Politikverdrossenheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Politikverdrossenheit · Nominativ Plural: Politikverdrossenheiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache [poliˈtɪkfɛɐ̯ˌdʀɔsn̩haɪ̯t]
Worttrennung Po-li-tik-ver-dros-sen-heit
Wortzerlegung PolitikVerdrossenheit, ↗politikverdrossen-heit
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutung

durch politische Skandale, zweifelhafte Vorkommnisse o. Ä. hervorgerufene Abneigung, sich mit politischen Themen zu befassen oder selbst politisch zu handeln
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: allgemeine, [weit] verbreitete Politikverdrossenheit; wachsende, zunehmende, steigende Politikverdrossenheit; grassierende Politikverdrossenheit
als Aktivsubjekt: Politikverdrossenheit fördern, schüren, verstärken, bekämpfen
als Dativobjekt: der Politikverdrossenheit entgegenwirken
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. führt zu Politikverdrossenheit; etw. trägt zu Politikverdrossenheit bei; ein Mittel gegen die Politikverdrossenheit; Gründe für Politikverdrossenheit; sich [nicht] über Politikverdrossenheit wundern
mit Genitivattribut: die Politikverdrossenheit der Bürger, Jugend, Bevölkerung, Menschen, Wähler
in Koordination: Politikverdrossenheit, Desinteresse und Wahlmüdigkeit
mit Prädikativ: die Politikverdrossenheit ist groß
als Aktiv-/Passivsubjekt: Politikverdrossenheit entsteht, nimmt zu, steigt, wächst
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung
als Genitivattribut: in Zeiten großer Politikverdrossenheit
Beispiele:
Eine Minderheitsregierung würde das Parlament wieder wichtiger machen und die politische Debatte beleben, weil um Themen wieder mehr gerungen werden müsste. Das wäre ein gutes Mittel gegen Politikverdrossenheit und das Gefühl bei vielen Wählern, dass »die da oben ja doch nur alles unter sich ausmachen«. [Bild am Sonntag, 26.11.2017, Nr. 48]
Politikverdrossenheit verhindert man […] mit besserer Politik, mit verständlicher Politik, mit besserer Kommunikation, an der sich jedoch auch die Medien beteiligen sollten. [Die Welt, 30.12.2014]
Desinteresse und allgemeine Politikverdrossenheit werden von Meinungsforschern als Gründe für die niedrige Beteiligung unter den knapp 38 Millionen Stimmberechtigten genannt. [Der Standard, 09.04.2008]
[…] »Die 42.000 jungen Hellersdorfer unter 18 Jahren sollen nicht die Nichtwähler von morgen werden.« Politikverdrossenheit und Desinteresse müsse durch das Verhalten der Politiker entgegengewirkt werden. Dazu gehöre allerdings nicht nur ein »sauberer Wahlkampf«, sondern auch das stetige Tätigsein für die Interessen junger Leute. [Berliner Zeitung, 16.08.1995]
Über den Wahlgesichtspunkt hinaus ist es wichtig, daß wieder politische Führung sichtbar wird, an der es meinem Eindruck nach in diesem Lande fehlt. Das führt zwar nicht zur Staats‑, aber zur Politikverdrossenheit. Politiker müssen bereit sein, Positionen zu vertreten, die nicht von vornherein auf allgemeinen Beifall rechnen können. [Der Spiegel, 13.06.1977, Nr. 25]
Die Generation der um die Dreißigjährigen hat es […] schwer: nichts, wofür es sich entschieden zu kämpfen lohnt. Die freiheitlich‑demokratische Grundordnung steht für viele in dieser Generation immer noch in Anführungszeichen, was nicht nur mit dem allgemeinen Ironiefuror zu tun hat. Vielmehr haftet dieser Ordnung in den Augen vieler Jüngerer eine gewisse Ödnis, ja Geringschätzung an – Ausfluss wohlfeiler Politikverdrossenheiten, aber auch Ausfluss des Bedeutungsverlustes der demokratischen Willensbildung im Zuge der Entmachtung des Nationalstaates durch Konzerne und die Prozesse der Globalisierung. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2001] ungewöhnl. Pl.

Typische Verbindungen zu ›Politikverdrossenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Politikverdrossenheit‹.

Zitationshilfe
„Politikverdrossenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Politikverdrossenheit>, abgerufen am 22.10.2020.

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