Pranger, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Prangers · Nominativ Plural: Pranger
Aussprache 
Worttrennung Pran-ger (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutungen

historisch Pfahl auf einem öffentlichen Platz, an den im Mittelalter Übeltäter gebunden und so vor allen zur Schau gestellt wurden, Schandpfahl
übertragen jmdn., etw. an den Pranger stellenjmdn., etw. öffentlich tadeln, der öffentlichen Schande preisgeben
Beispiele:
Verräter, Schmarotzer, Betrüger an den Pranger stellen
solche Leute gehören an den Pranger!
am Pranger stehenöffentlich getadelt werden, der öffentlichen Schande preisgegeben sein
Beispiel:
die Störenfriede stehen am Pranger
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pranger · anprangern
Pranger m. Bezeichnung für den Schandpfahl, die Stelle auf einem öffentlichen Platz, wo ehemals jmd. für eine straf- bzw. verachtungswürdige Tat angeschlossen (in der Regel in Ketten und Halseisen) und zur Verhöhnung zur Schau gestellt wurde; heute in übertragenem Sinne in den Wendungen an den Pranger stellen ‘öffentlich bloßstellen’, am Pranger stehen ‘dem Tadel, der Kritik ausgesetzt sein’. Mhd. (md.) pranger (2. Hälfte 13. Jh.) gelangt (in dieser md.-nd. Lautung) ins Obd. (14. Jh.), in die Bambergische Halsgerichtsordnung (1507) und in die Carolina (1532) und verdrängt Nebenformen wie frühnhd. pfranger oder brangel. Es handelt sich also um eine im Md. entstandene Ableitung mit dem Suffix -er von einem Verb, belegt in mnd. prangen ‘einengen, mit jmdm. ringen, streiten’, mnl. pranghen ‘klemmen, zusammendrücken’, nl. prangen ‘drücken, pressen’, got. anapraggan ‘bedrängen’, wozu auch mengl. prangle ‘drücken’, mhd. (mit verschobenem Anlaut) phrengen ‘pressen, drängen, bedrücken’ sowie die Substantive mhd. phrange, phrenge ‘Einschließung, Beengung, Nötigung, Drangsal’, mnd. prange ‘Pfahl, Stange’, auch ‘Maulklemme’ und (ohne inlautendes n) ahd. phragina ‘Schranke, Beschränkung’ (Hs. 12. Jh.), (mit Ablaut) engl. prong ‘Forke, Zinke’ gehören. Außergerm. Anschlußmöglichkeiten sind unsicher. Zieht man lit. brãn(k)tas ‘Strangholz am Pferdegespann, Holzscheit, das den Schweinen um den Hals gebunden wird’, altkur. brankti ‘fest anliegend, gedrängt, eng’ heran, so kann ie. *bronk- ‘einschließen, einengen’ erschlossen werden. Pranger bezeichnet demnach das drückende Halseisen, mit dem der Schuldige angeschlossen wird, danach auch die dafür vorgesehene Stelle bzw. Einrichtung. anprangern Vb. ‘öffentlich tadeln, als Mißstand herausstellen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Geschichte, Jura
Synonymgruppe
Kaak · Pranger · ↗Schandpfahl

Typische Verbindungen zu ›Pranger‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pranger‹.

Verwendungsbeispiele für ›Pranger‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als Politiker kann man durch eigene Fehler am Pranger landen.
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2004
Wir waren alle dabei, das ist doch ungerecht, jetzt fünf Männer an den Pranger zu stellen.
Der Tagesspiegel, 10.06.2003
Ich glaube nicht, daß dieser Mißbrauch der Sprache schon an den Pranger gestellt worden ist.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26317
Auf das Verzeichnis der erhaltenen Pranger am Schluß sei besonders verwiesen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 311
Man wollte sich doch nicht öffentlich blamieren und seine Geschäftsmanipulationen an den Pranger stellen lassen.
Friedländer, Hugo: Ein Presse-Skandal. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 27413
Zitationshilfe
„Pranger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pranger>, abgerufen am 30.11.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
prangen
Pränataldiagnostik
pränatal
prämundan
prämortal
Pranke
Prankenhieb
Prankenschlag
Pränomen
pränumerando