Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Putz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Putzes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [pʊʦ]
Grundformputzen
Wortbildung  mit ›Putz‹ als Erstglied: Putzgerüst · Putzkasten · Putzkelle · Putzmacherin · Putzträger · putzbeladen
 ·  mit ›Putz‹ als Letztglied: Außenputz · Deckenputz · Filzputz · Frühjahrsputz · Hausputz · Innenputz · Kopfputz · Rauputz · Sonntagsputz · Wandputz · Wohnungsputz
Mehrwortausdrücke  auf den Putz hauen
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Gemisch aus Sand, Wasser und Bindemitteln, das zum Schutz gegen Witterungseinflüsse auf Außenwände und zur Herstellung einer glatten Grundfläche vor dem Streichen oder Tapezieren auf Innenwände aufgetragen wirdDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: bröckelnder, abblätternder, herabfallender Putz
als Akkusativobjekt: den Putz abklopfen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Risse im Putz
mit Genitivattribut: der Putz der Wände, Fassaden, einer Mauer
mit Prädikativ: der Putz ist trocken
als Aktivsubjekt: der Putz bröckelt, blättert ab, rieselt
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: wie Putz [von den Wänden] bröckeln
Beispiele:
In der Maison Rouge hat die Unternehmerin viel selbst geschuftet: Sie hat Putz von den Wänden geklopft, gebohrt und geschraubt. Ein Hostel aufzubauen sei viel Arbeit, sagt sie, aber für sie habe sich die Mühe gelohnt. [Der Spiegel, 25.06.2016 (online)]
Als J[…] die Wand aufklopfte, entdeckte er, dass die Maurer beim Bau des Hauses Aussparungen gelassen hatten, um ein Behelfsgerüst anzubringen – und diese Löcher wurden dann einfach mit Putz kaschiert. [Süddeutsche Zeitung, 16.01.2021]
Die Häuser verfallen, Dächer sind undicht, der Putz bricht ab. [Der Tagesspiegel, 22.10.1998]
Wir steigen die knarrende Treppe hoch und landen in einem Saal mit Empore und Umgang, getragen von bretterverschalten Säulen, mit einem Kronleuchter unter der rauh genagelten Decke und losem Putz an den Wänden. [Die Zeit, 05.07.1996]
Unter Putz verlegte Kupferrohre an den Innenwänden sorgen für ein angenehmes Raumklima. Sie geben Wärme in Form von Strahlung ab. [Berliner Zeitung, 29.03.1995]
DWDS
Phrasem:
auf den Putz hauen (= ausgelassen, fröhlich feiern, dabei auch auffallen wollen)
2.
veraltet
a)
Kleidung, die jmds. Erscheinung, Ansehen hebt
Beispiele:
Die Duden‑Redaktion definiert das Wort »Mode« so: Art und Weise, Brauch, Sitte, Geschmack, Kleidung, Putz. [Welt am Sonntag, 18.09.2005]
Seit er [das Modelabel] Wunderkind 1999 gegründet hatte, schuf [Wolfgang] Joop nur Damenkleider, er huldigte der »Wunderkind‑Frau«: einer Kundin, die in einer Welt jenseits der Modetrends lebt und die in ihrer Kleidung mehr Kunst denn Putz sieht. [Zeit Magazin, 02.07.2009]
Sie gibt viel auf Putz und dergleichen, verschwendet viel Geld. [Wassermann, Jakob: Caspar Hauser. Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 110]
Denn daß ein Mädchen Ersparnisse macht, trotz des hohen Lohnes, findet man sehr selten – es wird alles verbraucht zu Putz und Kleidern. Jede Mode muß mitgemacht werden […]. [Baudissin, Wolf von / Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.): Gutes Benehmen. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 2002]
b)
Accessoires, die der besonderen Verschönerung dienen sollen
Beispiele:
Um die Jahrhundertwende liessen sich die ersten Frauen die Haare kurz schneiden. Bis dahin wurde das lange Haare kunstvoll frisiert und mit diversem Putz oder einem Hut geschmückt. [Neue Zürcher Zeitung, 09.07.1999]
Juwelen, das sind in der Regel Edelsteine und »gute Perlen«. Als gewöhnlicher Schmuck kann hingegen auch das schlicht mit Silber überzogene Geschmeide bezeichnet werden. Putz ist schließlich »dasjenige, was außer Schmuck und Geschmeide zur Verzierung der Person« genutzt wird. [Der Standard, 18.11.2016]
Die Flitterwochen haben wenig mit besonders glitzernder Kleidung zu tun, die mit billigem Putz (Flitter) behängt sind [sic!]. [Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang: Lexikon der populären Sprachirrtümer. Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 192]
Die andere trägt eine Federboa um den Hals – Elly. […] Graue Haare, graue Gesichter, schäbiger Putz, aber die Augen leuchten noch. [Neue Zürcher Zeitung, 31.01.1995]
c)
umgangssprachlich (besonders dichtes, langes) Kopfhaar
Beispiele:
Bei einer ersten Aussage bei der Polizei sprach er von einem Mann mit langen Haaren und von einem zweiten mit kurzem Putz. [Hamburger Abendblatt, 06.02.2015]
Als er – auf den neuen Putz angesprochen – behauptete, dass die grauen Haare jetzt nicht mehr so präsent wären, erntete er mitfühlendes Nicken der fragenden Dame im besten Alter. [Neue Westfälische, 27.07.2011]
Rot waren […] die Haare einiger Damen im Publikum, denen eifrige NDR‑Mitarbeiter an der Außenbühne wegen Lous schrillem Putz extra Perücken geschenkt hatten. [Die Welt, 26.05.2003]
3.
