Possenreißer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungPos-sen-rei-ßer (computergeneriert)
WortzerlegungPosseReißer
eWDG, 1974

Bedeutung

Witzbold, Spaßmacher
siehe auch reißen1 (Lesart 8)
Beispiele:
die Possenreißer, / wo sind sie, die das Lager sonst belustigen [G. Hauptm.IndipohdiIII]
Possenreißer erfreuten die Menge [BredelHeerstraßen132]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Possen · Possenspiel · Posse · Possenreißer · possierlich
Possen m. meist Plur., ‘derber Streich, Unfug, Schabernack’, mhd. possen (Plur.). Auszugehen ist von (allerdings später bezeugtem) frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (an Kunstdenkmälern, Gesimsen), besonders ‘groteske Figuren’ (an Brunnen). Dies ist entlehnt aus afrz. boce, frz. bosse ‘Buckel, Höcker, Beule, Relief, erhabene Arbeit, Gipsabguß’. Zugrunde liegt vielleicht anfrk. *bottia ‘Auswuchs, Sproß, Beule’, das Substantivbildung zu einem dem ahd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Amboß) entsprechenden anfrk. Verb (mit der Bedeutungsvariante ‘ausschlagen, sprießen’?) wäre; vgl. Gamillscheg ²128. Schon früh erfolgt die Übertragung von ‘komische Figur, Scherzfigur’ auf ‘Scherz, lustiger Streich’, wozu die Zusammensetzung Possenspiel n. ‘derbkomisches Bühnenspiel’ (16. Jh.), verkürzt Posse f. (18. Jh.). Possenreißer m. ‘Spaßmacher’ (16. Jh.), Zusammenbildung aus Possen reißen ‘Scherz und Spott treiben’ (16. Jh.). possierlich Adj. ‘klein und lustig, drollig’ (16. Jh.); vgl. bossieren, possieren ‘lustig sein, scherzen, Possen treiben’, eigentlich ‘als Zeichnung entwerfen, Figürliches in weicher Masse formen, bilden’ (16. Jh.), afrz. mfrz. bocer (s. ↗putzig).

Thesaurus

Synonymgruppe
Clown · ↗Harlekin · ↗Hofnarr · ↗Kasper · ↗Komiker · ↗Narr · Possenreißer · ↗Schalk · ↗Schelm · ↗Schäker · Schäkerer · ↗Ulknudel  ●  ↗Faxenmacher  ugs. · ↗Scherzbold  ugs. · ↗Scherzkeks  ugs. · Spaßkanone  ugs. · ↗Spaßmacher  ugs. · ↗Spaßvogel  ugs., Hauptform · ↗Vokativus  geh., veraltet, lat. · ↗Witzbold  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gaukler Spaßmacher

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Possenreißer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Possenreißer traten hinzu oder traten auch wohl allein vor das Volk.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 24099
Wer den monomanischen Possenreißer bierernst nimmt, dem fehlt Humor, wer ihn ignoriert, hat keinen Witz.
Die Welt, 24.07.2004
Er war kein besonders guter Schüler, aber er war ein großer Possenreißer.
Der Tagesspiegel, 02.12.2003
Wie von selbst bietet sich der Sprecher an der Rampe, der Harlekin, auch als Possenreißer mit aktuellen Pointen an.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 477
Bernhard hielte ihn, seinen Vetter, einen Fürsten, doch nicht für einen Possenreißer? fragte Franz Albrecht vorwurfsvoll.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 731
Zitationshilfe
„Possenreißer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Possenreißer>, abgerufen am 21.04.2019.

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