Racker, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Rackers · Nominativ Plural: Racker
Aussprache
WorttrennungRa-cker (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft Kind, das gern Schabernack, lustige Streiche und kleine Dummheiten macht
Beispiele:
er ist ein kleiner, niedlicher Racker
du bist ein Racker!
so ein kleiner Racker!
was er alles angestellt hat, als er sechs war, der kleine Racker [H. KantAula417]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Racker · rackern · abrackern
Racker m. ‘Kind, das gern Schabernack treibt, lustige Streiche, kleine Dummheiten macht, Schlingel’. Mnd. racker, racher ‘der den Unflat Fortschaffende, Abtrittsfeger, Abdecker, Schinder, Totengräber’ (vgl. mnd. racke, rache ‘Kot, Dreck, Unflat’), nd. Racker ‘Schinder, Henkersknecht’ gehört zu mnd. racken, rachen ‘den Unflat zusammenfegen, fortschaffen’, einer Intensivbildung zu mnd. rāken ‘zusammenscharren, umwühlen, graben’ (zur Etymologie s. ↗Rechen). Schon im Mnd. wird das Substantiv als Schimpfwort in verschiedenen Abstufungen für Menschen und Tiere verwendet (vgl. auch nl. rakker ‘Henkersknecht’, dann ‘Taugenichts, Range’), dringt in die md. und obd. Mundarten ein und geht in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in die Literatursprache über. Fortan wird es in abgeschwächter Bedeutung Kindern zugerufen und schließlich allein auf diese beschränkt. rackern Vb. ‘schwer arbeiten, sich abmühen, plagen’, eigentlich ‘wie ein Racker (Abdecker) arbeiten’, in md. und obd. Mundarten zum Schimpfwort Racker gebildet und Anfang des 19. Jhs. in die Literatursprache eingegangen; zur gleichen Zeit begegnet verstärktes abrackern Vb. reflexiv.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bengel · ↗Flegel · ↗Frechling · ↗Lausbub · Lausbube · ↗Lausebengel · ↗Schelm · ↗Schlingel · ↗Strolch  ●  ↗Fratz  süddt. · ↗Lorbass  ostpreußisch · ↗Range  veraltet · ↗Bazi  ugs., österr., bair. · ↗Dreikäsehoch  ugs. · ↗Frechdachs  ugs. · Frechmops  ugs. · ↗Früchtchen  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Lauser  ugs. · ↗Lümmel  ugs., veraltend · ↗Pülcher  ugs., österr. · Racker  ugs. · ↗Rotzbengel  ugs. · Rotzblag  ugs., ruhrdt. · Rotzbubi  ugs. · ↗Rotzgöre  ugs. · ↗Rotzjunge  ugs. · ↗Rotzlöffel  ugs. · ↗Rotznase  ugs. · Schliffel  ugs., veraltet, altbairisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Geschichte
Synonymgruppe
Fallmeister · Feldmeister · Kafiller · Kaviller · Kleeken · Kleemeister · Luderführer · Mausgewitz · Racker · ↗Schinder  ●  ↗Abdecker  Hauptform · Tierkörperbeseitiger  Amtsdeutsch, Hauptform · ↗Wasenmeister  oberdeutsch
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

klein süß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Racker‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tut man aber, weswegen man notgedrungen anfängt, die kleinen Racker zu beobachten.
Die Zeit, 25.01.2006, Nr. 04
Spätestens Weihnachten wird der kleine Racker auf eigenen Füßen stehen.
Bild, 08.09.1999
Zu Kindern, die dreist und ungezogen sind, sagen wir „Racker".
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 67
Ein »Onkel« hatte sich des gescheiten und vielversprechenden Rackers angenommen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 355
Der Wächter Karl Schlatermund hatte an diesem Abend frei und lag mit der Stenotypistin Irene Braun - Gerhard Grote nannte sie »Racker« - im Bett.
Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 124
Zitationshilfe
„Racker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Racker>, abgerufen am 26.04.2019.

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