Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Rachen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Rachens · Nominativ Plural: Rachen
Aussprache  [ˈʀaχn̩]
Worttrennung Ra-chen
Wortbildung  mit ›Rachen‹ als Erstglied: Rachenblütler · Rachenbräune · Rachenentzündung · Rachenhöhle · Rachenkatarrh · Rachenlehre · Rachenmandel · Rachenputzer · Rachenraum · Rachenspiegel · rachenförmig
 ·  mit ›Rachen‹ als Letztglied: Höllenrachen · Wolfsrachen  ·  mit ›Rachen‹ als Binnenglied: Nasenrachenraum
eWDG

Bedeutungen

1.
mit Schleimhaut ausgekleidete Erweiterung des rückwärtigen Bereichs der Mundhöhle beim Menschen und bei Wirbeltieren
Beispiele:
der Rachen ist entzündet, gerötet
ein rauer Rachen
es kratzt im Rachen
einem Kranken den Rachen pinseln
er hat eine Entzündung des Rachens
2.
weit geöffnetes, großes Maul
Beispiele:
ein Bär mit offenem Rachen
der aufgerissene Rachen eines Raubtiers, Flusspferdes
[ein] Löwenkopf mit aufgesperrtem Rachen [ MommsenReden255]
dichterisch, bildlich gähnender, verderbenbringender Abgrund
Beispiele:
der Rachen des Todes
der Hölle Rachen [ SchillerJungfr. v. OrleansII 6]
übertragen
umgangssprachlich, salopp, abwertend jmdm. etw. in den Rachen werfen, stecken, schmeißenjmdm. etw. überlassen, um ihn zu befriedigen; jmdm. etw. nachwerfen
Beispiel:
den Hohenzollern und anderen Fürstenhäusern soll eine Milliarde in den Rachen geworfen werden [ Thälm.Reden1,314]
umgangssprachlich, abwertend
Beispiele:
jmdm. (mit etw.) den Rachen stopfen (= jmdn. vollständig befriedigen)
jmd. kann den Rachen nicht, nie voll (genug) kriegen (= jmd. ist unersättlich, kann nicht genug bekommen)
jmdm. etw. aus dem Rachen reißen (= jmdm. etw. entreißen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rachen · Rachenblütler
Rachen m. ‘hinter der Mundhöhle gelegener, erweiterter Teil des Schlundes, weit geöffnetes, großes Maul’, ahd. (h)rahho (um 900), mhd. rache, mnd. mnl. rāke, nl. raak, aengl. hrace, hracu (germ. *hrakōn) sowie ahd. (h)rahhisōn ‘sich räuspern’ (9. Jh.), aengl. hræcan ‘auswerfen, speien, sich räuspern’, hrāca ‘das Räuspern, Speichel’, anord. hrāki ‘Speichel’ gehören wie die unter Harke (s. d.) genannten Formen zu einer Gutturalerweiterung der unter Rabe (s. d.) dargestellten lautnachahmenden Wurzel ie. *ker-, *kor-, *kr- für heisere, rauhe Töne. Das im Frühnhd. aufkommende auslautende -n stammt aus den obliquen Kasus. – Rachenblütler Plur. Pflanzenfamilie, bei der die Blüten einem aufgesperrten Rachen ähneln (um 1900).

rächen · Rache · Rächer
rächen Vb. ‘jmdm., sich für ein Unrecht durch Vergeltung Genugtuung verschaffen, ein Unrecht vergelten’, ahd. (w)rehhan (9. Jh.; vgl. gi(w)rehhan, 8. Jh.), mhd. rechen (md. wrechen), asächs. anfrk. wrekan ‘vergelten, Genugtuung verschaffen, strafen’, mnd. mnl. wrēken, nl. wreken ‘rächen’, afries. wreka, wraka, aengl. wrecan ‘drängen, treiben, (ver)stoßen, strafen’, engl. (älter) to wreak ‘rächen’, anord. reka (älter vreka) ‘treiben, jagen, rächen’, got. wrikan ‘verfolgen’, gawrikan ‘rächen’ (germ. *wrekan) führt mit den unter Recke und Wrack (s. d.) behandelten Substantiven sowie mit lat. urgēre ‘(be)drängen, (fort)stoßen, treiben’, vielleicht auch mit aind. vrájati ‘schreitet (fort), geht, wandert’ auf ie. *u̯reg- ‘stoßen, drängen, treiben, feindselig verfolgen’; daneben könnte eine baltoslaw. Wortsippe lit. vérgas ‘leibeigener Knecht, Sklave’, var̃gas ‘Not, Elend, Mühsal’, var̃gti ‘Not oder Elend leiden, sich plagen’, aslaw. vragъ, russ. (älter) vórog (ворог) und (kslaw. Lehnwort) russ. vrag (враг) ‘Feind’ auf eine Ablautstufe ie. *u̯erg- weisen. rächen ist ursprünglich ein starkes Verbum; der Übergang zur schwachen Flexion vollzieht sich im 16. Jh., doch bleibt das Part. Prät. gerochen bis ins 18. Jh. gültig. – Rache f. ‘Vergeltung einer als Unrecht empfundenen Tat’, ahd. (w)rāhha (um 800), mhd. rāch(e), asächs. wrāka, aengl. wrǣc, aus germ. *wrēkō ‘Verfolgung’. Rächer m. ‘wer Rache nimmt’, ahd. (w)rehhāri (8. Jh.), rāhhāri (Hs. 12./13. Jh.), mhd. rechære.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Rachen  ●  Pharynx  fachspr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Rachen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rachen‹.

Drachen Hölle Katarrh Löwe Schleimhaut Ungeheuer Wolf aufgerissen aufgesperrt aufreißen aufsperren gefärbt gewaltig geöffnet gierig gähnend kitzeln offen reinigen reißen sperren weitgeöffnet öffnen

Verwendungsbeispiele für ›Rachen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mir selbst gedieh es freilich selten über den Rachen eines Wolfes hinaus. [Benjamin, Walter: Berliner Kindheit um Neunzehnhundert. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.), Gesammelte Schriften Bd. 4,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1932-1938], S. 263]
Nach vorn kann der Träger durch einen weit aufgerissenen Rachen schauen. [o. A.: Lexikon der Kunst – S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 40319]
Mitunter stößt sie dem Ungeheuer das Kreuz in den Rachen. [o. A.: Lexikon der Kunst – M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 23788]
Man wolle dadurch sicherstellen, dass die Bürger nicht weiterhin gezwungen sind, den Ölscheichs ihr Geld in den Rachen zu werfen. [Die Zeit, 28.07.2008, Nr. 30]
Der Geruch kriecht durch die Nase in den Rachen, und da klebt er fest. [Süddeutsche Zeitung, 05.09.2003]
Zitationshilfe
„Rachen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rachen>.

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