Raffinesse, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Raffinesse · Nominativ Plural: Raffinessen
Aussprache
WorttrennungRaf-fi-nes-se (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
meist im Singular
durch Intelligenz erreichte, zur größten Feinheit gelangte Perfektion, Geschicklichkeit, Raffinement
Beispiel:
etw. mit, ohne Raffinesse ausführen, tun
Durchtriebenheit, Gerissenheit
Beispiel:
die Raffinesse eines Menschen, Plans, einer Handlungsweise
2.
meist im Plural
mit allen Feinheiten ausgestattetes Detail, Finesse
Beispiele:
ein Neubau, eine Wohnung mit allen Raffinessen (der modernen Technik)
ein Menü mit allen Raffinessen
er beherrscht alle Raffinessen der Romantechnik
wie der Junge erzählen konnte! Mit allen Raffinessen! [BredelHeerstraßen553]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffinieren · raffiniert · Raffinade · Raffinerie · Raffinement · Raffinesse
raffinieren Vb. ‘von Beimengungen reinigen, veredeln’, fachsprachlich, besonders von Rohstoffen (Metallen, Erdöl), Nahrungsmitteln, technischen Erzeugnissen, in dieser seit dem 18. Jh. üblichen Form entlehnt aus mfrz. frz. raffiner ‘reinigen, läutern, feiner machen’ (frz. auch ‘grübeln, klügeln’), zuvor (seit 2. Hälfte 16. Jh.) bezeugt in der wohl latinisierenden oder von (dem frz. Verb semantisch entsprechendem) engl. to refine beeinflußten Schreibung refinieren. Mfrz. frz. raffiner ist weitergebildet aus mfrz. frz. affiner ‘reinigen, verfeinern’, afrz. afiner (vgl. mlat. affinare ‘Metalle reinigen’), einer Ableitung von afrz. frz. fin ‘fein, zart, ausgezeichnet’ (s. ↗fein). Von der Mitte des 18. Jhs. bis zur 2. Hälfte des 19. Jhs. wird raffinieren im Anschluß an die frz. Verwendungen auch allgemeiner im Sinne von ‘verfeinern, vervollkommnen, kultivieren, ausklügeln, spitzfindig ersinnen’ verwendet; ebenso bis heute raffiniert Adj. ‘verfeinert, fein ausgedacht, schlau, durchtrieben, gerissen’ (um 1700), nach frz. raffiné ‘listig, schlau’, Part.adj. zu mfrz. frz. raffiner, dessen gelegentlich abschätziger Gebrauch im Dt. stärker hervortritt. Raffinade f. ‘verfeinertes Endprodukt’, speziell ‘gereinigter, weißer, feinkörniger Zucker’ (Ende 18. Jh.), vgl. (erst für das 19. Jh. nachgewiesenes) frz. raffinade. Raffinerie f. ‘industrielle Anlage zur Reinigung und Veredelung von Rohstoffen’ (2. Hälfte 18. Jh.; vereinzelt auch ‘das Verfeinern, Veredeln’), nach gleichbed. frz. raffinerie. Im Dt. des 18./19. Jhs. auch ‘Spitzfindigkeit, schlaue Berechnung’. Raffinement n. ‘höchste, übertriebene Verfeinerung, kluges, geschicktes Vorgehen’ entsprechend frz. raffinement m., doch im Dt. auch stärker pejorativ ‘Schlauheit, Durchtriebenheit, Gerissenheit’ (1. Hälfte 18. Jh.). Raffinesse f. ‘Spitzfindigkeit, Schlauheit, Durchtriebenheit’ (Mitte 18. Jh.), dann auch ‘höchste Vollkommenheit, vollendete Ausführung’ und (meist Plur.) ‘wohldurchdachte technische Besonderheiten, luxuriöses Zubehör’ (20. Jh., vor allem in der Fügung mit allen Raffinessen), französierende Bildung zu raffiniert (s. oben), wohl analog zu älterem, bedeutungsverwandtem ↗Finesse (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Durchtriebenheit · ↗Findigkeit · ↗Klugheit · Raffinesse · ↗Schlauheit · ↗Schläue
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Finesse · ↗Gewandtheit · Raffinesse

Typische Verbindungen
computergeneriert

Delikatesse Einfache Einfachheit Eleganz Esprit Naivität Schlitzohrigkeit Spielwitz architektonisch artistisch dialektisch dramaturgisch erzählerisch gestalterisch handwerklich instrumental inszenatorisch kammermusikalisch klangfarblich klanglich kompositorisch kulinarisch malerisch perfid psychologisch rhythmisch spielerisch stilistisch taktisch technisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Raffinesse‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die fotografische Raffinesse des Tom Wood ist nicht groß, aber auch nicht wichtig.
Die Welt, 28.02.2003
Die Wahl der Uhrzeit zeigt die ganze Raffinesse meiner Frau, weil ich um die Zeit nie zuverlässig ja sagen kann.
Der Tagesspiegel, 28.09.2001
Sofort versucht er mit aller Raffinesse, mich dazu zu bringen, ihn wieder aufzurichten.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 117
Der marxistische Funktionalismus bleibt gegen seine eigene Raffinesse merkwürdig blind.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 87
Sie hat keine Ahnung von der Raffinesse der hier angewandten künstlerischen Mittel, von der Virtuosität der Komposition.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 333
Zitationshilfe
„Raffinesse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raffinesse>, abgerufen am 20.10.2019.

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