Populismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Populismus · Nominativ Plural: Populismen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungPo-pu-lis-mus
Herkunftzu populuslat ‘Volk’
Wortbildung mit ›Populismus‹ als Letztglied: ↗Rechtspopulismus
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Politik, häufig abwertend von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen
Beispiele:
Seine Popularität sicherte sich der Präsident […] mit regelmäßigen Hilfsgeldern für die Ärmsten und billigen Darlehen für kleine Unternehmer. Reiner Populismus, sagen die Gegner. [Süddeutsche Zeitung, 09.07.2009]
Der rechte Populismus hat dort sein »Schmuddelimage«, wo er Ressentiments gegen Eliten, Fremde, Juden, den Islam ins Kraut schiessen […] lässt. Der linke Populismus steht näher am Mainstream, eckt deshalb weniger an. Sein Misstrauen gilt dem Markt und der Hörigkeit von Regierungen, die […] dem Kapitalismus keine Zügel anlegen. [Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2016]
Als bei den Kommunalwahlen in Frankreich rechte Parteien Gewinne erzielten, sahen die Kommentatoren einen neuen Populismus im Anmarsch, der sich antieuropäische Gefühle zunutze mache. […] In der politischen Debatte ist Populismus zum Schimpfwort geworden[…]. [Die Zeit, 04.04.2014, Nr. 15]
»Populismus« ist […] ein politischer Kampfbegriff[…]. Es wird anderen Politikern vorgeworfen, opportunistisch »dem Volk nach dem Maul« zu reden […] und einen unsachlichen Ton in die Auseinandersetzungen der politischen Eliten zu bringen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 06.11.1999]
Ganz wertfrei betrachtet ist Populismus in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht viel anderes als volksnahe Politik[…]. Auch Demokratien erleben Entwicklungsphasen, […] wo die Spannung zwischen eigengesetzlicher Regierungseffizienz und Volksstimmung wächst; wo neue Themen, neue Sorgen nicht genügend wahrgenommen oder im Vollzug höherer Regierungsweisheit herablassend behandelt werden; wo bestimmte Gruppen sich überrollt fühlen, kurz: wo politische Entwicklungskrisen sichtbar werden. Dann schlägt die Stunde der Populisten. [Die Zeit, 20.07.1979, Nr. 30]
Frustration, Mißtrauen gegenüber den Institutionen, Kampf gegen die Konzerne – die Vereinigten Staaten erleben heute eine Renaissance des Populismus, jener Bewegung der späten Jahre des vorigen [19.] Jahrhunderts, die nur ein Angriffsobjekt kannte: das Establishment. [Der Spiegel, 10.07.1972, Nr. 29]
[…] Populismen nutzen oft Ängste aus, die durch Globalisierung, EU-Erweiterung, Arbeitslosigkeit, soziale Unsicherheit geschürt werden, und bieten simplifizierte, eindimensionale Lösungen für komplexe Situationen[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2005] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: plumper, billiger, platter, dumpfer, (sich) anbiedernder Populismus; demagogischer, wahltaktischer, unverantwortlicher, gefährlicher Populismus; rechter, linker, nationalistischer Populismus; blanker, purer, schierer, reiner Populismus
als Akkusativobjekt: Populismus betreiben, beklagen
mit Akkusativobjekt: jmdm. Populismus vorwerfen, unterstellen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Hang, die Tendenz, jmds. Talent zum Populismus; in Populismus verfallen; vor Populismus warnen
mit Genitivattribut: der Populismus der Politiker, der Parteien
in Koordination: Populismus und Demagogie, Opportunismus
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: etw. als Populismus kritisieren, ablehnen, abtun, zurückweisen
selten, metonymisch von Populismus (1) geprägte politische Forderung, Aktion oder ÄußerungQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Er [der Politiker] hat sich ein Feld gesucht, das Applaus beim Volk einbringt. Und die Pharmabranche attackiert. Es ist ein Populismus, der fast allen gefällt. [Spiegel, 23.04.2010 (online)]
Sein [des Politikers] politisches Programm blieb vage und voller linker Populismen; er propagierte kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung sowie die gerechte Verteilung der Einkünfte aus den Rohstoffverkäufen, versprach neuen Wohnraum für die einen und für die andern vollständige Sanierung der Wohnungen. [Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2007]
2.
Literatur literarische Richtung des 20. Jahrhunderts, die bestrebt ist, das Leben des einfachen Volkes in natürlichem realistischem Stil ohne idealisierende Verzerrungen für das einfache Volk zu schildern
Beispiele:
Eigentlich war der Populismus […] eine literarische Strömung, begründet in Frankreich und Russland mit dem Ziel, das einfache Volk ohne Verkitschung und Verzerrung darzustellen. [Süddeutsche Zeitung, 09.08.2007]
Ramuz steht an der Wiege der modernen Westschweizer Literatur. In der Zeitschrift »La Voile latine«[…] bläst er zum Angriff auf das, was diese Literatur bis zum Beginn des Jahrhunderts weitgehend ausmachte: Populismus und Moral. [Neue Zürcher Zeitung, 23.05.1997]
Was mich […] an dem Stück stört, ist eine gewisse Volkstümlichkeitsschablone, die in der neuen französischen Literatur unter der Bezeichnung Populismus geradezu als Theorie auftritt […]. [Neues Deutschland, 14.07.1960]

Thesaurus

Synonymgruppe
Populismus · populistische Parolen  ●  (das) gesunde Volksempfinden  Jargon, ironisch · Lufthoheit über die Stammtische  ironisch
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktionismus Demagogie Etatismus Feigheit Hang Lagerdenken Nationalismus Opportunismus Radikalismus Reformismus Republikanismus Spielart Versuchung Volksfront Volksnähe antieuropäisch billig blank blödsinnig demagogisch garstig gnadenlos patriarchalisch platt plump pur schier unverantwortlich verantwortungslos wohlfeil

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Populismus‹.

Zitationshilfe
„Populismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Populismus>, abgerufen am 18.11.2019.

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