umgangssprachlich Streit, heftige Auseinandersetzung
Beispiele:
Nach Lust und Laune, einfach um mal wieder Putz zu machen, greifen sie [Rocker] an und fallen über Passanten her, ohne erkennbaren Anlaß und meistens sogar[,] ohne selber provoziert zu sein. [Der Spiegel, 15.07.1974]
[Publizistin Alice] SCHWARZER: Frauen als nackerte Dummchen darstellen, die nichts anderes als das eine wollen … Schon als ich die ersten Plakate sah, wusste ich: Das gibt Putz! Frauen lassen sich heutzutage so was einfach nicht mehr bieten. [Hamburger Abendblatt, 28.11.2002]
Nach den Auseinandersetzungen in Berlin, Frankfurt und Hamburg war schnell die Rede vom »Terror« und von »militanten Randalierern«, die von Stadt zu Stadt zögen, um »Putz« zu machen. [Die Zeit, 13.02.1981]
[…] auf die politische Linke angesprochen, droht Meister Schröder: »Wenn die Kommunisten Putz machen, dann kann ich nur sagen: Ich mach’ noch größeren. Und ich scheue mich nicht, das Faustrecht wieder einzuführen. Wir können uns schließlich nicht das kaputtmachen lassen, was wir aufgebaut haben.« [Die Zeit, 08.08.1969]
Seit Beginn des Jahres hatten jugendliche Rockerbanden Rabatz gemacht. […] »Bild« erschien mit der rotunterstrichenen Titelzeile »Jetzt wird Putz gemacht!« »Eine Stunde Angst« hätten »60 Rocker« den Gästen eines Beat‑Lokals bereitet. [Der Spiegel, 16.09.1968]
4.
entsprechend der Bedeutung von putzen (2)DWDS
Beispiele:
Mit einem leichten Mob gelingt der Putz ganz schnell und Sie haben beim Frühjahrsputz weniger zu tun. [Zeit sparen: Frühjahrsputz in 10 Minuten, 07.03.2019, aufgerufen am 20.08.2020]
Das Fest begann mit einem wunderschönen Programm von den Schwestern vom sozialen Dienst. Sie haben alles schön in ihrer Freizeit geprobt und einstudiert. Frau T[…] sprach zum Putz im Frühjahr, bevor in Lichtgeschwindigkeit geputzt wurde. [Thüringer Allgemeine, 28.04.2016]
Mit Veranstaltungen wurde das Gelände belebt, so die Langen‑Jarchowerin. Sie weiß, dass Vereinsmitglieder aus Thurow dabei sind, einige ehemalige Bewohner aus den alten Bundesländern stammen und mit einer Mitgliedschaft ihre Heimatverbundenheit bekunden. Dem Putz schlossen sich auch Mitglieder des Pilgervereins an und säuberten das große Gelände hinter dem Friedhof. [Schweriner Volkszeitung, 21.11.2012]
Frühjahrsputz in Treffurt [Überschrift] Der Heimatverein lädt seine Mitglieder am Samstag, 24. März, zum Putz um die Burg Normannstein ein. [Thüringer Allgemeine, 23.03.2012]
Am 4. Oktober nahm er das mit einem roten Geheimstempel versehene Papier mit nach Hause, um es an Feierabenden zu bearbeiten. Er hatte nicht mit der holländischen Ordnungsliebe seiner Frau gerechnet. Am 20. Oktober machte Frau D[…] großen Putz. Das Staatsgeheimnis geriet unter einen Stapel alter Zeitungen. [Der Spiegel, 03.11.1965]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

putzen · Putz · Verputz · verputzen
