Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Raffke, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Raffkes · Nominativ Plural: Raffkes
Aussprache 
Worttrennung Raff-ke (computergeneriert)
eWDG

Bedeutung

landschaftlich, salopp, abwertend jmd., der sehr raffgierig ist
Beispiel:
der Raffke … hat [durch Schiebungen und Bestechungen] das Fett schön von der Suppe abgeschöpft [ FühmannFronten132]
Bezeichnung für einen ungebildeten Neureichen
Beispiel:
wie bei Neureichs und Raffkes [ FalladaWolf1,95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie rümpfen und schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter scheren1 (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). – Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. -chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Raffke  ugs. · Raffzahn  ugs. · Schrapphals  ugs., ruhrdt., rheinisch, abwertend
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Raffke‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin tief getroffen, daß ich ein Raffke sein soll. [Süddeutsche Zeitung, 05.09.1996]
Dafür wird Herr Raffke sorgen, obwohl er noch nie ein Fußballspiel gesehen hat. [Berliner Zeitung, 19.06.1958]
Münch erklärte: 'Ich bin in meinem Leben nie ein Raffke gewesen. [Süddeutsche Zeitung, 30.08.1996]
Bei Mannesmann jedenfalls herrschten am Ende nur noch die Raffkes. [Der Tagesspiegel, 13.03.2004]
Das hat er nun davon: "Richter Raffke" ist seinen Job los. [Bild, 28.06.1997]
Zitationshilfe
„Raffke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raffke>.

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