Prävalenz, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Prävalenz · Nominativ Plural: Prävalenzen
Aussprache  [pʀɛvaˈlɛnʦ]
Worttrennung Prä-va-lenz
Herkunft Latein
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur COVID-19-Pandemie.
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
Medizin auf eine Personengruppe, meist die Gesamtbevölkerung, bezogene Anzahl der Krankheitsfälle zu einem bestimmten Zeitpunkt
Beispiele:
Die Prävalenz gibt an, wie häufig eine Erkrankung oder Symptome in einem bestimmten zeitlich definierten Rahmen oder zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen. Prävalenz ist ein Begriff aus der Epidemiologie. [Coronavirus: Was steckt hinter den Fachausdrücken?, 27.05.2020, aufgerufen am 30.05.2020]
Menschen mit Depressionen empfinden typischerweise nur noch wenig Freude, viele fühlen sich müde, leer und antriebslos, können sich nur schwer konzentrieren und haben Probleme, ein‑ oder durchzuschlafen. Auch das Selbstwertgefühl sinkt häufig. Die Prävalenz – die Rate der Erkrankten – stieg laut Krankenkassenstatistik zwischen 2009 und 2017 von 12,5 auf 15,7 Prozent. [Psychische Störungen, 01.05.2020, aufgerufen am 22.05.2020]
Skabies (= Tollwut) scheint tatsächlich immer wieder bei großen Volksbewegungen aufzuflammen. Das ist für die Zeit nach den beiden Weltkriegen belegt. Die aktuellen Flüchtlinge weisen zwar in der Tat eine höhere Prävalenz auf, das bedeutet, mehr Menschen sind davon betroffen. Das ergibt sich zum einen aus der Geschichte ihrer Flucht, während der oft schlechte hygienische Verhältnisse geherrscht haben. [Die Welt, 20.02.2019]
Außerdem lasse sich nicht jeder Betroffene testen. Deshalb seien nur Schätzungen über die tatsächliche Zahl der Infektionen möglich. Experten sprechen dann von der Prävalenz, also der Anzahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Infektionen. [Spiegel, 16.07.2012 (online)]
Die meisten epidemiologischen Angaben basieren auf der Untersuchung bestimmter Patientengruppen, womit aber nicht die wahre[…] Prävalenz erfaßt wird. [Schulz, Wolfgang u. Gerhards, Friedemann: Psychosomatik. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 2813. Zitiert nach: Schulz, Wolfgang u. Gerhards, Friedemann: Psychosomatik. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch der Psychologie, Weinheim u. a.: Beltz 1980.]
2.
allgemeiner, gehoben Vorherrschaft (von etw.)
Beispiele:
Ich will das Denken nicht in Bausch und Bogen verwerfen, es wird wahrlich vielerorts eher zu wenig als zu viel gedacht – aber für den Roman kann eine Prävalenz des Denkens tödlich sein. [Süddeutsche Zeitung, 12.10.2009]
Der österreichische Bundesrat wird in seiner Bedeutung von den ausländischen Gegenstücken bei weitem überstrahlt. Durch den Klubzwang und die Prävalenz großer Koalitionen ist die inhaltliche Übereinstimmung mit dem Nationalrat praktisch immer gegeben. [Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2015]
Auch dies war ein Streitpunkt mit der katholischen Kirche, die vergeblich forderte, das von Gott geschenkte Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zu schützen bzw. diese Prävalenz des göttlichen Rechts schriftlich zu fixieren. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1997, Bd. 67.]
Ich glaube, daß man die politische Situation schon im Blick behalten muß. Nur dürfen die rein politischen Erwägungen nicht die Prävalenz gewinnen; das Primäre muß in der Tat der geistliche Gesichtspunkt sein. [Der Spiegel, 03.04.1963, Nr. 14]
Über den z. T. seinen Zeitgenossen maßlos kühn erscheinenden Neuerungen vergessen die meisten Beobachter, daß schon die Prävalenz des Harmonisch‑Akkordischen und die sorgfältige Mischung von Intervallen zu Klangkomplexen mit farblicher Bedeutung das Verhaftetsein dieser Harmonik in der Kunst des 19. Jh. rückhaltlos offenbaren. [Albrecht, Hans: Impressionismus. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 36298. Zitiert nach: Albrecht, Hans: Impressionismus. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, Kassel: Bärenreiter 1957.]

Thesaurus

Synonymgruppe
Prävalenz · Vorherrschen · weite Verbreitung · Überhandnehmen
Assoziationen
  • (eine) Inflation (an/von) · unkontrollierte Vermehrung · Überhandnehmen · übermäßiger Gebrauch
Medizin
Synonymgruppe
Krankheitshäufigkeit · Prävalenz
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Epidemiologie · Epizootiologie  ●  Seuchenkunde  veraltet · Seuchenlehre  veraltet
Zitationshilfe
„Prävalenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pr%C3%A4valenz>, abgerufen am 24.09.2020.

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