putzen Vb. ‘reinigen, säubern, glänzend machen, (sich) schmücken, festlich kleiden, schönmachen’. Die Herkunft des seit dem 15. Jh. nur im Dt. bezeugten Verbs (schwed. putsa, nl. poetsen sind Entlehnungen aus dem Nhd.) ist ungeklärt. Allgemein wird frühnhd. butzen, putzen als Ableitung von obd. Butze(n) m. ‘abgeschlagenes, kurzes Stück, zähe Masse, Schlacke, Klumpen, Schmutzklümpchen’, speziell ‘verhärteter Schleim der Nase, Eiterflocke, Schnuppe der Talgkerze, Kerngehäuse des Obstes’ (15. Jh.) aufgefaßt und als verwandt mit nd. butt ‘stumpf, plump’ und vielleicht mit mnd. bȫten, ahd. mhd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. Butzenscheibe) angesehen. Hierzu möglicherweise auch obsächs. Eiter-, Erd-, Grasbatzen, die dann freilich unter Veränderung des Stammvokals an Batzen (s. d.) angeschlossen sein müßten. Frühnhd. butzen, putzen bedeutet danach eigentlich ‘von Butzen befreien’, besonders (in den frühesten Belegen) ‘die Nase, eine Kerze säubern’, daraus die allgemeinere Bedeutung ‘von Schmutz reinigen, säubern, blank machen’, auch ‘schmücken’ (alle 16. Jh.), später die spezielle Bedeutung ‘(Mauerwerk) mit Putz, Mörtel bewerfen’ (18. Jh.; dafür auch abputzen). Anders Bach in: ZfdSpr. 22 (1966) 78 ff., der putzen zur Wortgruppe von Buße, büßen (s. d.) im Sinne von ‘Besserung’ bzw. ‘bessern’, damit auch zu besser (s. d.) stellen will. Er setzt lautgesetzlich zu erwartendes mhd. *bü(e)tzen und für den Stammvokal (germ. ō, ahd. uo) westmd. ū voraus, das vor Doppelkonsonanz gekürzt frühnhd. butzen, putzen ergeben habe. Danach seien die frühesten Bezeugungen als ‘(eifrig, mit Nachdruck) besser machen’ aufzufassen; ein Licht putzen (mit der Lichtputzschere) bedeutet danach ‘seine Leuchtkraft bessern’, die Nase putzen ‘den dem Besitzer nicht behaglichen Zustand der triefenden Nase bessern’, Mauerwerk (ver)putzen ‘es gegen die Einflüsse der Witterung wiederstandsfähiger machen, seinen Zustand bessern’, woraus sich ‘reinigen, schmücken’ ergeben habe. Ganz anders de Vries Nl. 535, der Substantiv und Verb an frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (s. Possen) anknüpfen möchte. – Putz m. ‘Mörtel, Wand-, Deckenbewurf aus Mörtel, Mörtelverkleidung’ (19. Jh.), älter, heute selten ‘schöne Kleidung, schöne Frisur’ (Anfang 18. Jh.), ‘Gegenstände zum Schmücken, schmückendes Beiwerk, Zierat’ (Ende 16. Jh.). Verputz m. ‘auf Mauerwerk (Wände, Decken) aufgetragene Mörtelschicht’ (19. Jh.); verputzen Vb. ‘mit Putz versehen, mit Mörtel bewerfen’ (19. Jh.), landschaftlich ‘gierig (auf)essen, schnell verbrauchen, vergeuden, (Geld) ausgeben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufputz · Putz · Verputz
Synonymgruppe
Aufmachung · Aufzug · Ausstaffierung · Ausstattung · Kostümierung · Outfit · Staat  ●  Gewandung  geh. · Putz  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Putz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Putz‹.

Beschädigung abblättern abblätternd abbröckeln abbröckelnd abgeblättert abgebröckelt abgeplatzt abklopfen abschlagen auftragen blättern blätternd broeckelt bröckelig bröckeln bröckelnd bröseln erneuern feucht herabfallend klopfen luftdurchlässig mineralisch platzen rieseln weisser
Zitationshilfe
„Putz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Putz>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Puttputt
Putto
Putthühnchen
Putthuhn
Putthenne
Putzbürste
Putze
Putzeimer
Putzer
Putzerei