Prüderie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Prüderie · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Prü-de-rie
Grundform prüde
Herkunft aus gleichbedeutend pruderiefrz
eWDG

Bedeutung

prüdes Wesen, Zimperlichkeit
Beispiel:
Ich habe von je den Ehebruch verabscheut, nicht aber ... aus Prüderie und Sittsamkeit [ St. ZweigAmok352]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

prüde · Prüderie
prüde Adj. ‘übertrieben schamhaft, zimperlich, spröde’, seit dem letzten Viertel des 18. Jhs. geläufig (zunächst vornehmlich substantiviert eine Prüde ‘eine Frau von übertriebener, oft nur vorgetäuschter Sittsamkeit’), ist Entlehnung von in gleicher Weise verwendetem frz. prude. Das frz. Adjektiv entstammt der Fügung frz. prud’homme ‘tüchtiger, erfahrener Mann, Sachverständiger’, älter auch ‘tapferer Mann, Ehrenmann’ (aus afrz. prodome, preudome, mfrz. preudhomme, wohl unter dem Einfluß von frz. prudent ‘klug’ lautlich umgestaltet) bzw. entsprechend gebildetem afrz. prode feme, afrz. frz. (bis ins 17. Jh. belegt) preude femme ‘tüchtige, ehrenwerte Frau’. Afrz. prode, afrz. mfrz. preude, das in diesen Verbindungen wahrscheinlich schon um 1400 als Adjektiv aufgefaßt wird, ist eigentlich eine Zusammensetzung von afrz. pro, preu ‘tapfer, kühn, tauglich, gut’ (frz. preux) mit der Präposition afrz. frz. de ‘von’; der erste Bestandteil ist adjektivisch gebrauchtes afrz. pro, preu m. ‘Vorteil, Nutzen, Gewinn’, dieses aus gleichbed. spätlat. prōde (in spätlat. prōde est, volkstümliche oder halbgelehrte Auflösung von klassisch lat. prōdest ‘es nützt’). Prüderie f. ‘zur Schau getragene Schamhaftigkeit, Ziererei’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. pruderie.

Typische Verbindungen zu ›Prüderie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Prüderie‹.

Verwendungsbeispiele für ›Prüderie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Show "Big Brother", die heute im deutschen Fernsehen startet, ruft allerorten Prüderie auf den Plan.
Die Welt, 01.03.2000
Da wollte ich, wiederum sehr bewußt, eine neue Prüderie attackieren.
Süddeutsche Zeitung, 23.01.1997
Wo Sex zudem noch als anrüchig gilt, treibt spätviktorianische Prüderie das mißbrauchte Kind ins Schweigen.
Die Zeit, 30.08.1996, Nr. 36
Prüderie galt nicht, und wer zu ihr neigte, mag sich unter dem Eindruck der Verlockungen oft genug anders besonnen haben.
Bauer, Hans: Wenn einer eine Reise tat, Leipzig: Koehler & Amelang 1973, S. 15
Aus verlogener Prüderie hat man die Menschen ohne Aufklärung gelassen über die wichtigsten Vorgänge des geschlechtlichen Lebens.
Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652
Zitationshilfe
„Prüderie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pr%C3%BCderie>, abgerufen am 03.08.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
prudeln
prudelig
Prudelei
prüde
prozyklisch
prudlig
Prüfauftrag
Prüfautomat
prüfbar
Prüfbelastung