Punk, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Punk(s) · Nominativ Plural: Punks
Aussprache
Wortbildung mit ›Punk‹ als Erstglied: ↗Punkband · ↗Punker · ↗Punkrock
 ·  mit ›Punk‹ als Letztglied: ↗Cyberpunk
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Mitte der 1970er Jahre (in London) entstandene Bewegung, deren Mitglieder eine anarchistische, nonkonformistische und provokatorische Lebenseinstellung haben
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
Spätestens seit der Erfindung von Punk Mitte der 70er Jahre in London haben Jugendliche entdeckt, daß man sich gegen die bürgerliche Gesellschaft ganz hervorragend mit einem Outfit abgrenzen kann, das diese als häßlich und unästhetisch empfindet. [Berliner Zeitung, 12.03.1999]
Punk, das ist nicht nur Musikstil oder Mode, Provokation oder Irokesenschnitt, sondern in den meisten Fällen eine Lebenseinstellung. [Spiegel, 17.08.2017 (online)]
Punk war eine Erfindung der Suburbs, inmitten urbaner Verwahrlosung und – in London – gegen die offizielle Kultur einer als hohl empfundenen Majestätshuldigung gerichtet: ein Symptom gesellschaftlicher Hoffnungslosigkeit. [Süddeutsche Zeitung, 08.07.2008]
Die blonden Haare seien ihm »vom vielen Färben ausgefallen«, sagt er, aber was Punk bedeutet, kann er leicht erklären: »Punk ist Provokation. Sonst nichts.« Die silbernen Stacheln auf den schwarzen Lederarmbändern an seinen Handgelenken, die bis zu 20 Zentimeter hohen schwarzen und grünen Irokesenstacheln auf den Köpfen seiner Freunde, sie wirken wie Verteidigungsspitzen. Aber wogegen? »Gegen die Spießer, die Bonzen und die Faschisten«, sagt René. [Süddeutsche Zeitung, 07.08.1995]
Punk wurde erklärt als: Ästhetik der Langeweile, Spektakel der Entgrenzung, Arbeitslosen-Rock und Reflex einer für viele Teenager unbewohnbar gewordenen Gegenwart. Doch bevor sich eine schlüssige Theorie herausschälte, war alles schon wieder vorbei. Die heroische Phase des Punks endete in England 1977, in der Bundesrepublik 1980. [Die Zeit, 06.06.1986, Nr. 24]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: wahrer Punk
als Genitivattribut: der Geist, die Geschichte, die Zeit, der Tod des Punk
2.
jmd., der sich mit der Punkbewegung identifiziert bzw. deren typischem Erscheinungsbild entspricht
Synonym zu Punker (2)
Beispiele:
Menschen, die sich als Punks bezeichnen, »bilden keine total homogene Szene. Es gibt je nach Abstufung sehr wohl klare politische Fraktionen«, sagt I[…]. Die Punks aus dem »harten Kern« seien in den 1990er- und 2000er-Jahren aber zunehmend von sogenannten Lifestylepunks überflügelt worden. Letztere hören formatradiotauglichen Punkrock wie jenen von Green Day und Offspring und tragen Nietengürtel, Tätowierungen und Piercings weniger zur Provokation denn als Modegag. [Der Standard, 11.08.2014]
Ein paar Punks stapfen durchs Treppenhaus, es riecht nach Zigarettenrauch, obwohl die Awareness-Beauftragten öfter darauf hingewiesen hatten, dass das [Rauchen] nicht erlaubt sei. [Welt am Sonntag, 24.09.2017, Nr. 39]
Er trägt einen rot gefärbten Iro (= Irokesenschnitt), ein Nietenhalsband und Schnürstiefel. Ein echter Punker, denkt man. Aber Vorsicht! […] Mathias ist Schuldirektor. Er kleidet sich nur deshalb als Punk, weil er sich »nicht in eine herkömmliche Schablone pressen lassen« will. [Die Welt, 06.02.2012]
Punks stehen für Anarchie – jeder kann tun und lassen, was er will, es gibt keine Regeln und Gesetze, alle Menschen sind gleich, keiner ist etwas Besseres, nur weil er Geld hat. [Berliner Zeitung, 03.11.2003]
Ein Punk zeichnet sich jedoch nicht dadurch aus, daß er sich die Haare bunt färbt, die Toten Hosen gut findet und die Leute nach ’ner Mark fragt. »Echte« Punks, die sich ihrer Wurzeln bewußt sind und sich der anarchistischen Lebensweise verschrieben haben, sind zu einer Rarität geworden. Galten die Punks damals, 1979, noch als die typischen VertreterInnen linken Gedankenguts, so sind es heute meist ganz unscheinbare Leute, die versuchen, einer alternativen Lebensweise nachzugehen. [die tageszeitung, 17.04.1997]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: junge, jugendliche, linke, randalierende Punks; ein wahrer, echter Punk
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Gruppe von Punks
mit Genitivattribut: die Punks der [70er] Jahre
als Aktiv-/Passivsubjekt: der Punk trägt [eine Tartan-Hose]; die Punks sitzen [an der Straßenecke]; die Punks treffen sich [am Bahnhof]
als Prädikativ: er, sie ist (ein) Punk
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Punks mit [bunten] Haaren
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: sich als Punk bezeichnen; wie ein Punk aussehen
3.
Grammatik: nur im Singular
entsprechend der Bedeutung von Punkrock
Beispiele:
Jeder Idiot, der nach London kam, wurde davon infiziert, dass Punk die Musik der Stunde war und gefälligst politisch zu sein hatte. Dabei waren die ganze Radikalität des Punkrocks und seine aggressiven Parolen erst mal eine künstlerische Ausdrucksform, keine politische. [Süddeutsche Zeitung, 10.08.2001]
Punk entstammt jugendlichen Arbeitslosenkreisen um London herum, und für die Jugendlichen ist er Ausflucht aus ihrer täglichen Frustration in der Arbeitswelt und ihrer materiellen Not. Punk gibt ihnen die Möglichkeit, sich zumindest für die Dauer der Musik mal gehenlassen zu können. [Die Zeit, 05.05.1978, Nr. 19]
Pop-Punk ist ein Oxymoron (= ein Widerspruch in sich selbst), zumindest wenn man es orthodox betrachtet. Punk war schließlich die absolute Gegenbewegung zur populären Musik. Statt eingängiger Melodien ging es um wütenden Lärm um des Lärmes willen, mit dem Ziel alle zu verschrecken, die es sich in der warmen Umarmung der Popmusik bequem gemacht hatten. Denn das Populäre, der Mainstream, war der ewig reaktionäre Feind. Puristen des Genres ahnten allerdings schon Ende der 70er den frühen Tod des wahren Punk voraus. [Die Welt, 29.07.2016]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: wahrer, echter Punk
als Akkusativobjekt: Punk machen, spielen
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Mischung, ein Mix aus Punk [und Folk]
mit Genitivattribut: Punk der [70er] Jahre
als Genitivattribut: die Energie, die Zeiten, der Tod des Punk

Thesaurus

Synonymgruppe
Punk · ↗Punker

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autonome Blues Country Crossover Disco Folk Freak Funk Grunge Hardcore Hausbesetzer Hip-Hop HipHop Hippie Irokesenschnitt Jazz Metal New Wave Penner Popper Rap Reggae Rock Rocker Ska Skin Skinhead Soul Techno randalierend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Punk‹.

Zitationshilfe
„Punk“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Punk>, abgerufen am 18.11.2019.

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