Rücktritt, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Rücktritt(e)s · Nominativ Plural: Rücktritte
Aussprache
WorttrennungRück-tritt
Wortzerlegungrück-Tritt
Wortbildung mit ›Rücktritt‹ als Erstglied: ↗Rücktrittbremse · ↗Rücktritterklärung · ↗Rücktrittserklärung · ↗Rücktrittsgesuch
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 07.06.2019.
eWDG, 1974 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
das Zurücktreten, die Amtsniederlegung, besonders von Mitgliedern einer Regierung
Beispiele:
der Rücktritt eines Ministers, Kabinetts
seinen Rücktritt anbieten, erklären
gehoben seinen Rücktritt nehmen (= zurücktreten)
jmds. Rücktritt verlangen, annehmen
2.
Jura Quelle: DWDS, 2018
a)
das Rückgängigmachen eines Rechtsgeschäfts o. Ä. und der daraus folgenden Verpflichtungen
Beispiele:
der Rücktritt von einem Vertrag (= einseitige Aufhebung eines Vertrages mit rückwirkender Kraft) Quelle: WDG, 1974
Egal ob Kaufpreis-Minderung, Schadenersatz oder Rücktritt vom Vertrag – danach sind die Gewährleistungsrechte futsch. [Süddeutsche Zeitung, 30.05.2017]
Bei Hochzeiten und Verlöbnissen ist es, wie gesagt, ein wenig anders. Die Verlobung ist »die auf künftige Eheschließung gerichtete Übereinstimmung zwischen Mann und Frau«. Sie »erzeugt im Gegensatz zum bürgerlichen Familienrecht keine Rechtswirkungen, so daß also auch der Rücktritt vom Verlöbnis keine Rechtsfolgen nach sich zieht.« [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972, S. 154. Zitiert nach: Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1968.]
Ein sehr großer Teil unseres bürgerlichen Rechts verdankt kaufmännischem Brauch seine Entstehung, so die Normen über die Form der Rechtsgeschäfte, die bindende Kraft des Antrags, den Rücktritt vom Vertrage, über die Wirkungen des Leistungsverzuges und der mangelhaften Leistung, über den Kauf, die Gesellschaft, die Versicherung, den Wechsel, den Scheck. [Eltzbacher, Paul: Deutsches Handelsrecht, Berlin: Simon 1925, S. 7. Zitiert nach: Eltzbacher, Paul: Deutsches Handelsrecht, Berlin: Simon 1924.]
b)
Verzicht auf die Vollendung einer Straftat
Beispiele:
Weil der mutmaßliche Täter (17), ein syrischer Flüchtling, nach »nur« einem Messerstich angeblich freiwillig nicht weiter auf sein Opfer einstach, wertet die Staatsanwaltschaft die Tat als »Rücktritt von der versuchten Tötung«. [Bild, 31.03.2018]
Er [der Staatsanwalt] winkt vielmehr mit den Wohltaten, die das Strafgesetzbuch bei tätiger Reue gewährt. Dieser Begriff hat seine Wurzel im Paragraphen 24: Dort wird für den Fall, daß ein Täter freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt, für den Fall des Rücktritts also, Straffreiheit versprochen. Dieser Rücktritt heißt tätige Reue, wenn die Tathandlung eigentlich schon beendet, die Tat aber noch nicht vollendet ist. [o. A. [pra]: Tätige Reue. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 10.09.1991.]
3.
Bremse am Fahrrad, die durch Rückwärtstreten der Pedale betätigt wird
Beispiel:
mit Rücktritt fahren

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abdankung · Abdikation · ↗Abgang · Amtsabtretung · ↗Amtsaufgabe · ↗Amtsniederlegung · Ausscheiden · ↗Demission · Renunziation · Rücktritt · ↗Rückzug
Jura
Synonymgruppe
Rückgängigmachung · Rücktritt  ●  ↗Wandlung  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amt Finanzminister Forderung Kabinett Minister Nationalmannschaft Neuwahl Rücktritt anbieten angekündigt ankündigen auffordern bedauern begründen bekanntgeben bevorstehend drohen einreichen erklären erzwingen erzwungen fordern freiwillig nahelegen sofortig verkünden verlangen vorzeitig zwingen überraschend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rücktritt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zugleich betonte er, «niemals» von einem Rücktritt gesprochen zu haben.
Die Zeit, 25.10.2011 (online)
Wann haben Sie begonnen, auf Ihren eigenen Rücktritt von allen Ämtern hinzuarbeiten?
o. A.: Einhundertzwanzigster Tag. Freitag, 3. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10232
Um Aufsehen in der Öffentlichkeit zu vermeiden, muß er freiwillig seinen Rücktritt erklären.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 85
Der Rücktritt vom V. einer strafbaren Handlung macht, wenn er freiwillig geschieht, den V. als solchen straflos.
o. A.: V. In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 10293
Seit Juli hat es drei Rücktritte aus Ämtern und Funktionen gegeben.
Der Spiegel, 17.11.1986
Zitationshilfe
„Rücktritt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rücktritt>, abgerufen am 16.06.2019.

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