Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Prügelknabe, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Prügelknaben · Nominativ Plural: Prügelknaben
Worttrennung Prü-gel-kna-be
Wortzerlegung Prügel1 Knabe
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich jmd., der für die Verfehlungen eines anderen bestraft wird, Sündenbock
Beispiele:
jmdn. zum Prügelknaben machen
den Prügelknaben für jmdn. abgeben
Zu Hause ist er der Prügelknabe [ NollHolt1,50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Prügel · prügeln · Prügelknabe
Prügel m. ‘Stock, Knüppel’, Plur. ‘Schläge, Hiebe’, mhd. brügel ‘Stock, Knüppel’ ist mit l-haltigem Suffix für Gerätebezeichnungen gebildet zu mhd. brüge ‘Brettergerüst’. Dies gehört zu dem unter Brücke (s. d., eigentlich ‘Balkenwerk’) behandelten Substantiv. Die heute vorherrschende pluralische Bedeutung ‘Schläge’ entsteht (Anfang 18. Jh.) aus Wendungen wie (den) Prügel geben (17. Jh.), Prügel austeilen (18. Jh.). – prügeln Vb. ‘schlagen’, eigentlich ‘mit einem Prügel schlagen’ (16. Jh.); vgl. ahd. gibrugilōn ‘durch übergelegte Knüppel, Stöcke, Reißig schützend bedecken’, bair. prügeln ‘eine Brücke, einen Weg mit Stammstücken, Knüppeln, Ästen belegen’. Prügelknabe m. ‘Sündenbock, wer Schläge, eine Strafe erhält, die ein anderer verdient hat’ (19. Jh.), auch Prügeljunge, -bube; ehemals als literarische Figur ein Junge einfachen Standes, der gemeinsam mit einem Fürstensohne erzogen wird und die diesem gebührende Strafe erhält.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) geborene Opfer · Mobbingopfer  ●  (jemandes) Fußabtreter  fig. · Zielscheibe  fig. · Arsch vom Dienst  derb · Opfer  ugs., jugendsprachlich · Prügelknabe  ugs., Hauptform · Schlagball  ugs. · Watschenmann  ugs. · immer auf die Kleinen!  ugs., Spruch, scherzhaft-ironisch · mit mir kann man's ja machen  ugs., Spruch
Assoziationen
  • (nur) ein dummes Gesicht machen  ●  am Arsch des Propheten sein derb, scherzhaft, sarkastisch · angeschmiert sein ugs. · belämmert dastehen ugs. · blöd dastehen ugs. · der Angeschmierte sein ugs. · der Blöde sein ugs. · der Dumme sein ugs. · der Gelackmeierte sein ugs. · die Arschkarte (gezogen) haben ugs., fig. · die Blöde sein ugs. · dumm dastehen ugs., fig.
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
  • (ein) Bauernopfer (sein)  ●  zum Sündenbock gemacht werden variabel · den Sack schlagen, aber den Esel meinen geh., sprichwörtlich, variabel
  • Feindbild · Sündenbock  ●  Zielscheibe fig. · (ein) Böser ugs. · Arsch vom Dienst derb · Buhmann ugs.
  • Backpfeifengesicht ugs. · Gesicht wie ein Feuermelder ugs. · Gesicht zum Reinschlagen derb · Ohrfeigengesicht ugs.
  • (etwas) auf sich nehmen müssen · (für etwas) geradestehen müssen · verantwortlich gemacht werden (für)  ●  (den) Kopf hinhalten müssen (für) fig.
  • (seine) Wut auslassen an · (sich) abreagieren an  ●  (ein) Ventil finden fig. · (sein) Mütchen kühlen (an) geh., veraltend
  • (jemandes) Würde verletzen  ●  (für jemanden) Dreck sein derb · (für jemanden) nur der Bimbo sein derb · (jemanden) wie Dreck behandeln derb · (jemanden) wie den letzten Dreck behandeln derb · (jemandes) Fußabtreter sein ugs.
  • (bloßes) Spielmaterial negativ, fig. · Schachfigur (Person) fig. · Spielball (einer Sache) fig., negativ · Verfügungsmasse negativ, fig.
  • Büttel · Handlanger  ●  (jemandes) Lakai abwertend · (jemandes) Laufbursche abwertend · (jemandes) Marionette fig. · (jemandes) Wasserträger fig. · (jemandes) Bimbo derb, abwertend · (jemandes) Lellek ugs., ruhrdt., polnisch · (jemandes) Schani ugs., österr. · Arsch vom Dienst derb · Mädchen für alles ugs. · nützlicher Idiot ugs., Jargon, politisch, fig.

Typische Verbindungen zu ›Prügelknabe‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Prügelknabe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Prügelknabe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unter dem verglasten Dach haben sich die Prügelknaben der Nation zusammengefunden. [Die Zeit, 26.05.2009, Nr. 17]
Andererseits fühlen sich Lehrer als »Prügelknaben der Nation«, in ihrer Arbeit wenig anerkannt. [Die Zeit, 13.12.1991, Nr. 51]
Es ist daher hilfreich, für den anderen Fall schon mal einen Prügelknaben aufzubauen. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2004]
Derzeit scheint der Analyst als Prügelknabe mal wieder in Mode zu sein. [Süddeutsche Zeitung, 29.11.2000]
Falls es auf dem Rasen nicht läuft, sind Sie schnell der Prügelknabe der Nation. [Süddeutsche Zeitung, 13.06.1994]
Zitationshilfe
„Prügelknabe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pr%C3%BCgelknabe>.

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