Pluralismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pluralismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Plu-ra-lis-mus
Herkunft Latein
Wortzerlegung plural-ismus
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich
a)
innerhalb einer Gesellschaft, eines Staates (in allen Bereichen) vorhandene Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander bestehender und miteinander um Einfluss, Macht konkurrierender Gruppen, Organisationen, Institutionen, Meinungen, Ideen, Werte, Weltanschauungen usw.
b)
politische Anschauung, Grundeinstellung, nach der ein Pluralismus erstrebenswert ist
2.
Philosophie philosophische Anschauung, Theorie, nach der die Wirklichkeit aus vielen selbstständigen Prinzipien besteht, denen kein gemeinsames Grundprinzip zugrunde liegt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Plural · Mehrzahl · pluralisch · Pluralismus · Pluralist
Plural m. (grammatischer Terminus) ‘Mehrzahl’ (2. Hälfte 17. Jh.), zuvor Plural Numerus (Anfang 17. Jh.), nach lat. (numerus) plūrālis ‘in der Mehrzahl stehend’ (eigentlich ‘aus mehreren bestehend’), substantiviert ‘Mehrzahl’, abgeleitet von lat. plūs (Genitiv plūris) ‘mehr’ (s. ↗plus). In frühen Grammatiken übersetzt mit merleiche Zal (um 1400), der merlich (15. Jh.), merere Zal, Vielheit (Mitte 17. Jh.), Mehrheit (bei Adelung neben Plural), vielfache Zahl (ebenfalls 18. Jh.), seit um 1800 Mehrzahl f. pluralisch Adj. (17. Jh.). Pluralismus m. ‘Gemeinsinn, Gemeingeist, Nächstenliebe’ (Kant, Ende 18. Jh., im Gegensatz zu Egoismus), dann eine politische Auffassung, die ein gleichberechtigtes Nebeneinander von unterschiedlichen Meinungen, Macht- und Interessengemeinschaften erstrebt (20. Jh.). Pluralist m. ‘Vertreter, Anhänger des Pluralismus’ (zuerst Wolff, 18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Pluralismus‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pluralismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Pluralismus‹

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Das ist nie der Fall gewesen, ich stand immer für Pluralismus.
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2002
Diese Priorität des Friedens zwingt uns, bis auf weiteres mit dem Pluralismus politischer Systeme zu leben.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 451
Zu den Begriffen, die durch häufigen Gebrauch ihren unzweideutigen Sinn verloren haben, gehört auch der des Pluralismus.
Die Zeit, 27.10.1972, Nr. 43
Die Wissenschaft ist auch nicht bereit, einen theoretischen Pluralismus zur Grundlage der Forschung zu machen.
Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 395
Dagegen brachte es die griechische Politik in ihrer gesamten Geschichte niemals zu einer verbindlichen äußeren Organisation, alle Staatlichkeit äußerte sich stets in einem vielfältigen Pluralismus.
Heuß, Alfred: Einleitung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 28091
Zitationshilfe
„Pluralismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pluralismus>, abgerufen am 01.10.2020.

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