Raffzahn, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungRaff-zahn
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend
1.
umgangssprachlich (zwischen den Lippen herausragender, oberer) Schneidezahn
Beispiel:
mit beweglichem Klatschmunde, worin zwei Raffzähne einsam standen [Th. MannJoseph4,572]
2.
salopp, abwertend, übertragen raffgierige Person
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter ↗raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie ↗rümpfen und ↗schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter ↗scheren1 (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. ↗-chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Raffke  ugs. · Raffzahn  ugs. · Schrapphals  ugs., ruhrdt., rheinisch, abwertend
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Raffzahn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Durch sein Zögern steht er da wie der Raffzahn, der er nicht sein wollte.
Bild, 17.11.2005
Wieso stellt die Verbandsspitze ihre eigenen Spieler stets als Raffzähne dar?
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2003
Wem fällt da nicht die böse Hexe ein, die garstige und faule Schwester, die giftige Stiefmutter, der habgierige Raffzahn, Frau Königin mit der Hakennase?
konkret, 1981
Die Champions League ist nichts mehr wert, immer mehr Zuschauer meiden die Stadien, die TV-Quoten sinken, - willkommen im Zeitalter der medialen Raffzähne.
Der Tagesspiegel, 30.09.1999
Ähnlich wie in der Finanzwelt das Universum der Raffzähne implodierte, so scheint nun auch in der Gastronomie das Schlaraffenland der Gierhälse zu veröden.
Die Zeit, 27.04.2009, Nr. 17
Zitationshilfe
„Raffzahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raffzahn>, abgerufen am 23.02.2020.

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