Polyp, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Polypen · Nominativ Plural: Polypen
Aussprache
WorttrennungPo-lyp
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Polyp‹ als Erstglied: ↗Polypenarm · ↗polypenartig
 ·  mit ›Polyp‹ als Letztglied: ↗Darmpolyp · ↗Nasenpolyp · ↗Süßwasserpolyp
Duden, GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
auf einem Untergrund festsitzendes Nesseltier, das oft große Stöcke bildet
Beispiele:
Eine Koralle ist ein kleiner Polyp, ein Nesseltier, das in Partnerschaft mit Algen lebt, die Fotosynthese betreiben. [Die Zeit, 13.05.2015, Nr. 20]
Süßwasserpolypen sind klein, grün und gemein: Ihre winzigen Nesseln durchschlagen sogar Flusskrebspanzer. […] Wenn Quallen und Polypen ihre Nesselzellen entladen, um Gift in den Körper ihrer Beute zu schießen, bewegen sie sich so schnell wie kaum etwas anderes im Tierreich […]. [Spiegel, 09.05.2006 (online)]
Die meisten Coelenteraten [Hohltiere] kommen in zwei Hauptformen vor, dem festsitzenden Polyp und der freilebenden Meduse. [Roth, G. u. Wullimann, Mario F.: Evolution der Nervensysteme und der Sinnesorgane. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 4]
Hydroidpolypen und Saumquallen […], Ordnung der Ploypomedusen, festsitzende Polypen und Polypenstöcke […]. Die Polypen sind klein und einfacher gebaut als die Korallenpolypen. Arbeitsteilung bei ihnen häufig; Nährpolypen mit Fangarmen und Nesselorganen; die Geschlechtspolypen […] erzeugen Geschlechtsgemmen […]. [o. A.: H. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 32767]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: festsitzende Polypen
in Koordination: Quallen und Polypen
2.
veraltet, umgangssprachlich
Synonym zu Krake
Beispiele:
Zum Glück hat sie [die Wirtin] für den Winter 500 Kilo Polyp und Tintenfisch eingefroren, da kriegen die Katastrophenreporter [bei Hochwasser] auch ein einwandfreies Mittagessen, tadellosen Pulpo, zubereitet mit Olivenöl. Aber auch ihr wäre es lieber, wenn Ebbe herrschte […]. [Süddeutsche Zeitung, 21.11.2002]
Er umklammerte mich mit seinen unsichtbaren Fangarmen wie ein Polyp und sah sich selber dabei zu, aus seinen Tintenfischaugen[…]! [Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982, S. 99. Zitiert nach: Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Wien: Bermann-Fischer 1937.]
An der Küste von Ceylon kommen riesenhafte Polypen (Octopus, eine Tintenfischart) »die glatten Bordwände heraufgekrochen, um sich menschliche Beute zu holen« […]. [Kosmos, 1929, Nr. 11, Bd. 26]
Seepolyp, Polyp der Alten, Pulp, Krake […], zur Unterordnung der Achtfüßer gehörige Gattg. der Kopffüßer […] mit langen, ungleich großen, mit zwei Reihen niedriger Saugnäpfe versehenen Armen […]. [o. A.: S. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 3406. Zitiert nach: o. A.: S. In: Brockhausʼ Kleines Konversation-Lexikon, Leipzig: F.A. Brockhaus 1906.]
3.
Medizin gutartige, oft gestielte Geschwulst der Schleimhäute, besonders in der Nase
Beispiele:
Große Mandeln und Polypen in der Nase verschlossen immer wieder die Atemwege […] und ließen den Patienten keine Nacht ruhig schlafen. [Die Welt, 24.11.2003]
Eine Darmspiegelung, wie sie in Deutschland allen Versicherten ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre zusteht, kann helfen. Hier entfernen Ärzte Polypen, aus denen möglicherweise Tumoren entstehen könnten. [Die Zeit, 04.02.2014, Nr. 6]
Die Nasenscheidewand wurde begradigt, ein Polyp entfernt. [Bild, 31.05.2002]
Mit einer Darmspiegelung spürt man zwar etwa 90 Prozent aller Polypen auf, aber für eine Reihenuntersuchung unauffälliger Patienten ist die Endoskopie zu teuer. [Süddeutsche Zeitung, 07.05.1997]
Die hochempfindliche Schleimhaut der Gebärmutter ist anfällig für Polypen, Myome, Endometriose oder sogar Krebs. [Neue Zürcher Zeitung, 23.01.1997]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gutartige Polypen
als Akkusativobjekt: Polypen entfernen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Polypen in der Nase, im Dickdarm
4.
