Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Psychose, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Psychose · Nominativ Plural: Psychosen
Aussprache  [psyˈçoːzə]
Worttrennung Psy-cho-se
Wortzerlegung Psyche -ose1
Wortbildung  mit ›Psychose‹ als Letztglied: Angstpsychose · Degenerationspsychose · Haftpsychose · Infektionspsychose · Intentionspsychose · Kriegspsychose · Massenpsychose · Organpsychose · Prüfungspsychose · Reaktionspsychose · Rüstungspsychose · Situationspsychose
 ·  mit ›Psychose‹ als Grundform: psychotisch
Herkunft gelehrte Bildung aus psychḗgriech (ψuχή) ‘Hauch, Atem, Leben, Lebenskraft, Seele’ und -ose¹
eWDG

Bedeutungen

1.
Medizin Geisteskrankheit und Gemütskrankheit
Beispiel:
ob Anhaltspunkte für einen Beginn der Psychose im Kindesalter gegeben sind [ Dt. Literaturzeitg.1959]
2.
ungewöhnlicher psychischer Zustand, in den sich eine Gruppe von Menschen, ein Mensch hineinsteigert, der eine Gruppe von Menschen, einen Menschen ergreift
Beispiele:
in eine Psychose geraten
alles dies mußte sie doch gegen solch religiöse Psychose einigermaßen widerstandsfähig machen [ KlempererLTI116]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Psyche · psychisch · Psychose · Psychiatrie · Psychiater · psychiatrisch · Psychologie · Psychologe · psychologisch · Psychopathie · psychopathisch · Psychotherapie
Psyche f. Gesamtheit der Prozesse der höheren Nerventätigkeit des Menschen, ‘Seele, Seelenleben, Gemüt, Wesen, Eigenart’, Übernahme (zufrühest Mitte 17. Jh., fachsprachlich und gemeinsprachlich seit Anfang 19. Jh.) von griech. psȳchḗ (ψυχή) ‘Hauch, Atem, Leben, Lebenskraft, Seele (des Verstorbenen), Geist, Gemüt’; vgl. griech. psȳ́chein (ψύχειν) ‘hauchen, atmen, aushauchen, ohnmächtig werden, sterben, abkühlen, erfrischen’. – psychisch Adj. ‘die Psyche betreffend, dazu gehörend, seelisch, innerlich’ (um 1800); vgl. griech. psȳchikós (ψυχικός) ‘zur Seele, zum Leben gehörig, seelisch, geistig’. Psychose f. ‘Gemütserkrankung, Geisteskrankheit, Zustand ungewöhnlich starker seelischer Erregung’ (Mitte 19. Jh.), in Übereinstimmung mit der bei Krankheitsbezeichnungen geläufigen Endung -ose (s. Thrombose); zuvor (1. Hälfte 19. Jh.) ‘Beseelung, Belebung, Seele’, unmittelbar aus gleichbed. griech. psȳ́chōsis (ψύχωσις). Psychiatrie f. Lehre von der Erkennung, Behandlung und Verhütung psychischer Krankheiten (Anfang 19. Jh.); vgl. griech. iātré͞ia (ἰατρεία) ‘das Heilen, Heilung’. Psychiater m. ‘Facharzt für Nerven-, Gemüts- und Geisteskrankheiten’; vgl. griech. iātrós (ἰατρός) ‘(Wund)arzt’ (s. Arzt); psychiatrisch Adj. ‘die Psychiatrie betreffend, dazu gehörend, darauf beruhend’ (beide Anfang 19. Jh.). Psychologie f. Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeiten der psychischen Prozesse und psychischen Eigenschaften in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit von der Umwelt erforscht (18. Jh.), zuvor Psychologia ‘Seelenkunde’ (16. Jh.), gelehrte Bildung zu griech. psȳchḗ (s. oben) in Verbindung mit -logie (s. d.); Psychologe m. ‘Fachmann auf dem Gebiet der Psychologie’ und psychologisch Adj. ‘die Psychologie betreffend, darauf beruhend’ (beide 18. Jh.). Psychopathie f. ‘abnorme psychische Verfassung, die sich in Verhaltensstörungen äußert’ (19. Jh.), zu griech. psȳchḗ (s. oben) und griech. páthos (πάθος) ‘(Miß)geschick, Leid, Gemütsbewegung, Leidenschaft’ (s. Pathos), in Analogie zu anderen Bildungen auf -pathie (s. Apathie, Antipathie); psychopathisch Adj. (19. Jh.). Psychotherapie f. Therapie seelischer oder seelisch bedingter Leiden mit psychischen Mitteln und gemäß psychologischer Methoden (Ende 19. Jh.), zum Grundwort s. Therapie.

Typische Verbindungen zu ›Psychose‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Psychose‹.

Verwendungsbeispiele für ›Psychose‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sexuelle Psychose ist denn auch die allgemein verbreitete pathologische Folge unseres sexuellen Elends. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652]
Über eine Depression kann man sprechen, über eine Psychose nicht. [Die Zeit, 18.11.2013, Nr. 46]
Der Patient kam für ein Jahr auf eine psychiatrische Station, danach war die Psychose verschwunden. [Die Zeit, 25.02.2013, Nr. 08]
Aber wir wissen, dass sie ein erhöhtes Risiko haben, später eine richtige Psychose zu entwickeln. [Die Zeit, 17.11.2008, Nr. 47]
Natürlich kann man das als Beschreibung einer ausbrechenden Psychose interpretieren. [Die Zeit, 20.03.2008, Nr. 13]
Zitationshilfe
„Psychose“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Psychose>.

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