Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Pleite, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Pleite · Nominativ Plural: Pleiten
Aussprache  [ˈplaɪ̯tə]
Worttrennung Plei-te
Wortbildung  mit ›Pleite‹ als Erstglied: Pleitegeier · Pleitewelle · Pleitier
 ·  mit ›Pleite‹ als Letztglied: Heimpleite
Mehrwortausdrücke  Pleite machen
eWDG und ZDL

Bedeutung

Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine folgenschwere, gigantische, historische Pleite
als Akkusativobjekt: eine Pleite [nicht, gut] verkraften
als Dativobjekt: einer Pleite entrinnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: [jmdn., etw.] vor der Pleite bewahren, retten, schützen
1.
Unfähigkeit (aufgrund mangelnder Liquidität) eines Unternehmens oder Einzelunternehmers, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine drohende, bevorstehende Pleite; eine unkontrollierte, ungeordnete, totale Pleite; die endgültige Pleite
als Akkusativobjekt: die Pleite verursachen, verantworten; eine Pleite abwenden, verhindern
in Präpositionalgruppe/-objekt: in die Pleite rutschen, schlittern; [jmdn., etw.] in die Pleite treiben, reißen; gegen die Pleite kämpfen
Beispiele:
allgemeinernach der Reise herrschte Pleite [Geldmangel] bei mirWDG
In den 1990er Jahren war die Belegschaft bereits geschrumpft, im Krisenjahr 1996 hatte der Standort […] 740 Beschäftigte, wegen der drohenden totalen Pleite mussten weitere Mitarbeiter gehen. [Fränkischer Tag, 01.03.2017]
Nach der Pleite des Familienbetriebs sei ein Investor gefunden worden, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Nikolaus S[…] am Mittwoch mit. [Thüringer Allgemeine, 26.05.2016]
Nachdem die Insolvenz im November 1999 kurz vor knapp abgewendet worden war, dann aber wieder Verluste aufliefen, sei die Pleite doch vorhersehbar gewesen[…]. [Frankfurter Rundschau, 21.03.2012]
Der Wirtschaftszweig mit den meisten Insolvenzen war landesweit auch im vergangenen Jahr mit 113 Pleiten das Baugewerbe, trotz eines Rückgangs um 8,9 Prozent. [Schweriner Volkszeitung, 13.07.2010]
2.
übertragen (unerwarteter) Misserfolg, Reinfall
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine bittere, deftige, herbe, blamable, peinliche, schmerzhafte, überraschende, unerwartete, unnötige Pleite; eine sportliche Pleite
als Akkusativobjekt: die Pleite [für jmdn.] besiegeln; die Pleite abwenden, verhindern; eine Pleite erleben, hinlegen, hinnehmen
in Koordination: Pleiten und Pannen, Peinlichkeiten
Beispiele:
eine Pleite erlebenWDG
der Film, die Vorführung war eine PleiteWDG
das ist ja eine schöne Pleite!WDG
Achtmal hat Deutschland seit 2012 beim Eurovision Song Contest (ESC) bittere Pleiten hingelegt. [Dresdner Neueste Nachrichten, 11.02.2022]
Erstmals seit 17 Jahren verlor er [der deutsche Rekordmeister FC Bayern München] gegen einen unterklassigen Verein, die Pleite bedeutete das Ende einer Siegesserie von 13 Pokalspielen. [Die Welt, 15.01.2021]
Der Tabellenletzte der Premier League, West Bromwich Albion, hat nach nur vier Monaten und zuletzt acht Pleiten in Folge Trainer Alan Pardew […] gefeuert. [Bild, 03.04.2018]
Nach mehreren Pleiten der hauseigenen Produktionen an den Kinokassen ist der Chef der Disney‑Filmstudios zurückgetreten. [Der Tagesspiegel, 22.04.2012]
Nachdem ich den Missgriff eines Theaterstückes hinnehmen und mich dem Zeitgeist der allgemeinen Geschmacklosigkeit beugen musste, folgte die zweite Pleite in Form der Catering‑Bewirtung für teures Geld. Hierfür gibt es nur einen Begriff: schlimmste Abzocke. [Aachener Zeitung, 10.01.2007]
3.
übertragen Zustand einer schweren (moralischen) Niederlage
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die endgültige Pleite
Beispiele:
Es kommt [bei der Bewilligung von Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete] das Geschäft wieder mal vor der Moral. Und um die moralische Pleite zu vervollständigen, unterstützt neben der FDP auch die CVP (= Christlichdemokratische Volkspartei), die sich offiziell zu den christlichen Werten bekennt, die Kriegsmaterialgeschäfte. [Der Bund, 23.07.2005]
