Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Präferenz, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Präferenz · Nominativ Plural: Präferenzen
Aussprache  [pʀɛfeˈʀɛnʦ]
Worttrennung Prä-fe-renz
formal verwandt mitpräferieren
Wortbildung  mit ›Präferenz‹ als Erstglied: Präferenzspanne · Präferenzstruktur · Präferenzzoll · präferentiell · präferenziell
 ·  mit ›Präferenz‹ als Letztglied: Handelspräferenz · Parteienpräferenz · Parteipräferenz · Zeitpräferenz
Herkunft aus gleichbedeutend préférencefrz < préférerfrz ‘vorziehen’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich Bevorzugung, Vorrang, Vorliebe
Kollokationen:
in Koordination: Prioritäten, Vorlieben, Abneigungen und Präferenzen
Beispiele:
Im Januar verwies eine Athletenvertreterin auf eine Umfrage unter Sportlern, nach denen diese eine Präferenz für das Liebeslied [Katjuscha anstatt der untersagten Nationalhymne] hätten. [Süddeutsche Zeitung, 17.03.2021]
Dessen ungeachtet huldigen Wissenschaftler einem Zitatfetisch und treffen die Wahl des Publikationsortes regelmäßig nicht nach inhaltlicher Präferenz oder dem Kriterium der Offenheit, sondern in der Erwartung möglichst hoher Zitationszahlen, ermittelt aus Datenbanken, die geschlossen sowie methodisch und wissenschaftlich fragwürdig sind. [Kreativität und Urheberrecht in der digitalen Welt, 01.02.2013, aufgerufen am 05.06.2015]
Bei mehreren Testläufen […], bei denen die Passagiere wählen konnten, ob sie wie bisher von Sicherheitskräften abgetastet oder mit dem Scanner überprüft werden, habe sich eine eindeutige Präferenz für die Nacktscanner gezeigt. [Der Spiegel, 02.04.2009 (online)]
[Interview:] Beim Web‑Hosting[…] sind Sie weltweit führend, aber noch nicht in einem der wichtigsten Märkte vertreten: Asien. D[…]: Wir haben ein mögliches Engagement wiederholt im Vorstand diskutiert. Und irgendwann werden wir auch nach Asien gehen. Aber unsere eindeutige Präferenz besteht darin, in wenigen Märkten ganz weit vorne zu sein […]. [Die Welt, 20.07.2005]
Teilnehmer der Umfrage, die selten oder nie Zug fahren, zeigten im Vergleich zu den anderen beiden Stationen eine klare Präferenz für den Bahnhof Zoo. [Berliner Zeitung, 13.06.2005]
spezieller, besonders Wirtschaft Wunsch, bestimmte Vorliebe in Bezug auf die Wahl von Produkten, Diensten, Parteien o. Ä.
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: parteipolitische, sexuelle, geschmackliche, individuelle Präferenzen
mit Genitivattribut: die Präferenzen der Konsumenten, Wähler, Verbraucher, Anleger, Investoren
als Akkusativobjekt: Präferenzen andeuten, äußern, bekunden, angeben, ausdrücken
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich an jmds. Präferenzen orientieren, ausrichten
Beispiele:
Der Kunde teilte seine Wünsche und Präferenzen dem Hersteller allenfalls über Marktforschungsumfragen mit. [Die Zeit, 01.07.2010]
»Bisher hat Forschung vor allem danach gefragt, wie Propaganda direkt auf die politischen Präferenzen und Meinungen eines Individuums wirkt«[…]. [Süddeutsche Zeitung, 12.02.2021]
[…] »Payback«. So […] heisst ein weitgreifendes deutsches Kundenkartensystem, ein Bonusprogramm, das Kunden binden soll, das ihnen bei Einkäufen einen Rabatt in Form von »einlösbaren« Punkten gewährt, dafür aber via Karte viele Daten sammelt, die über Kaufverhalten, über mögliche Präferenzen und anderes mehr Auskunft geben […]. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2009]
Nur so [durch die Analyse unterschiedlichster Datenquellen] könne man Bedürfnisse, Erwartungen und Präferenzen jedes einzelnen Kunden genau kennenlernen und ihm das richtige Angebot zur rechten Zeit über den am besten geeigneten Vertriebsweg anbieten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2000]
Je mehr Freiheitsgrade das Präferenzsystem der Nachfrager hat, um so dringlicher stellen sich für die Anbieter Probleme der Absatzpolitik – jedenfalls dann, wenn der Schein aufrechterhalten bleiben soll, daß die Verbraucher privatautonom, d. h. nach monologisch gewissen Präferenzen entscheiden können. [Habermas, Jürgen: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1973, S. 116]
Finanzdienstleistungsprodukte werden zunehmend als austauschbar wahrgenommen. Sie sind alleine nicht mehr tauglich zur Profilierung eines Anbieters. Vielmehr entscheidet heute das Image des Absenders über Präferenz und Bindung an ein Produkt. [Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche. München: Piper 2001 [1999], S. 390] ungewöhnl. Sg.
