Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Raffzahn, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Raffzahn(e)s · Nominativ Plural: Raffzähne
Aussprache 
Worttrennung Raff-zahn
Wortzerlegung raffen Zahn

Bedeutungsübersicht+

  1. [abwertend] ...
    1. 1. [umgangssprachlich] (zwischen den Lippen herausragender, oberer) Schneidezahn
    2. 2. [salopp, abwertend, übertragen] raffgierige Person
eWDG

Bedeutung

abwertend
1.
umgangssprachlich (zwischen den Lippen herausragender, oberer) Schneidezahn
Beispiel:
mit beweglichem Klatschmunde, worin zwei Raffzähne einsam standen [ Th. MannJoseph4,572]
2.
salopp, abwertend, übertragen raffgierige Person
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie rümpfen und schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter scheren1 (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). – Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. -chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Raffke  ugs. · Raffzahn  ugs. · Schrapphals  ugs., ruhrdt., rheinisch, abwertend
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Raffzahn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Durch sein Zögern steht er da wie der Raffzahn, der er nicht sein wollte. [Bild, 17.11.2005]
Warum kann man solche Raffzähne nicht einfach durch eine Abstimmung rausschmeißen? [Bild, 03.09.2004]
Wieso stellt die Verbandsspitze ihre eigenen Spieler stets als Raffzähne dar? [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2003]
Scharfe Kritik an dem Raffzahn kommt auch von den anderen Parteien. [Bild, 27.11.2001]
Jetzt ist die Dame wohl endgültig der größte Raffzahn in der Bundesliga! [Bild, 14.05.1999]
Zitationshilfe
„Raffzahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raffzahn>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Raffung
Raffsucht
Raffke
Raffinose
Raffinierung
Raft
Rafter
Rafting
Rag
Raga