikḗ téchnē (πλαστικὴ τέχνη), substantiviert plastikḗ (πλαστική) ‘Kunst, aus Ton, Gips, Wachs u. dgl. zu formen’; zu griech. plássein (πλάσσειν) ‘(eine weiche Masse) kneten, bilden, formen, gestalten’. – plastisch Adj. (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. plastique (s. oben). Ebenfalls aus dem Frz. gleichbed. engl. plastic, in der Substantivierung (Plur.) plastics ‘Kunststoffe’ aus formbaren Materialien (20. Jh.), woraus nhd. Plastik n. (auch f.). S. auch Plast m., Plaste f.

Typische Verbindungen zu ›Plastik‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Plastik‹.

Bildhauer Tierbildhauer abstrakt antik archaisch architekturgebunden attisch baugebunden begehbar buddhistisch dekorativ durchsichtig farbig figural figurativ figürlich freistehend geschmolzen gotisch keramisch kinetisch kompostierbar lebensgroß mittelalterlich monumental oströmisch polychrom recyceltem recyceltes verbrannt
Zitationshilfe
„Plastik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Plastik#1>.

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Plastik, das oder der

Grammatik Substantiv (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Plastiks · Nominativ Plural: Plastiks
Aussprache  [ˈplastɪk]
Worttrennung Plas-tik
Herkunft aus plasticsengl (Plural) ‘Kunststoffe’ < plasticengl ‘plastisch’ (plastisch)
eWDG

Bedeutung

Plast, Kunststoff
Beispiele:
Rohre, Schalter, Folien, Deckel, Geschirr, Spielzeug, Möbel, ein Beutel, eine Karosserie, Gebrauchsgegenstände aus Plastik
Anordnung über die Preise für Kunstleder, Plastik […] Wandbelag [ Gesetzblatt DDR1956]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Plastik · plastisch
Plastik f. ‘bildende Kunst, Bildhauerkunst’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘vom Bildhauer geschaffenes Kunstwerk’ (Ende 19. Jh.), Übernahme von gleichbed. frz. plastique, Substantivierung des Adjektivs frz. plastique ‘formbar, modellierbar, räumlich geformt, künstlerisch herausgearbeitet’ (vgl. mfrz. frz. art plastique ‘Kunst, Figuren und Ornamente zu modellieren, das so geschaffene Kunstwerk’), aus lat. plasticus, griech. plastikós (πλαστικός) ‘zum Bilden, zum Formen geeignet, geschickt’, vgl. plastikḗ téchnē (πλαστικὴ τέχνη), substantiviert plastikḗ (πλαστική) ‘Kunst, aus Ton, Gips, Wachs u. dgl. zu formen’; zu griech. plássein (πλάσσειν) ‘(eine weiche Masse) kneten, bilden, formen, gestalten’. – plastisch Adj. (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. plastique (s. oben). Ebenfalls aus dem Frz. gleichbed. engl. plastic, in der Substantivierung (Plur.) plastics ‘Kunststoffe’ aus formbaren Materialien (20. Jh.), woraus nhd. Plastik n. (auch f.). S. auch Plast m., Plaste f.

Typische Verbindungen zu ›Plastik‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Plastik‹.

Bildhauer Tierbildhauer abstrakt antik archaisch architekturgebunden attisch baugebunden begehbar buddhistisch dekorativ durchsichtig farbig figural figurativ figürlich freistehend geschmolzen gotisch keramisch kinetisch kompostierbar lebensgroß mittelalterlich monumental oströmisch polychrom recyceltem recyceltes verbrannt

Verwendungsbeispiele für ›Plastik‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dieser Form wird die griechische Plastik modellhaft für alle spätere Kunst. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 46]
Da ihm das nicht gelang, begnügte er sich damit, zur Plastik zu erstarren. [Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 198]
Aber die antike Musik höheren Stils war nichts als eine Plastik fürs Ohr. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 284]
Die für den nordsyrischen Raum typische Stilisierung der Plastiken läßt dies jedoch zweifelhaft erscheinen. [Stauder, Wilhelm: Sumerisch-babylonische Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 6851]
Viele der gestifteten abstrakten Plastiken zieren die zumeist unfertigen Plätze des Ortes. [Die Zeit, 15.03.1996, Nr. 12]
Zitationshilfe
„Plastik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Plastik#2>.

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