Portal, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Portals · Nominativ Plural: Portale
Aussprache  [pɔʁˈtaːl]
Worttrennung Por-tal
Herkunft aus gleichbedeutend portalemlat bzw. portalmfrz < portalat ‘Tor, Zu-, Eingang’ (Pforte)
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
repräsentativ gestalteter Eingang, Zugang zu einem Gebäude
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein schmiedeeisernes, prächtiges, verziertes, gotisches, romanisches Portal
als Akkusativobjekt: das Portal schmücken, zieren; ein Portal durchschreiten
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Inschrift, die goldenen Lettern über dem Portal
mit Genitivattribut: das Portal der Kathedrale, des Palazzo, des Doms, der Kapelle, des Stadtschlosses
in Koordination: Freitreppe, Giebel, Erker und Portal
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Portal im Stil von, mit Säulen
Beispiele:
Mit seinen vier ebenso prächtigen wie beeindruckenden dorischen Säulen am Portal ist das Thermalbadehaus wohl das markanteste Gebäude des Kurviertels [in Bad Neuenahr]. [Rhein-Zeitung, 22.10.2020]
Es ist vor allem die Pracht der […] Portale, samt ihrer reich verzierten Säulen und Kapitelle, Wappen und Doppeladler, Herkulesskulpturen und Karyatiden, die bis heute jedem unmissverständlich deutlich macht: An diesen Orten lebte nicht einfach irgendwer. [Die Zeit, 16.04.2014]
Der Besucher durchschreitet das Portal eines Wolkenkratzers und kommt sich wie in einem James‑Bond‑Film vor. [Die Welt, 08.10.2005]
Nur Glocken läuteten tief und dumpf, als der Sarg mit dem Papst durch das prächtige Portal im Petersdom verschwand. [Bild, 09.04.2005]
Das Dorf […] gruppiert sich um ein altes Gut, dessen baumreicher[,] verwilderter Park von einer Sandsteinmauer umschlossen wird, in das ein zierlich geschwungenes Portal im Stil der Weser‑Renaissance (genannt »Engelstor«) eingefügt ist. [Die Zeit, 03.08.1973]
bildlich Bahnhöfe galten einst als Visitenkarten einer Stadt, Portale zum urbanen Raum. [Leipziger Volkszeitung, 02.01.2015]
allgemeiner, gemeinsprachlich große Tür
Beispiele:
Dann begann der Ausbau der Wohnung. Die ist zum Schmuckstück geworden und quasi Ausgangspunkt für alle weiteren Sanierungsarbeiten. Die haben nun in Gestalt der Aufarbeitung historischer Räumlichkeiten begonnen. Zwei große Portale statt der Türen [Zwischenüberschrift] [Schweriner Volkszeitung, 31.01.2014]
Oft stehen sie [ein Paar] unendlich weit voneinander entfernt in dem unmöblierten hohen Saal mit den drei Portalen. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2001]
2.
