Praktikant, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Praktikanten · Nominativ Plural: Praktikanten
WorttrennungPrak-ti-kant (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
WortzerlegungPraktikum-ant
Wortbildung mit ›Praktikant‹ als Erstglied: ↗Praktikantin  ·  mit ›Praktikant‹ als Letztglied: ↗Ferialpraktikant · ↗Medizinalpraktikant · ↗Rechtspraktikant
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Student einer bestimmten Fachrichtung, der vorübergehend in einem Betrieb tätig ist, um sich praktische Berufskenntnisse anzueignen
Beispiel:
er arbeitet jetzt ein halbes Jahr als Praktikant in einem Notariat, landwirtschaftlichen Betrieb, einer Schule
2.
Teilnehmer am physikalischen, chemischen Praktikum einer Hochschule
Beispiel:
die Praktikanten des physikalischen, chemischen Praktikums
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Praktik · praktisch · praktikabel · Praktikant · Praktiker · Praktikum · praktizieren
Praktik f. ‘Art der Ausübung (einer Tätigkeit), Verfahrensweise, Handhabung’, frühnhd. practic, practik ‘Ausübung und Anwendung, Art eines Geschäfts oder Verfahrens, Ausübung einer Kunst (z. B. der Kalendermacherei, der Medizin), unerlaubter Kunstgriff, Kniff, Betrug’ (häufig im Plur. practicen, practiken, 16. Jh.), entlehnt aus mlat. practica ‘Ausübung, Tätigkeit, Übung, Vollendung’, auch ‘List, Schlauheit’, spätlat. practicē ‘Unternehmen, Handlung, Tätigkeit, Ausübung’, griech. prāktikḗ (téchnē) (πρακτικὴ τέχνη) ‘Tätigkeit, Aktivität’, eigentlich ‘Kunst, Lehre vom aktiven Tun und Handeln’, Substantivierung der fem. Form des Adjektivs griech. prāktikós (πρακτικός) ‘das Handeln betreffend, zu Geschäften gehörig, tätig, unternehmend, tatkräftig, wirksam’, zu griech. prā́ssein, (att.) prā́ttein (πράσσειν, πράττειν) ‘durchdringen, zu Ende kommen, betreiben, vollbringen, tun’ (s. ↗pragmatisch). Der in abschätzigem Sinne gebrauchte Plural Praktiken ‘Kunstgriffe, Schliche, Kniffe’ steht unter Einfluß von mfrz. frz. pratiques ‘Ränke, Umtriebe’. praktisch Adj. ‘die Praxis betreffend, auf Praxis beruhend, in Wirklichkeit, zweckdienlich, geschickt’, zuvor ‘listig, schlau’ (16. Jh.), spätlat. practicus ‘tätig’, griech. prāktikós (s. oben), gelegentlich wohl unter Einfluß von mfrz. frz. pratique ‘angewandt, anwendbar, ausführbar, zweckmäßig’. Seit dem 18. Jh. vielfach im Gegensatz zu theoretisch. praktikabel Adj. ‘durch-, ausführbar, brauchbar, zweckmäßig’ (18. Jh.), frz. praticable, mlat. practicabilis ‘tunlich, ausführbar’. Praktikant m. ‘wer sich auf die Ausübung eines Berufs vorbereitet’ (17. Jh.), älter ‘wer unsaubere Praktiken betreibt’ (16. Jh.), mlat. practicans (Genitiv practicantis), Part. Präs. von mlat. practicare ‘ausüben, bewerkstelligen, fertigbringen, erfinden’. Praktiker m. ‘praktischer Mensch, Mann mit praktischer Erfahrung’ (prattiger, 16. Jh.), seit dem 18. Jh. im Gegensatz zu Theoretiker, Substantivierung des Adjektivs spätlat. practicus (s. oben). Praktikum n. ‘Übungen zur praktischen Anwendung theoretischer Kenntnisse in bestimmten Fachrichtungen einer Hochschule, vorübergehende Tätigkeit eines Studenten in einem Betrieb zur Aneignung praktischer Berufskenntnisse’ (20. Jh.), latinisierende Neubildung zu Praktik. praktizieren Vb. ‘ausüben’ (15. Jh.), besonders den Beruf des Arztes, (Rechts)anwalts (16. Jh.), ‘sich auf die Berufspraxis vorbereiten, (schlau) unterhandeln, Ränke schmieden’ (16. Jh.), in neuerer Sprache ‘(theoretische Kenntnisse) in der Praxis anwenden’, entlehnt unter Einfluß von gleichbed. mfrz. frz. pratiquer und wohl auch ital. praticare (vgl. frühnhd. pratezieren, 16. Jh.) aus mlat. practicare (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hospitant · Praktikant · ↗Referendar · ↗Trainee · ↗Volontär