salopp Polizist; Polizei-, Kriminalbeamter
Beispiele:
Den Beamten, so Peterke, mangele es immer noch an einer klaren Berufsbezeichnung. Der Volksmund kennt zwar Begriffe wie Polyp, Schandi und Bulle, diese dürften Peterke aber zu unpräzise sein, da aus ihnen die spezifischen Qualifikationen der Beamten nicht ersichtlich werden. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.2002]
Bei Inkognitobesuchen in feinen und weniger feinen Etablissements, die hauptsächlich von Jugendlichen besucht werden, hörte er durchaus keine Schmeicheleien über seine Beamten – »Bullen« und »Polypen« waren die mildesten Umschreibungen […]. [Die Zeit, 17.03.1967, Nr. 11]
Mein Freund spricht mit der Skotoe. – Skotoe? Wer ist das? Ärsche, Plage, Wichser, Polente, Polypen, Geschwüre, Bullen, oder auch die Polizei. Okay, und was soll ich jetzt mit dieser tollen Information? [Black Out. 2012 (Filmuntertitel)]
Da Jean Gabin Lino Ventura als Schauspieler sozusagen entdeckte, […] und ihn vieles lehrte, das Ventura später in der Nachfolge von Gabin in ganz ähnlichen Rollen, wie dieser sie gespielt hatte, zur Anwendung brachte, ist dieser hartgesottene Thriller aus einer Zeit, in der den Dialogschreibern der deutschen Fassung Bezeichnungen wie »Polente« oder »Polypen« für die Polizei einfielen […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2006]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Polyp m. in der Zoologie mit Fangarmen ausgestatteter ‘Kopffüßer, Tintenfisch, Krake’ (16. Jh.), mit Fangarmen (Tentakeln) ausgestattetes ‘Hohltier, Blumentier, Koralle’ (18. Jh.), in der Medizin ‘(meist gestielte) Schleimhautgeschwulst’ (16. Jh.), gelehrte Entlehnung aus lat. polypus, griech. polýpūs (πολύπους) Meerestier mit acht (als Füße gedeuteten) Schlinggliedern, ‘Krake, Tintenfisch’, bei den antiken Ärzten auch ‘gestielte Nasengeschwulst’, eigentl. ‘vielfüßig, Vielfuß’, zu griech. polýs (πολύς) ‘viel’ und griech. pū́s, Gen. podós (πούς, ποδός) ‘Fuß’. Die gaunersprachliche, danach auch umgangssprachliche Bedeutung ‘Polizist’ (2. Hälfte 19. Jh.) beruht auf zu Polyp (in Anspielung auf die Fangarme des Tieres) umgestaltetem rotw. Polipee ‘Polizei’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gesetzeshüter · ↗Ordnungshüter · Polizeibeamter · ↗Schutzmann · ↗Wachtmeister  ●  (dein) Freund und Helfer  veraltend · ↗Gendarm  österr. · ↗Polizist  Hauptform · ↗Schutzpolizist  veraltet · (der) Arm des Gesetzes  ugs., fig. · ↗Bulle  ugs. · ↗Cop  ugs., engl. · Herr in Grün  ugs. · ↗Schupo  ugs., veraltet · ↗Sheriff  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Zoologie
Synonymgruppe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Darm Dickdarm Entfernung Korallen Mandeln Medusen Muscheln Nase Quallen Stimmbändern Tentakeln entdeckt entfernt festsitzenden gutartigen herausoperiert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Polyp‹.

Zitationshilfe
„Polyp“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Polyp>, abgerufen am 25.06.2017.

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