Randexistenz, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Randexistenz · Nominativ Plural: Randexistenzen
Aussprache [ˈʀantʔɛksɪsˌtɛnʦ]
Worttrennung Rand-exis-tenz
Wortzerlegung Rand Existenz
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Dasein abseits des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder kulturellen Lebens, ZentrumsDWDS
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: eine Randexistenz führen, fristen
Beispiele:
Deutsche Bauern führen volkswirtschaftlich betrachtet eine Randexistenz. Nur noch zwei Prozent der Werktätigen arbeiten in der Landwirtschaft und erwirtschaften dort lediglich ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts. [Die Welt, 24.04.2008]
Radikale Maskulisten [sic!] waren bis vor etwa 10 Jahren gut sichtbar. Heute fristen sie nur noch eine Randexistenz in geschlossenen facebook‑Gruppen oder abgelegenen Foren. [Geschlechter, 13.03.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Gonzalo J[…] erzählt die triste Lebensgeschichte von Niki, einem jungen Arbeitslosen, der mit seinen Freunden am Stadtrand von Santiago herumlungert, um irgendwie die Zeit totzuschlagen. Marginale Figuren, denen auch noch die bescheidene Randexistenz streitig gemacht wird. Wo das Leben nichts gilt, werden Grausamkeiten und Gewalt alltäglich. [die tageszeitung, 02.04.1992]
Armut beschädigt die Würde des Menschen, raubt ihm Freiheit, verurteilt ihn zu einer Randexistenz. [Berliner Zeitung, 01.03.1988]
[…] immer mehr wird die Bundesrepublik zu einer Zwei‑Klassen‑Gesellschaft, in der es den Beschäftigten besser denn je geht, in der aber gleichzeitig vor allem jugendliche und ältere Arbeitslose in Randexistenzen ohne Hoffnung abgedrängt werden. [Die Zeit, 31.01.1986]
übertragen unscheinbares Dasein; Dasein von geringerem Stellenwert, Interesse
Beispiele:
In der Regel in Weiß oder Beige, führen Schalter und Steckdosen in den meisten Häusern und Wohnungen eine eher unscheinbare Randexistenz. [Schöner schalten, 10.08.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Bleibt die Technik [der Beacons] bloßes Gimmick oder wird sie lediglich als weiterer Kanal der Werbe‑Dauerbeschallung genutzt, dürfte sie den Weg des QR‑Codes gehen – ein anfangs ebenfalls gehypter Techtrend, der trotz aller Vorschusslorbeeren heute eine Randexistenz führt. [Beacons – Lockruf für Kunden oder Hightech-Strohfeuer?, 29.10.2015, aufgerufen am 31.08.2020]
[…] Boxen war der exotische Kampfsport, dem im heimischen Fernsehen zumindest eine Randexistenz neben Fußball und Skifahren zugestanden wurde. [Der Standard, 20.04.2005]
Während die spanische Literatur in Deutschland weite Verbreitung findet, fristet die deutsche in Spanien eine Randexistenz. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2002]
Im 17. und 18. Jahrhundert, so erfährt man, führte der Eislauf noch weitgehend eine Randexistenz als höfische Mode. Allerspätestens im 19. Jahrhundert etablierte er sich jedoch als ein bevorzugter Zeitvertreib des Bürgertums. [Süddeutsche Zeitung, 12.12.1998]
2.
jmd., der eine Randexistenz (1) führtDWDS;
Angehörige bzw. Angehöriger einer sozialen Randgruppe
Beispiele:
Die Randexistenzen, die Nonkonformisten sind es, die ihn eigentlich interessieren. Leute, die tagelang auf Mittelalter‑Festivals stehen und ihr Schwert schmieden, die mag er. Menschen, die im selbst geschneiderten Kostüm zu Cowboy‑Festivals fahren. Originelle Typen. [Hamburger Abendblatt, 07.06.2016]
Gerade fertig mit dem Studium an der Kunstgewerbeschule, hatte er sich intensiv mit Themen der Großstadt und ihren Randexistenzen beschäftigt: Menschen in Spelunken, aufgetakelte Prostituierte, Besucher von Varietés, Rummelplatzfreuden und die Welt der Zirkusleute faszinierten ihn in der aufgeheizten Stimmung der Metropole kurz vor Kriegsausbruch. [Welt am Sonntag, 13.07.2014]
Im Zentrum [des Theaterstückes] steht das Gefühl, eine Randexistenz zu sein: die »Jungen«, die noch keinen Platz in der Gesellschaft gefunden haben[,] oder die »Alten«, die ihre Position schon zu früh abgeben sollen. [The Geometry of Separation, 16.05.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Unter Manhattans dünner Asphaltschicht existiert eine geheimnisvolle Welt. […] Dort hausen in Dunkelheit und Gestank die Randexistenzen der Gesellschaft: Drogensüchtige, Kriminelle, Ex‑Vietnam‑Soldaten, psychisch Gestörte – das gnadenlose Grauen. [Bild am Sonntag, 13.06.1999]
vergleichend Tatsächlich wirkt der gotische Bau wie eine Randexistenz, an die laute Liebknechtstraße geklemmt, halb versunken in der Tiefe der Historie, gerade noch geduldet von der Dominante des Platzes, der sozialistischen Stadtkrone, dem Fernsehturm. [Der Tagesspiegel, 27.03.2005]
übertragen etw., dem kaum Aufmerksamkeit gewidmet wird, das von nur wenig Interesse istDWDS
Beispiele:
Derzeit ist sie [eine bestimmte Pflanzengattung] noch eine Randexistenz, aber mutmaßlich wird sie ein Hauptgewinner im Klimawandel sein. [Zuflucht bei den Buchen, 21.10.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Grünpflanzen haben hier [in der Forschungseinrichtung] einen schweren Stand, auf vielen Fotos tauchen sie als blattlose Randexistenzen auf, […] die mehr verkümmern als blühen. [Menschen am CERN – die Hotlist 2014, 13.10.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] Könnten Zeitungen zur kommunikativen Randexistenz werden? [Süddeutsche Zeitung, 18.12.2006]
»Irgendwie tat mir der Automat leid«, erinnert sich Manuel S[…]. Denn irgendwie ist ja so ein Automat eine arme Randexistenz. Stets hängt er allein mit dem Rücken zur Wand und ist der Gesellschaft und den Jahreszeiten ausgeliefert. [Welt am Sonntag, 24.04.2005]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Marginalität · Randexistenz
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Randexistenz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Randexistenz‹.

Zitationshilfe
„Randexistenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Randexistenz>.

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