Synonymgruppe
(ein) Praktikum machen · Praktikant (sein) · als Praktikant beschäftigt sein · als Praktikant mitarbeiten · als Praktikant tätig sein · im Praktikum (sein)
Assoziationen
  • atypische Beschäftigung · prekäre Beschäftigung · prekäres Beschäftigungsverhältnis
Synonymgruppe
Amateur · ↗Laie · ↗Nichtfachmann · ↗Pfuscher · Ungelehrter · hat keine Ahnung · nicht vom Fach  ●  ↗Anfänger  abwertend · ↗Dilettant  abwertend · Praktikant  abwertend · ↗Stümper  abwertend · ↗Murkser  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Halbbildung · ↗Halbwissen  ●  gefühltes Wissen  ironisch · gesundes Halbwissen  ugs., variabel
  • Anfänger · ↗Einsteiger · Nachwuchs... · ↗Neueinsteiger · ↗Neuling · ↗Novize · Nullanfänger (Sprachkurs) · Unerfahrener · neu im Geschäft  ●  ↗Newcomer  engl. · ↗Debütant  geh. · ↗Erstsemester  ugs. · ↗Frischling  ugs., scherzhaft, ironisch · ↗Fuchs  ugs. · ↗Greenhorn  ugs., engl. · ↗Grünschnabel  ugs. · Jungfuchs  ugs. · ↗Jungspund  ugs., seemännisch · ↗Kadett  ugs. · ↗Küken  ugs., fig. · ↗Milchbart  ugs. · Newbie  ugs. · Rookie  ugs. · ↗Rotarsch  derb, militärisch · ↗Springinsfeld  ugs. · ↗Spund  ugs. · ↗Youngster  ugs., engl. · blutiger Anfänger  ugs. · der Neue / die Neue  ugs. · frisch von der Uni  ugs. · junger Dachs  ugs. · junger Hüpfer  ugs. · junger Spritzer  ugs. · junger Spund  ugs. · neu hier (sein)  ugs. · noch nicht lange dabei  ugs. · unbeschriebenes Blatt  ugs., fig.
  • (sich mit etwas) nicht auskennen · (von etwas) keine Ahnung haben · nicht vom Fach sein  ●  (von etwas) nichts verstehen  Hauptform · nicht mitreden können  fig. · (jetzt) nicht der ...experte sein  ugs. · keine Kenne haben  ugs., veraltend, regional
  • Möchtegern- · Provinz-... · ↗amateurhaft · ↗dilettantenhaft · ↗dilettantisch · gut gemeint, aber schlecht gemacht · gut gewollt, aber schlecht gekonnt · ↗laienhaft · nicht ernst zu nehmen · ↗stümperhaft · ↗unprofessionell · ↗unqualifiziert  ●  Hinterhof-...  ugs. · Hintertreppen-...  ugs. · Hobby-...  ugs. · Küchen-...  ugs. · Wald- und Wiesen-...  ugs. · hobbyhaft  ugs. · ↗schlecht  ugs. · ↗unmöglich  ugs., emotional

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aushilfe Auszubildende Azubi Diplomand Doktorand Ehrenamtliche Festangestellte Halbtagskraft Hilfskraft Hochschulabsolvent Honorarkraft Hospitant Lehrling Marketingabteilung Praktikantin Referendar Reichskammergericht Saisonarbeiter Sekretärin Sozialpädagoge Stipendiat Trainee Volontär Wasserwerk Werkstudent Zivildienstleistende minderjährig schnuppern studentisch unbezahlt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Praktikant‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damals, vor zwei Jahren, ließ das Bild den Praktikanten nicht mehr los.
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2004
Es mag auch sein, daß einige klagen, sie hätten nichts von den Praktikanten.
Die Zeit, 29.03.1985, Nr. 14
Zu meiner Zeit betrug die Zahl der Praktikanten, die allerdings meistens nur halbtägig arbeiteten, in dieser Abteilung etwa 150.
Fischer, Emil: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 12154
Wegen der Überfüllung war jeder verfügbare Winkel mit den regelmäßigen Praktikanten besetzt, und es durfte nicht daran gedacht werden, sie zugunsten Fremder einzuschränken.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zum Untersuchen solchen kuriosen Falles bei einem hereingetragenen Patienten verlangte er nach einem Praktikanten.
Schleich, Carl Ludwig: Besonnte Vergangenheit, Lebenserinnerungen (1859-1919). In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 31483
Zitationshilfe
„Praktikant“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Praktikant>, abgerufen am 21.02.2019.

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