Räson, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Räson · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungRä-son
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Räson‹ als Letztglied: ↗Parteiraison · ↗Parteiräson · ↗Staatsraison · ↗Staatsräson
eWDG, 1974

Bedeutung

Beispiel:
veraltendEr legt sich aus Räson (= Vernunft, Einsicht) aufs Halbundhalbe [WeinertZwischensp.291]
umgangssprachlich jmdn. zur Räson bringenjmdn. (mit strengen Maßnahmen) dazu bringen, dass er gehorcht, sich vernünftig benimmt
Beispiel:
Nur Härte bringt die Bande zur Räson [WeiskopfAbschied v. Frieden1,603]
Räson annehmen, zur Räson kommenzur besseren Einsicht, zu einem vernünftigen Verhalten gelangen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Räson · räsonieren · Räsoneur
Räson f. ‘Vernunft, Verstand, Einsicht, verständiges Betragen’, Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) von afrz. frz. raison ‘Vernunft, Verstand, Vernünftigkeit, Grund, Ursache, Rechtfertigung, Recht’ (afrz. auch ‘Rede, Ausdrucksweise’), aus lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’ (s. ↗rational). Im Dt. in nuancierten Verwendungen ‘vernünftige Überlegung, Erklärung, Rechtfertigung, Grund’, auch ‘Vernunft, Einsicht, Denkvermögen, vernünftiges Urteil’, vgl. zur Räson bringen ‘zur Vernunft, Einsicht bringen’ (2. Hälfte 17. Jh.), Räson annehmen ‘einsichtig, vernünftig werden’ (1. Hälfte 18. Jh.), schließlich ‘Recht, Rechtmäßigkeit, vernünftiger Grundsatz’, vgl. Staatsräson (nach frz. raison d’ État). Die Schreibung folgt bis ins 19. Jh. dem Frz.; doch vgl. frühe Eindeutschungsversuche wie R(a)eson, Ressung, Räson (17. Jh.) räsonieren Vb. ‘sich wortreich ereifern, seinem Unmut, seiner Unzufriedenheit durch Schimpfen Ausdruck geben, nörgeln’ (18. Jh.), älter ‘(vernünftig) denken, überlegen, urteilen, argumentieren, erörtern’ (2. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus frz. raisonner ‘vernunftgemäß denken, urteilen, reden, argumentieren’ (afrz. raisoner ‘reden’). Im Dt. nimmt in der 2. Hälfte des 18. Jhs. räsonieren als Ausdruck der einsetzenden skeptischen, auch ablehnenden Haltung gegenüber der Aufklärung zunehmend pejorative Bedeutung an im Sinne von ‘klug daherreden, schwatzen’, dann ‘kritisch und abfällig reden, widersprechen, schimpfen’. Räsoneur m. ‘Widerspruchsgeist, Nörgler, Klugschwätzer’ (18. Jh.), frz. raisonneur ‘Beurteiler, Schwätzer’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hausverstand · ↗Ratio · Räson · ↗Vernunft · ↗Wirklichkeitssinn  ●  gesunder Menschenverstand  ugs. · gesunder Verstand  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Palästinenser Serbe Streithahn außenpolitisch bringen bundespolitisch rufen staatspolitisch unterwerfen wiederbringen zwingen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Räson‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sind dies nur Drohungen, um die Hamas zur Räson zu bringen?
Die Zeit, 19.11.2012 (online)
Es gibt einen dritten, scheinbar modernen Weg der sozial-liberalen Räson.
Die Welt, 19.07.2000
Sie dient dazu, zänkische Personen am Pranger zur Räson zu bringen.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 146
Der Räson der öffentlichen Meinung wird am Ende ihre konstitutive Funktion doch vorenthalten.
Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied: Luchterhand 1965 [1962], S. 102
Mit Hilfe seiner beweglichen Kolonnen gelang es ihm, die Eingeborenenstämme wieder zur Räson zu bringen.
Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21084
Zitationshilfe
„Räson“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Räson>, abgerufen am 15.11.2019.

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