Informations- und Telekommunikationstechnik bisweilen verblasst   Webseite (1) mit zahlreichen Informationen und Links zu einem bestimmten Thema oder zu einer breiten Themenpalette, die oft als Ausgangspunkt für das Surfen im Internet dient
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein reichweitenstarkes, werbefinanziertes Portal
als Akkusativobjekt: ein Portal einrichten, starten, betreiben
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich durch Portale klicken; die Betreiber von Portalen; Inhalte für Portale
mit Genitivattribut: das Portal des Netzbetreibers
in Koordination: Portale und Suchmaschinen, Plattformen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Portal im Internet, mit Nachrichten, mit redaktionellen Inhalten
Beispiele:
Blogs, Foren, Portale, Twitter und andere Plattformen bieten eine schier unübersehbare Menge von Möglichkeiten[,] sich und seine Unternehmung im Web zu zeigen. [Cactusblog, 19.10.2011, aufgerufen am 21.07.2020]
V[…] ermittelt die Zinssätze von 1.300 Banken und Sparkassen, indem das Portal die Konditionen vergleicht, die diese im Internet ausweisen. [Süddeutsche Zeitung, 17.03.2021]
Integrierte Dienste auf der Startseite wie ein E‑Mail‑Angebot machten t‑online.de rasch zum reichweitenstärksten Portal Deutschlands. [Die Zeit, 06.06.2015]
Die Suche nach den Gewinnern beginnt im kalifornischen Silicon Valley, wo das Online‑Auktionshaus Ebay, das Portal Yahoo und die Suchmaschine Google ihre Heimat haben. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2002]
So bietet er im eigenen Portal […] freien Zugang zu dem mit rund 150 Idiomen größten digitalen Wörterbuch des Netzes und zu einer elektronischen Universal‑Bibliothek namens Wordtheque mit über 16.000 literarischen und wissenschaftlichen Werken in 110 Sprachen. [Süddeutsche Zeitung, 05.08.2000]
3.
Technik feste oder bewegliche torförmige Tragkonstruktion für technische Einrichtungen wie Kräne, Autowaschanlagen o. Ä.
Beispiele:
Jetzt gibt es an den Einfallstraßen Röntgenscanner, die aussehen wie das Portal einer Autowaschanlage, daneben weiße Lieferwagen voller Computer und Bildschirme, wie bei der Gepäckkontrolle am Flughafen. [Süddeutsche Zeitung, 09.03.2017]
Das Portal [eines Portalkrans] ist eine Stahlkonstruktion, die meistens in Fachwerk‑ oder Rahmenbauweise ausgeführt ist. [Portalkran, aufgerufen am 02.04.2021]
Vor genau 30 Jahren hat diese schwäbische Maschinenfabrik […] das bis dahin ungenutzte Patent übernommen, wie mit einem fahrbaren Portal samt rotierende[n] Bürsten Autos automatisch vom Schmutz der Straßen gesäubert werden können. Diese Idee der platzsparenden Maschinenwäsche offenbarte sich als lohnend, denn heute stammt von Kleindienst in Deutschland und Europa die Mehrzahl solcher Anlagen. Unter den beweglichen Portalen werden aus schmutzigen Fahrzeugen wieder saubere Automobile. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.1993]
Das Führerhaus hängt an dem gemeinsamen Rahmen zwischen beiden Wagen. Die Motoren zum Schwenken der Ausleger sowie für das Verfahren des ganzen Kranes befinden sich auf dem Portal. [Dinglers Polytechnisches Journal, Jg. 1909/324, S. 17–19]
Der Kran besteht[…] aus der auf einem Rollenkranz gelagerten Brücke und einem Portal mit quadratischer Plattform. [Dinglers Polytechnisches Journal, Jg. 1906/321, S. 433–437]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Portal n. ‘architektonisch hervorgehobener, oft prunkvoll verzierter Haupteingang an einem größeren Gebäude’, im 15. Jh. mit der Bedeutung ‘Vorhalle, große Eingangstür’ entlehnt aus mlat. portale (vgl. mlat. portalis ‘an der Tür befindlich, zum Tor gehörig’) bzw. wenig später bezeugtem gleichbed. afrz. mfrz. portal, das seinerseits ein vlat. *portale voraussetzt (beide zu lat. porta ‘Tor, Zu-, Eingang’, s. Pforte). Die heutige Bedeutung kommt im 16./17. Jh. mit dem Eindringen der französischen und italienischen Baukunst auf und ist wohl von gleichbed. mfrz. portail, portal, frz. portail oder ital. portale beeinflußt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Pforte · Portal · Tor  ●  Eingang  Hauptform · Einlass  geh. · Entree  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Portal · Tunnelmund · Tunnelportal  ●  Tunneleingang  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Portal‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Portal‹.

Zitationshilfe
„Portal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Portal>, abgerufen am 17.01.2022.

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