Postille, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Postille · Nominativ Plural: Postillen
Aussprache
WorttrennungPos-til-le
HerkunftLatein
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Religion Sammlung von Predigten und Predigtkommentaren in Buchform
Beispiele:
Als Vorbild gilt Martin Luthers Hauspostille; »Postille« bezeichnet ursprünglich eine Erklärung des vorangestellten Bibeltextes, eine Art Predigt. [norberto42:Laßt euch nicht verführen!, 11.12.2012, aufgerufen am 15.09.2018]
Aus der intensiven Beschäftigung einiger Dominikaner mit der Bibel entstanden Pionierarbeiten wie z. B. die Bibelkonkordanz und Postille des Kardinals Hugo von St. Cher (†1263)[…]. [Ordensgeschichte, 02.09.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Als dritten Teil enthalten viele Postillen noch gesondert die Festtagspredigten, und in diesen sind auch manchmal Neujahrspredigten enthalten. [Cinquecentine (»Tschinquetschentine«), 02.12.2012, aufgerufen am 14.09.2018]
Zahlreich und vielfach gedruckt sind seine [des Theologen Georg Witzel] Predigtwerke und Postillen. [Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 7334. Zitiert nach: Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation, Freiburg i. Br. u. a.: Herder 1967.]
Postille (lat.), im Mittelalter fortlaufende Auslegungen der Perikopen, an deren Verlesung sich anschließend (post illa); in der evang. Kirche Bezeichnung für die Ausgaben von Predigtjahrgängen, am berühmtesten Luthers doppelte (Kirchen- und Haus-) P[ostillen]. [o. A.: P. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 59385. Zitiert nach: o. A.: P. In: Brockhaus’ Kleines Konversation-Lexikon, Leipzig: F.A. Brockhaus 1906.]
allgemeiner erbauliches (religiöses) Schriftstück
Beispiele:
Buchhändlerische Initiative befriedigte hier ein großes Bedürfnis nach solcher Erbauungsliteratur [Plenarien] (später durch Postillen abgelöst). [Dienst, K.: Plenarien. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 25651. Zitiert nach: Dienst, K.: Plenarien. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 5, Tübingen: Mohr 1961.]
Die mancherlei A[ndacht]s- und Erbauungsbücher (Postillen, Betrachtungsbücher) wollen dem durch Unrast, Angst und Gier bedrohten Menschen festen Stand geben im Wort Gottes. [Mezger, M.: Andacht. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 1325. Zitiert nach: Mezger, M.: Andacht. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 1, Tübingen: Mohr 1957.]
Die Kolportageromane übernahmen oft die Funktion der einstigen geistlichen Tröster und Postillen […]. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 8232. Zitiert nach: Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels, München: C.H. Beck 1991.]
Wir […] dürfen uns nicht länger wie Prediger verhalten, die auf Plätzen und in Postillen Wahr- und Weisheiten verkünden, die niemand hören will und verstehen kann. [konkret, 2000. Zitiert nach: konkret, 1983.]
übertragen Jedenfalls konnte man solche Weltuntergangsszenarien damals lesen, etwa in dem Ratgeber »Sexspiel – Hingabe und Ekstase«, der als Postille der Aufklärung […] vertrieben wurde. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2009]
2.
meist abwertend Presseerzeugnis von geringem Seitenumfang und thematischer Spezialisierung, dem kein hoher journalistischer Wert zugesprochen wird
Beispiele:
Die Stiftung wirft ihrem ehemaligen Vorsitzenden vor, rechtsextreme Postillen regelmäßig mit Beiträgen und Interviews beehrt zu haben. [Die Zeit, 17.11.2005, Nr. 47]
Erhöht es den Status einer Zeitung, wenn darin Professoren parlieren und sich gegenseitig attackieren, oder macht es sie zur abgehobenen Postille des Elfenbeinturms? [Erbloggtes, 29.06.2016, aufgerufen am 14.09.2018]
Mir fehlten die Zeit und der Antrieb, das Blog mit sinnvollen Beiträgen zu bestücken und wenn ich doch schreiberisch tätig war, habe ich dies lieber in kleinen Postillen, Fanzines und Zeitschriften getan[…]. [Zwischenbericht, 20.01.2014, aufgerufen am 14.09.2018]
Vor bunten Lacken jedenfalls warnt die jüngste Ausgabe der »Apotheken Umschau«, einschlägige Postille für Kunden der weißgewandeten Pharmazeutenzunft. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2004]
In der aktuellen Ausgabe der linksradikalen Postille »Interim« wird ausführlich vom Besuch Clintons in Athen im November 1999 berichtet, bei dem es zu schweren Straßenkrawallen gekommen war. [Der Tagesspiegel, 29.02.2000]
Die im Stil der Regenbogenpresse aufgemacht Postille bringt wöchentlich für 70 Pfennig Jasmin-Hauch, Gesellschaftsklatsch und Geschichten fürs Herz in die Wohnstuben. [Die Zeit, 08.10.1971, Nr. 41]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine rechte, rechtsradikale linke, Postille
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Postille f. ‘Predigt-, Erbauungsbuch’, zuvor ‘Erläuterung, Auslegung einer Bibelstelle’, entlehnt (16. Jh.) aus mlat. postilla, verkürzt entstanden aus lat. post illa verba sacrae scripturae ‘nach jenen Worten der Heiligen Schrift’, eine die nachfolgende Predigt ankündigende Formel.

Thesaurus

Synonymgruppe
Blatt · ↗Gazette · ↗Heft  ●  ↗Journal  franz. · ↗Zeitung  Hauptform · ↗Blättchen  ugs. · ↗Käseblatt  ugs., abwertend · Käseblättchen  ugs., abwertend · Postille  geh., ironisch · ↗Revolverblatt  ugs., abwertend · ↗Schmierblatt  derb, stark abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bibel Leser link rechtsextrem rechtsradikal

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Postille‹.

Zitationshilfe
„Postille“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Postille>, abgerufen am 06.12.2019.

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