Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Publikum, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Publikums · Nominativ Plural: Publika · wird selten im Plural verwendet
Aussprache 
Worttrennung Pu-bli-kum · Pub-li-kum
Herkunft zu pūblicuslat ‘zum Volke gehörig, öffentlich, staatseigen’
eWDG

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der Zuschauer, Zuhörer (bei öffentlichen Aufführungen)
Beispiele:
ein großes, kleines, begeistertes, dankbares, gespanntes, aufgeschlossenes, verständnisvolles, ausgewähltes Publikum
das Publikum geht mit, jubelt vor Vergnügen
solche Musik gefällt dem Publikum immer
dieses spritzige Stück ist vom Publikum gut aufgenommen worden
der Schauspieler, Sänger, Dirigent ist beim Publikum beliebt
er ist ein Liebling des Publikums
unter dem Applaus des Publikums fiel der Vorhang
Publikum haben
der Kritiker saß mitten im Publikum
Als die Ouvertüre zu Ende ist, klatscht das Publikum laut Beifall [ KästnerLottchen73]
umgangssprachlich, scherzhaft, bildlich
Beispiel:
jmd. braucht immer Publikum für seine Reden (= braucht mehrere Menschen, die ihm zuhören, wenn er spricht)
2.
Menschen der Öffentlichkeit, die Allgemeinheit
Beispiele:
sich mit seinen Ausführungen, Reden an ein breites Publikum wenden
in dieser Gaststätte verkehrt nur gutes, anständiges Publikum
solche Bücher finden immer ihr Publikum (= ihre Leser)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

publizieren · Publikation · Publizist · publik · Publikum
publizieren Vb. ‘(in gedruckter Form) veröffentlichen, herausgeben’, entlehnt (15. Jh.) aus lat. pūblicāre ‘öffentlich bekanntmachen, öffentlich zeigen, sehen lassen’, eigentlich ‘zum Staatseigentum machen, dem Staat zueignen, zum öffentlichen allgemeinen Gebrauch hergeben’, zu lat. pūblicus ‘zum Volke gehörig, öffentlich, staatseigen’. Publikation f. ‘Veröffentlichung (in gedruckter Form), gedruckt vorliegendes Text- oder Bildwerk’, zuerst (16. Jh.) ‘öffentliche Bekanntmachung’, entlehnt aus gleichbed. mfrz. frz. publication bzw. spätlat. pūblicātio (Genitiv pūblicātiōnis) ‘Veröffentlichung’, lat. ‘Einziehung für die Staatskasse, Konfiskation’, zu lat. pūblicāre (s. oben). Publizist m. ‘Lehrer und Kenner des öffentlichen Rechts (iūs pūblicum), des Staatsrechts und der Staatswissenschaften’ (17. bis Anfang 20. Jh.), aus nlat. publicista, dann ‘Schriftsteller über öffentliche, politische Dinge, über Staatsangelegenheiten’ (2. Hälfte 18. Jh.), heute (wohl unter Einfluß von gleichbed. frz. publiciste) ‘Zeitungs-, Tagesschriftsteller, Journalist’. publik Adj. ‘öffentlich, offenkundig, allgemein bekannt’ (um 1700), über gleichbed. frz. public, mfrz. publique, public aus lat. pūblicus (s. oben). Publikum n. ‘Gesamtheit der Zuhörer, Zuschauer (bei öffentlichen Veranstaltungen), Allgemeinheit, Öffentlichkeit’ (Anfang 18. Jh.), aus mlat. publicum (dafür die Übersetzung gemain volck, 15. Jh.), zu lat. pūblicus (s. oben), zunächst mit lat. Flexion, dann (nach Mitte 18. Jh.) unter Einfluß von frz. public ‘versammelte Zuschauermenge bei einer Theateraufführung, Betrachter einer Ausstellung’ im oben genannten Sinne von Berlin aus verbreitet (dafür älter deutsche Welt u. dgl.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beobachter · Betrachter · Publikum · Zuschauer · Zuseher  ●  Beschauer  geh.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Hörer · Publikum · Zuhörer · Zuhörerschaft  ●  Auditorium  geh.
Synonymgruppe
Allgemeinheit · Gemeinwesen · Öffentlichkeit  ●  Publikum  fig.
Synonymgruppe
Besucher · Gäste · Publikum

Typische Verbindungen zu ›Publikum‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Publikum‹.

Verwendungsbeispiele für ›Publikum‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht müssen Sie auch eine höchst unangenehme Präsentation vor fiktivem Publikum halten. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 63]
Beides geschah denn auch abwechselnd, je nach der Art des Publikums. [Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1939], S. 115]
Was erhalte ich nun, und was muten Sie mir zu, dem Publikum vorzulegen? [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 427]
Tatsächlich hatten die geflüchteten Autoren ihr Publikum so gut wie gänzlich verloren. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 2330]
Die Elf mußte ihre Taktik ändern, das Publikum wollte es so. [Der Spiegel, 09.11.1992]
Zitationshilfe
„Publikum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Publikum>.

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