Pressbengel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pressbengels · Nominativ Plural: Pressbengel
Aussprache ['pʀɛsbɛŋl̩]
Worttrennung Press-ben-gel
Wortzerlegung  pressen Bengel, Presse1 Bengel
Ungültige Schreibung Preßbengel
Rechtschreibregeln § 2
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Druckerei, meist historisch
a)
Hebel, mit dessen Hilfe der Druckstock auf die Druckplatte gedrückt wird
Beispiele:
Das von Gutenberg entwickelte Druckverfahren wurde noch bis 1980 angewandt, erst dann löste der Digitaldruck dieses aufwändige Verfahren ab. Die Schüler lernen einiges: Der Hebel, mit dessen Hilfe der Druckstock auf die Druckplatte gedrückt wird, heißt »Pressbengel«. [Südkurier, 20.10.2014]
Neben Wälzern in steigender Stückzahl spien sie [die Druckerpressen] Blätter aus, die wie im Flug Verbreitung fanden. Gefüllt wurde das im entscheidenden Arbeitsgang mit einem kräftigen Zug an einem Pressbengel betätigte Gerät mit einem wechselnden Satz von aus Blei und anderen Metallen legierten Buchstaben und Zeichen. [Süddeutsche Zeitung, 28.12.2001]
Ein Mann des Wortes wurde er, als er auf einer Auktion eine alte Druckpresse erstand, eine Zeitung gründete und die Auflage mit Hilfe einer taubstummen und blinden Frau, die über riesige Muskelkräfte verfügte und den Preßbengel bediente, abzog. [Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts. Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 568]
Bei der gewöhnlichen Art zu druken sind zwei Arbeiter mit einander beschäftigt und wechseln im Schwärzen und im Anziehen des Preßbengels mit einander ab. Ich entwarf daher einen Plan für eine Vorrichtung, wobei man das Anziehen des Preßbengels erspart und auch die Lettern durch Maschinerie geschwärzt werden. [Polytechnisches Journal, Jg. 1831/40, S. 346–351]
b)
Holzstück mit einem mittigen Einschnitt, durch den die Schraubenmutter der Buchbinderpresse geführt wird
Beispiele:
Dann kommt auch der Nachbau einer hölzernen Druckerpresse aus den 1970er‑Jahren zum Einsatz. »Der Druck ist sehr aufwändig gewesen, das wollen wir den Besuchern nahebringen«, sagt […] der Chef des [sic!] Kulturhistorischen Sammlung [der Deutschen Nationalbibliothek]. »Jeder kann sich ausprobieren.« Druckerschwärze, Ballen, Initialen, Pressbengel – alles liegt bereit. [Leipziger Volkszeitung, 03.02.2018]
Doch nicht nur das fertige Produkt wird [in der Ausstellung] präsentiert, auch allerlei drucktechnische Hardware ist zu sehen: Setzschiffe, Pressbengel, Signaturhobel, Winkelhaken, Gießlöffel, Poliereisen, Gravierstahl, Glättzähne und Flieten. [Süddeutsche Zeitung, 15.03.2008]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Pressbengel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pressbengel#1>, abgerufen am 23.07.2021.

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Pressebengel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pressebengels · Nominativ Plural: Pressebengel(s)
Nebenform altertümelnd Pressbengel · Substantiv · Genitiv Singular: Pressbengels · Nominativ Plural: Pressbengel(s)
Aussprache ['pʀɛsəˌbɛŋl̩] · ['pʀɛsbɛŋl̩]
Worttrennung Pres-se-ben-gel ● Press-ben-gel
Wortzerlegung  Presse2 Bengel
Ungültige Schreibung Preßbengel
Rechtschreibregeln § 2
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

abwertend, gelegentlich Schimpfwort Vertreter der Presse², Journalist
Beispiele:
Und wir, die Schreiberlinge? Wir »Pressbengel«, wie Rudolf Augstein sich einmal selber nannte, indem er ein hintergründiges Spiel mit diesem Wort aus alten Druckerzeiten trieb? [Die Welt, 20.09.2014]
In England […] stürzten sich die Pressebengel vom Boulevard mit Begeisterung auf die Affären der Oberklasse, und sie fanden viele. [Süddeutsche Zeitung, 24.11.2003]
»Herr Kohl …« – »Ich heiße nicht Kohl. Für Sie immer noch Doktor Kohl!« Diese Pressebengel schon wieder! »Herr Doktor Kohl, haben Sie Ihren Amtseid gebrochen?« – »Das Thema brauchen wir hier nicht zu erörtern.« [Der Tagesspiegel, 29.06.2000]
Es ist durchaus keine Kleinigkeit, in den Salons der Mächtigen der Erde auf scheinbar gleichem Fuß, und oft allgemein umschmeichelt, weil gefürchtet, zu verkehren und dabei zu wissen, daß, wenn man kaum aus der Tür ist, der Hausherr sich vielleicht wegen seines Verkehrs mit den »Pressebengeln« bei seinen Gästen besonders rechtfertigen muß[…]. [Weber, Max: Politik als Beruf. In: Weber, Marianne (Hg.): Gesammelte Politische Schriften. München: Drei Masken Verl. 1921 [1919], S. 418]
Wir sind fast so eitel wie die Franzosen; können wir uns einreden, daß wir auswärts Ansehn haben, so lassen wir uns im Hause viel gefallen; haben wir das Gefühl, daß jeder kleine Würzburger uns hänselt und geringschätzt und daß wir es dulden aus Angst, weil wir hoffen, daß die Reichsarmee uns vor Frankreich schützen wird, so sehn wir innre Schäden an allen Ecken, und jeder Preßbengel, der den Mund gegen die Regirung aufreißt, hat Recht. [Bismarck, Otto von: Gedanken und Erinnerungen. Bd. 1. Stuttgart 1898]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Pressebengel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Pressebengel#2>, abgerufen am 23.07.2021.

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