Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Popanz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Popanzes · Nominativ Plural: Popanze
Aussprache 
Worttrennung Po-panz
Herkunft Herkunft unsicher
eWDG

Bedeutungen

1.
ausgestopfte Schreckgestalt, Vogelscheuche
Beispiele:
einen Popanz in den Kirschbaum setzen, aufs Feld stellen
Ich machte … aus Hose, Weste, Rock und Hut meines Vaters einen Popanz zurecht [ G. Hauptm.3,114]
abwertend, bildlich schreckenerregende, furchteinflößende Gestalt, Schreckgespenst
Beispiele:
Ihm war, wie ihm als Knaben zumute gewesen war, der … den Popanz, den Schwarzen Mann, anzweifelte [ Feuchtw.Goya554]
Gottsched war angeblich der Popanz, vor dem sich alle frischen Kräfte der Literatur bekreuzigten [ MehringLessing-Legende317]
2.
salopp, abwertend unselbstständiger, willenloser Mensch, der in seinen Handlungen von anderen abhängig ist
Beispiele:
Anngret hat ihn zum Nachäffer und Popanz gemacht [ StrittmatterBienkopp26]
er vertraut sich allerlei Helfern an, die … den Unglücklichen als Popanz von Amt zu Amt, von Abgeordneten zu Abgeordneten schleppen [ St. ZweigSternstunden45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Popanz m. ‘Schreckgespenst, ausgestopfte Gestalt, Strohpuppe’, frühnhd. (omd.) Popanz, Popenz (Ende 16. Jh.). Die Etymologie ist ungeklärt, slaw. Herkunft umstritten. Erwogen wird einerseits Anknüpfung an atschech. bobonci, pobonci, Plur. zu bobonek, pobonek, tschech. poboněk, paboněk, pabuněk ‘Gespenst’; vgl. Vasmer in: ZfslPh 19 (1947) 541; Bielfeldt Entlehnungen (1965) 51. Andererseits wird darin eine Weiterbildung von in dt. Mundarten verbreitetem Boboz ‘Schreckgespenst für Kinder’ vermutet, zu reduplizierend imitativ-interjektionalem bobo der Kindersprache; vgl. Bellmann Slavoteutonica (1971) 212.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Schreckbild · Schreckgespenst  ●  Popanz  veraltet

Typische Verbindungen zu ›Popanz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Popanz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Popanz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber als mobilisierender Popanz hat sie hierzulande den Konservativen stets dienen können. [Die Zeit, 03.08.2005, Nr. 31]
Und doch baut der Autor mit seinem Bild von der jammernden Ökoszene, die alles nur den Bach heruntergehen sieht, einen Popanz auf. [Die Zeit, 12.08.2002, Nr. 32]
Das System, das sie vertreten, ist bildlich anwesend im Popanz. [Die Zeit, 30.01.1967, Nr. 05]
Das traut man sich heute nicht mehr zu sagen, also muß man sich einen anderen Popanz aufbauen. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.1995]
Baut sich der Autor mit dem "unbeschriebenen Blatt" einen Popanz auf? [Die Welt, 03.01.2004]
Zitationshilfe
„Popanz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Popanz>.

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