Prolet, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Proleten · Nominativ Plural: Proleten
Aussprache
WorttrennungPro-let (computergeneriert)
GrundformProletarier
Wortbildung mit ›Prolet‹ als Erstglied: ↗Proletkult · ↗proletenhaft  ·  mit ›Prolet‹ als Letztglied: ↗Stehkragenprolet
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich, veraltend Angehöriger des Proletariats
Beispiele:
Und weil der Prolet ein Prolet ist / Drum wird ihn kein andrer befrein [BrechtEinheitsfrontl.]
Genosse, du bist ein guter Prolet, / Der treu zu unserer Sache steht [WeinertZwischensp.458]
abwertend Mensch ohne gute Manieren, ohne ordentliches Auftreten
Beispiel:
Aber man trägt keine Röllchen und da ist man für den feinen Herrn halt nur ein Prolet [CarossaJahr244]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Proletarier · Proletariat · Lumpenproletariat · proletarisch · Prolet
Proletarier m. ‘besitzloser und abhängiger Lohnarbeiter’, entlehnt (Anfang 19. Jh.), vielfach wohl über vermittelndes frz. prolétaire (vgl. schon mfrz. prolectaire ‘Bürger der untersten Klasse im antiken Rom’) aus lat. prōlētārius ‘die Nachkommenschaft betreffend’, (nach Servius Tullius’ Volkseinteilung) ‘der untersten Volksklasse angehörig’, substantiviert ‘Bürger der untersten Klasse, der dem Staate nur mit seiner Nachkommenschaft, nicht mit seinem Vermögen dient’, zu lat. prōlēs ‘Sprößling, Nachkomme, Nachwuchs, Abkömmling’, aus *pro-olēs ‘was hervorwächst’; vgl. lat. alere ‘(er)nähren aufziehen’. In der Bedeutung ‘Angehöriger der untersten Klasse im antiken Rom’ zuerst bei Wieland in der lat. Form Proletarius (1779). Frz. prolétaire erhält seine politische Bedeutung (mit dem wesentlichen Merkmal der Besitzlosigkeit) durch die Saint-Simonisten, gelangt in diesem Sinne zu Beginn des 19. Jhs. ins Dt. (anfangs gelegentlich noch mit ans Frz. erinnernder Schreibweise) und wird in den 30er Jahren des 19. Jhs. zum politischen Schlagwort in den Schriften demokratisch-republikanischer Autoren und in den Dokumenten der Arbeiterbewegung. Als Terminus der Klassentheorie wird Proletarier von Marx und Engels eingeführt (seit 1842). Vgl. E. Adelberg in: Zum Einfluß von Marx u. Engels auf die dt. Literatursprache (1978) 121 ff. Proletariat n. ‘Klasse der abhängigen, ausgebeuteten Lohnarbeiter, die keine eigenen Produktionsmittel besitzt, Arbeiterklasse’ (Anfang 40er Jahre 19. Jh.), aus gleichbed. frz. prolétariat (1836); dazu Lumpenproletariat n. ‘sich aus Angehörigen aller Klassen rekrutierende, deklassierte, politisch käufliche Elemente in der kapitalistischen Gesellschaft’ (Marx und Engels 1848). proletarisch Adj. ‘den Proletarier, das Proletariat betreffend’ (Anfang 40er Jahre 19. Jh.); zuvor gelegentlich im Sinne von ‘allgemein, einfach, oberflächlich’ (18. Jh.). Prolet m. abschätzige Rückbildung von Proletarier, auch ‘Mensch ohne Umgangsformen’ (Ende 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Macho · ↗Pascha · Prolet · ↗Sexist  ●  ↗Chauvi  ugs. · ↗Macker  ugs.
Oberbegriffe
  • Herr · ↗Mannsbild · ↗Mannsperson · ↗Patron (halb-scherzhaft oder abwertend) · Vertreter des männlichen Geschlechts · Y-Chromosom-Träger (halb-ironisch) · gestandene Person · männlicher Mensch  ●  ↗Bursche  regional · ↗Mann  Hauptform · Person männlichen Geschlechts  Amtsdeutsch · erwachsene männliche Person  Amtsdeutsch · männliche Person  Amtsdeutsch · Dude  ugs., engl. · ↗Kerl  ugs. · ↗Keule  ugs., positiv, salopp, regional · ↗Macker  ugs. · ↗Typ  ugs.
Synonymgruppe
Prolet  ●  ↗Botokude  ugs. · ↗Proll  ugs. · ↗Prolo  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufstieg Bauer Bürger Kleinbürger Poet arm derb echt fett polnisch souverän ungehobelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Prolet‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir wollten die linke Alternative für Proleten sein, im guten Sinne.
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2000
Aber als "Proleten" brauchen sie sich nicht bezeichnen zu lassen.
o. A.: ZEITGEIST. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1987]
In Wahrheit hielt er den Wirt wahrscheinlich für einen primitiven Proleten.
Arjouni, Jakob: Chez Max, Zürich: Diogenes 2006, S. 137
Wir haben bezahlt, daß andere studieren durften, immer, zuerst als Proleten mit unserem Schweiß, dann mit dem Geld unseres Staates.
Maron, Monika: Stille Zeile Sechs, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1991, S. 198
Niemand hat ein so zartes und so albernes Ehrgefühl wie der dreckigste Prolet.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 142
Zitationshilfe
„Prolet“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Prolet>, abgerufen am 22.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Prolepsis
Prolepse
Prolegomenon
Prolapsus
Prolaps
Proletariat
Proletarier
Proletarierkind
Proletarierleben
Proletariermasse