Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Raffinerie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Raffinerie · Nominativ Plural: Raffinerien
Aussprache  [ʀafinəˈʀiː]
Worttrennung Raf-fi-ne-rie
Wortbildung  mit ›Raffinerie‹ als Erstglied: Raffineriegas  ·  mit ›Raffinerie‹ als Letztglied: Benzinraffinerie · Erdölraffinerie · Großraffinerie · Stahlraffinerie · Zuckerraffinerie · Ölraffinerie
Herkunft aus gleichbedeutend raffineriefrz
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Werk, Anlage zur Verarbeitung bestimmter Ausgangsmaterialien zu höherwertigen Produkten
a)
Werk oder Anlage zur Raffination von Naturstoffen und technischen Produkten, z. B. Rohzucker, Erdöl
entsprechend der Bedeutung von raffinieren, Oberbegriff zu Erdölraffinerie, Ölraffinerie, Zuckerraffinerie
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die [neu] errichtete, moderne, veraltete, stillgelegte Raffinerie
als Akkusativobjekt: eine Raffinerie bauen, errichten, übernehmen, betreiben, übernehmen, verkaufen, stilllegen, schließen
als Aktivsubjekt: die Raffinerie produziert [etw.], verarbeitet etw., stellt etw. her
als Genitivattribut: der Bau, die Errichtung, die Fertigstellung, der Wiederaufbau, die Sanierung, die Modernisierung, die Übernahme, die Privatisierung, die Stilllegung, die Schließung der Raffinerie
Beispiele:
Der Mineralölkonzern […] hat in dieser Woche in Lingen im Emsland eine Raffinerie in Betrieb genommen, in der aus Fetten und Ölen sowie Biomasse‑Abfällen nachhaltigere Flugkraftstoffe hergestellt werden sollen. [Nachhaltige Flugkraftstoffe, 23.02.2022, aufgerufen am 01.05.2022]
Eine Raffinerie ist eine Anlage, in der aus Naturstoffen durch Reinigung und Veredelung höherwertige Produkte produziert werden. Die wohl bekannteste Form einer Raffinerie ist die Erdölraffinerie, in der aus Rohöl unter anderem Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin hergestellt werden. Erdölraffinerien sind meist große industrielle Komplexe, bestehend aus Tanklagern, sogenannten Rektifikationskolonnen (zur thermischen Trennung von Gemischen), Rohrleitungssystemen sowie Fackelanlagen. Die Kraftstoffraffinerien in Deutschland mit den größten Kapazitäten befinden sich in Köln, Karlsruhe, Gelsenkirchen, Leuna und Schwedt (Oder). [Thüringer Allgemeine, 16.09.2019]
Nahe Schwedt an der deutsch‑polnischen Grenze endet nach 5.300 Kilometer ein Teil der Erdölleitung Drushba (Freundschaft) aus Westsibirien. Seit 1964 steht genau hier, am Ende der Pipeline, eine Raffinerie, damals noch Erdölverarbeitungswerk […] genannt, die das russische Rohöl zu Benzin, Diesel, Heizöl und anderen Produkten verarbeitet. [Thüringer Allgemeine, 13.11.2015]
Wirtschaftlich hat Baschkortostan einiges zu bieten. […] vor allem […] ist sie mit Erdöl wohlhabend geworden. Nicht zufällig steht die zweitgrößte Raffinerie Europas in Baschkortostan. [Leipziger Volkszeitung, 22.05.2006]
1797 entstand in Dresden die erste Raffinerie für die Verarbeitung von Zuckerrohr, damals als Kolonialzucker bezeichnet. [Leipziger Volkszeitung, 07.04.2003]
Bereits im 15. Jahrhundert war Zuckerrohr in Sizilien heimisch, von dort kam er 1419 nach Canaria und Madeira. Der dort hergestellte Rohzucker […] wurde in Kästen nach Europa verschifft und dort in Raffinerien weiterbehandelt. Im Erdgeschoss einer Raffinerie befanden sich mehrere Kessel zum Klären, Sieden, Schäumen und Läutern, ebenso Pfannen zum Kühlen. Im Obergeschoss wurde der gereinigte Rohzucker in kegelförmigen Formen getrocknet. Dieser Form wegen wurde die so gewonnene Zuckermasse als Zuckerhut bezeichnet. [Leipziger Volkszeitung, 20.07.2000]
Einer der leistungsstärksten Produzenten von Weißzucker und Raffinade zwischen Ostsee und Thüringer Wald ist die zum Zuckerkombinat Halle gehörende Raffinerie. Täglich veredelt sie bis zu 650 Tonnen Rohware. 15.000 Tonnen Würfelzucker kommen in diesem Jahr aus dem Betrieb. Als weiteres wichtiges Erzeugnis entsteht in der Raffinerie Puderzucker. [Neues Deutschland, 01.02.1973]
b)
Werk oder Anlage, in der (durch Einsatz des Verfahrens der Elektrolyse) hochreine Metalle (z. B. Kupfer) gewonnen werden
entsprechend der Bedeutung von raffinieren (●), Synonym zu Raffinage (2), Oberbegriff zu Stahlraffinerie (1)
Beispiele:
Die Umwandlung von altem Schrott in raffiniertes Kupfer macht fast 10 % der jährlichen globalen Kupferversorgung und mehr als 30 % des jährlichen Angebots aus. Kupferfabriken einschließlich Messingmühlen, Raffinerien und Barrenhersteller dienen alle als Quellen für recyceltes Kupfer. [Handel mit Edelmetallen, 05.09.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Um aus Bauxit Aluminium zu gewinnen, entziehen Aluminiumschmelzen dem Erz zunächst bei etwa sieben Bar Druck und 180 Grad Celsius Hitze Aluminiumhydroxid. Dieses bringen sie anschließend zum Glühen und brennen es zu Aluminiumoxid. Als Abfallprodukt fällt dabei Rotschlamm an. Das Aluminiumoxid wiederum unterziehen die Raffinerien abschließend einer Elektrolyse, bei der sie das Material mit Hilfe eines Flussmittels in flüssiges Aluminium und Sauerstoff zertrennen. [Rohstoff Aluminium – Luftikus aus Bauxit, 14.07.2017, aufgerufen am 01.09.2020]
Mit etwas über 10 Millionen Tonnen ist Asien der [weltweit] mit Abstand größte Lieferant von Kupfer aus Raffinerien gewesen. [China baut Kapazitäten für Kupferschrott aus, 20.05.2014, aufgerufen am 31.08.2020]
2.