Die Absage an weitere Versuche der Regierung von Premierminister Abhisit Vejjajiva, den Aufstand der »Roten Hemden« mit Waffengewalt niederzuschlagen, bedeutet eine Kehrtwende des Karriereoffiziers. Schließlich gehörte er zu dem Nationalen Sicherheitsrat, dessen Generäle im September 2006 gegen den damaligen gewählten Premierminister Thaksin Shinawatra putschten. Doch während ein Großteil der Elite Bangkoks jetzt schon wieder nach dem Militär ruft, lernte [der Oberbefehlshaber der Königlich Thailändischen Armee][…] Anupong [Paochinda] aus der Pleite des Militärregimes von 2006 bis Ende 2007. Beharrlich wehrte er sich seit Übernahme seines Amts gegen alle Versuche, die Streitkräfte erneut politisch zu instrumentalisieren. [Frankfurter Rundschau, 20.04.2010]
Einen Monat vor dem Start der Ordnungsämter haben die [Berliner] Bezirke bisher nur 100 der 300 Stellen für Kiezstreifen besetzt. […] Die Opposition von CDU und FDP spricht von einer »gigantischen Pleite« der Innenverwaltung, die zu spät an die Personalausstattung gedacht habe. [Die Welt, 02.08.2004]
Nicht jeder hat […] so viel auszupacken wie dieser: »… es gilt, offenbar zu machen: die nationale Pleite – das literarische Falschgeld – die sich als Person bestätigt fühlende Hybris – und das Sprüche klopfende Gewissen einer nichtexistenten Nation.« Wer aus diesen Zitaten übrigens turbulente Darmstädter Tage wittert, eine Stinkbombe bei der Verleihung des Büchner‑Preises an Günter Grass, der sei gleich enttäuscht. [Die Zeit, 15.10.1965, Nr. 42]
Weil das Bonner Regime das (= die freie Entfaltung der eigenen Kräfte und Fähigkeiten) der Jugend vorenthält, weil es ein Regime der Unfreiheit ist, deshalb erlebten die Conant und Kaiser, die nach Westberlin gekommen waren, um die deutsche Jugend von ihrem Kampf gegen Militarismus und Krieg abzuhalten, eine völlige Pleite. Die deutsche Jugend hat ihnen den Rücken gekehrt. Die von den Kanonenfutterlieferanten in Westberlin eingerichteten Kontaktstellen wurden von der deutschen Jugend nicht aufgesucht: Die Hetzer blieben unter sich. [Neues Deutschland, 10.06.1954]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pleite · Pleitegeier
Pleite f. ‘Bankrott, Zahlungsunfähigkeit’, übertragen ‘Reinfall’, zunächst (Mitte 19. Jh.) in der Berliner Gaunersprache, bald danach allgemein umgangssprachlich, besonders in den Wendungen Pleite machen, pleite gehen, pleite sein. Nach rotw. Pleite, Plete ‘Flucht (vor Zahlungsunfähigkeit)’, aus jidd. plejte ‘rettende Flucht (vor der Schuldhaft durch Gläubiger)’. Zugrunde liegt hebr. pelēṭā ‘Flucht, Rettung’. – Pleitegeier m. Sinnbild für drohende Pleite (2. Hälfte 19. Jh.) in Anlehnung an den aasfressenden Raubvogel (s. Geier), auch scherzhaft für den auf dem Siegel des Gerichtsvollziehers befindlichen Wappenadler; eigentlich wohl aus Pleitegeher ‘Bankrotteur’ (jidd. -geier für -geher).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fehlversuch · Rückschlag · Scheitern · Schlappe · Versagen  ●  Bauchlandung  fig. · Bruchlandung  fig. · Fehlschlag  Hauptform · Misserfolg  Hauptform · Pleite  auch figurativ · Schiffbruch (erleiden)  fig. · schallende Ohrfeige  fig., politisch, journalistisch · (böse / herbe / deftige) Klatsche  ugs., fig., journalistisch, variabel · Bombenniederlage  ugs. · Crash  ugs., engl., fig. · Flop  ugs. · Griff ins Klo  ugs., salopp, fig. · Reinfall  ugs. · Rohrkrepierer  ugs., fig. · Satz mit X  ugs. · Schlag ins Wasser  ugs., fig. · Schuss in den Ofen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Bankrott · Bankrottfall · Insolvenz · Konkurs · Konkursfall · Ruin · Zahlungseinstellung · Zahlungsunfähigkeit  ●  Aus  ugs. · Illiquidität  fachspr. · Pleite  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Debakel · Fiasko · Niederlage · Pleite · Verlust
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Pleite‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pleite‹.

Baulöwe Drogeriekette Drogeriemarktkette Energiehändler Handyhersteller Herstatt-bank Investmentbank Kirch-gruppe Kirch-konzern Landesentwicklungsgesellschaft Lehman-bank Medienimperium Medienkonzern Medienunternehmer Mutterkonzern Rand Us-bank Us-investmentbank Wirtschaftsgeschichte abwenden bitter deftig drohen drohend gehen herb kassieren neuerlich peinlich spektakulär
Zitationshilfe
„Pleite“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pleite>.

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