2.
Vorteil, Vergünstigung
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: steuerliche, gewährte Präferenzen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Gewährung von Präferenzen
Beispiele:
Der [Konzern] unterstützte die Regierung großzügig und erhielt dafür ebenso großzügige Präferenzen bei Steuern und Zöllen. [Welt am Sonntag, 16.03.2014]
Die Forderung einzelner Handelspartner nach individuellen Zollvorteilen wurde mit dem Argument abgetan, in einer Zeit, in der man sich um den Abbau der Zölle bemühe, gehe es nicht an, Präferenzen zu gewähren. [Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2017]
Einige Präferenzen haben entwicklungspolitische Ziele, wie die Vorteile, welche die EU den Staaten in Afrika und der Karibik gewährt. Andere gleichen Vorzügen unter politischen Partnern, wie in der Zollunion der EU oder in der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2006]
Vor Beantwortung dieser Frage muss man wissen, dass keiner der gravierenden psychologischen und ökonomischen Fehler der Jahre 1990 und 1991 heute noch repariert werden kann: […] weder das würdelose und irritierende Hickhack über den Solidaritätszuschlag – erst einführen, dann abschaffen, dann wieder einführen – noch jene unqualifizierten steuerlichen Präferenzen, die zunächst im Osten einen Bauboom ausgelöst haben, der aber zwangsläufig seit Jahren zusammensackt und eine überdimensionierte ostdeutsche Baukapazität hinterlassen hat. [Die Zeit, 04.10.2001]
Dagegen bleibt Bauherren oder solchen, die das werden wollen, noch immer genügend Zeit für die Beanspruchung vom Staat gewährter Präferenzen, wie etwa der Wohnungsbauprämie. [Süddeutsche Zeitung, 17.12.1994]
Die USA haben unter dem Vorwand ihres Rekordzahlungsbilanzdefizits von 29,6 Mrd. Dollar die zugesagten Präferenzen für die Einfuhr von Industriewaren zurückgezogen. [Neues Deutschland, 29.09.1972]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Präferenz f. ‘Vorrang, Priorität, Bevorzugung’, Entlehnung (um 1700) von gleichbed. frz. préférence, zu frz. préférer, aus lat. praeferre ‘vorziehen’; vgl. lat. ferre ‘tragen’ und s. prä-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bevorzugung · Hang (zu) · Neigung · Schwäche (für) · Vorliebe  ●  Faible (für)  franz. · Prädilektion  geh., veraltet · Präferenz  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Favorit · Präferenz · bevorzugte Alternative · bevorzugte Option · erste Wahl
Synonymgruppe
Bevorzugung · Höherrangigkeit · Primat · Präferenz · Vorrang · Vorrangigkeit · Vorrangstellung · Vortritt · Vorzug  ●  Präzedenz  geh., selten, bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Präferenz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Präferenz‹.

Zitationshilfe
„Präferenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pr%C3%A4ferenz>.

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