Popanz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Popanzes · Nominativ Plural: Popanze
Aussprache
WorttrennungPo-panz
HerkunftHerkunft unsicher
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ausgestopfte Schreckgestalt, Vogelscheuche
Beispiele:
einen Popanz in den Kirschbaum setzen, aufs Feld stellen
Ich machte ... aus Hose, Weste, Rock und Hut meines Vaters einen Popanz zurecht [G. Hauptm.3,114]
abwertend, bildlich schreckenerregende, furchteinflößende Gestalt, Schreckgespenst
Beispiele:
Ihm war, wie ihm als Knaben zumute gewesen war, der ... den Popanz, den Schwarzen Mann, anzweifelte [Feuchtw.Goya554]
Gottsched war angeblich der Popanz, vor dem sich alle frischen Kräfte der Literatur bekreuzigten [MehringLessing-Legende317]
2.
salopp, abwertend unselbstständiger, willenloser Mensch, der in seinen Handlungen von anderen abhängig ist
Beispiele:
Anngret hat ihn zum Nachäffer und Popanz gemacht [StrittmatterBienkopp26]
er vertraut sich allerlei Helfern an, die ... den Unglücklichen als Popanz von Amt zu Amt, von Abgeordneten zu Abgeordneten schleppen [St. ZweigSternstunden45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Popanz m. ‘Schreckgespenst, ausgestopfte Gestalt, Strohpuppe’, frühnhd. (omd.) Popanz, Popenz (Ende 16. Jh.). Die Etymologie ist ungeklärt, slaw. Herkunft umstritten. Erwogen wird einerseits Anknüpfung an atschech. bobonci, pobonci, Plur. zu bobonek, pobonek, tschech. poboněk, paboněk, pabuněk ‘Gespenst’; vgl. Vasmer in: ZfslPh 19 (1947) 541; Bielfeldt Entlehnungen (1965) 51. Andererseits wird darin eine Weiterbildung von in dt. Mundarten verbreitetem Boboz ‘Schreckgespenst für Kinder’ vermutet, zu reduplizierend imitativ-interjektionalem bobo der Kindersprache; vgl. Bellmann Slavoteutonica (1971) 212.

Thesaurus

Synonymgruppe
Extravaganz · Popanz · ↗Überspanntheit · ↗Übertreibung
Synonymgruppe
Schreckbild · ↗Schreckgespenst  ●  Popanz  veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedrohung Gesang aufbauen aufblasen aufgebaut aufgeblasen eitel ideologisch lächerlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Popanz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber als mobilisierender Popanz hat sie hierzulande den Konservativen stets dienen können.
Die Zeit, 03.08.2005, Nr. 31
Baut sich der Autor mit dem "unbeschriebenen Blatt" einen Popanz auf?
Die Welt, 03.01.2004
Das traut man sich heute nicht mehr zu sagen, also muß man sich einen anderen Popanz aufbauen.
Süddeutsche Zeitung, 16.02.1995
Sie werden die Figur, die heute sich zum unerträglichen Popanz ausgewachsen hat und Ihnen das Spiel verdirbt, morgen zur harmlosen Nebenfigur degradieren.
Hesse, Hermann: Der Steppenwolf, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1955 [1927], S. 190
Vielleicht war er nur ein Popanz, das Gegenteil von einem Geist, ein Ungeist.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 21
Zitationshilfe
„Popanz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Popanz>, abgerufen am 15.12.2018.

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