selten, übertragen Synonym zu Raffination (a)
Grammatik: nur im Singular
a)
entsprechend der Bedeutung von raffinieren, Synonym zu Raffination (a), Raffinage (2)
Beispiel:
Da der Markt […] nach raffinierten Zuckerwaren wie Kandis verlangte, wurde es bald erforderlich, auch die Raffinerie des Rohzuckers in Angriff zu nehmen. [Leipziger Volkszeitung, 11.05.2000]
b)
entsprechend der Bedeutung von raffinieren (●), Synonym zu Raffination (b), Oberbegriff zu Stahlraffinerie (2)
Beispiele:
Die hohe Nachfrage nach Silizium treibt den Preis auf Rekordhöhe. […] Preistreibend sind vor allem die Raffinerie sowie die Herstellung der hochreinen Silizium‑Metallschmelze, die letztlich als Grundlage für die Herstellung von Halbleiterplatten oder Solarpanels dient. [Der Bund, 03.11.2006]
Mit einer […] Jahresproduktion von 424.708 t Kupfer und 933 t Silber (das als »Abfallprodukt« der elektrolytischen Raffinerie von Kupfer entsteht) ist KGHM laut eigenen Angaben weltweit der fünftgrösste Kupfer‑ und der grösste Silberproduzent mit Anteilen von 3,4 % bzw. 4,3 % an der Weltproduktion. [Neue Zürcher Zeitung, 11.06.1997]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffinieren · raffiniert · Raffinade · Raffinerie · Raffinement · Raffinesse
raffinieren Vb. ‘von Beimengungen reinigen, veredeln’, fachsprachlich, besonders von Rohstoffen (Metallen, Erdöl), Nahrungsmitteln, technischen Erzeugnissen, in dieser seit dem 18. Jh. üblichen Form entlehnt aus mfrz. frz. raffiner ‘reinigen, läutern, feiner machen’ (frz. auch ‘grübeln, klügeln’), zuvor (seit 2. Hälfte 16. Jh.) bezeugt in der wohl latinisierenden oder von (dem frz. Verb semantisch entsprechendem) engl. to refine beeinflußten Schreibung refinieren. Mfrz. frz. raffiner ist weitergebildet aus mfrz. frz. affiner ‘reinigen, verfeinern’, afrz. afiner (vgl. mlat. affinare ‘Metalle reinigen’), einer Ableitung von afrz. frz. fin ‘fein, zart, ausgezeichnet’ (s. fein). Von der Mitte des 18. Jhs. bis zur 2. Hälfte des 19. Jhs. wird raffinieren im Anschluß an die frz. Verwendungen auch allgemeiner im Sinne von ‘verfeinern, vervollkommnen, kultivieren, ausklügeln, spitzfindig ersinnen’ verwendet; ebenso bis heute raffiniert Adj. ‘verfeinert, fein ausgedacht, schlau, durchtrieben, gerissen’ (um 1700), nach frz. raffiné ‘listig, schlau’, Part.adj. zu mfrz. frz. raffiner, dessen gelegentlich abschätziger Gebrauch im Dt. stärker hervortritt. – Raffinade f. ‘verfeinertes Endprodukt’, speziell ‘gereinigter, weißer, feinkörniger Zucker’ (Ende 18. Jh.), vgl. (erst für das 19. Jh. nachgewiesenes) frz. raffinade. Raffinerie f. ‘industrielle Anlage zur Reinigung und Veredelung von Rohstoffen’ (2. Hälfte 18. Jh.; vereinzelt auch ‘das Verfeinern, Veredeln’), nach gleichbed. frz. raffinerie. Im Dt. des 18./19. Jhs. auch ‘Spitzfindigkeit, schlaue Berechnung’. Raffinement n. ‘höchste, übertriebene Verfeinerung, kluges, geschicktes Vorgehen’ entsprechend frz. raffinement m., doch im Dt. auch stärker pejorativ ‘Schlauheit, Durchtriebenheit, Gerissenheit’ (1. Hälfte 18. Jh.). Raffinesse f. ‘Spitzfindigkeit, Schlauheit, Durchtriebenheit’ (Mitte 18. Jh.), dann auch ‘höchste Vollkommenheit, vollendete Ausführung’ und (meist Plur.) ‘wohldurchdachte technische Besonderheiten, luxuriöses Zubehör’ (20. Jh., vor allem in der Fügung mit allen Raffinessen), französierende Bildung zu raffiniert (s. oben), wohl analog zu älterem, bedeutungsverwandtem Finesse (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›Raffinerie‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Raffinerie‹.

Zitationshilfe
„Raffinerie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raffinerie>.

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