Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Possenreißer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Possenreißers · Nominativ Plural: Possenreißer
Aussprache 
Worttrennung Pos-sen-rei-ßer
Wortzerlegung Posse reißen1 -er
eWDG

Bedeutung

Witzbold, Spaßmacher
siehe auch reißen¹ (8)
Beispiele:
die Possenreißer, / wo sind sie, die das Lager sonst belustigen [ G. Hauptm.IndipohdiIII]
Possenreißer erfreuten die Menge [ BredelHeerstraßen132]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Possen · Possenspiel · Posse · Possenreißer · possierlich
Possen m. meist Plur., ‘derber Streich, Unfug, Schabernack’, mhd. possen (Plur.). Auszugehen ist von (allerdings später bezeugtem) frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (an Kunstdenkmälern, Gesimsen), besonders ‘groteske Figuren’ (an Brunnen). Dies ist entlehnt aus afrz. boce, frz. bosse ‘Buckel, Höcker, Beule, Relief, erhabene Arbeit, Gipsabguß’. Zugrunde liegt vielleicht anfrk. *bottia ‘Auswuchs, Sproß, Beule’, das Substantivbildung zu einem dem ahd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. Amboß) entsprechenden anfrk. Verb (mit der Bedeutungsvariante ‘ausschlagen, sprießen’?) wäre; vgl. Gamillscheg ²128. Schon früh erfolgt die Übertragung von ‘komische Figur, Scherzfigur’ auf ‘Scherz, lustiger Streich’, wozu die Zusammensetzung Possenspiel n. ‘derbkomisches Bühnenspiel’ (16. Jh.), verkürzt Posse f. (18. Jh.). Possenreißer m. ‘Spaßmacher’ (16. Jh.), Zusammenbildung aus Possen reißen ‘Scherz und Spott treiben’ (16. Jh.). possierlich Adj. ‘klein und lustig, drollig’ (16. Jh.); vgl. bossieren, possieren ‘lustig sein, scherzen, Possen treiben’, eigentlich ‘als Zeichnung entwerfen, Figürliches in weicher Masse formen, bilden’ (16. Jh.), afrz. mfrz. bocer (s. putzig).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Harlekin · Hofnarr · Kasper · Komiker · Narr · Pausenclown · Possenreißer · Quatschmacher · Schalk · Schelm · Schäker · Schäkerer · Ulknudel  ●  Clown  engl. · Witzling  veraltend · Betriebsnudel  derb · Faxenmacher  ugs. · Scherzbold  ugs. · Scherzkeks  ugs. · Spaßkanone  ugs. · Spaßmacher  ugs. · Spaßvogel  ugs., Hauptform · Vokativus  geh., veraltet, lat. · Witzbold  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Possenreißer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Possenreißer traten hinzu oder traten auch wohl allein vor das Volk. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 24099]
Die Absicht ist klar: Sie wollen weg vom Image der Possenreißer, raus aus dem Liliputaner‑Zirkus. [Die Zeit, 09.02.1981, Nr. 06]
Das waren zwei drollig verschlagene Individuen, jedoch keine grotesken Possenreißer. [Die Zeit, 19.07.1974, Nr. 30]
Jene, die Österreichs »Altparteien« einst vor sich hergetrieben haben, verkommen endgültig zu Possenreißern der Nation. [Süddeutsche Zeitung, 25.06.2003]
Natürlich ist die Sache jetzt in der Hand der Possenreißer. [Süddeutsche Zeitung, 08.09.2000]
Zitationshilfe
„Possenreißer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Possenrei%C3%9Fer>.

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