Randphänomen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Randphänomens · Nominativ Plural: Randphänomene
WorttrennungRand-phä-no-men
WortzerlegungRandPhänomen
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
in Goethes Farbenlehre Farbe als Phänomen (Lesart 1) in einem durch den Übergang und Kontrast von hell und dunkel charakterisierten Bereich, etwa am Rand eines Prismas oder Regenbogens
Beispiele:
Goethe sah sein »Randphänomen« in der Beobachtung, daß die Farben nur am Rande von Dunkelheit sichtbar werden - der Regenbogen am Rande der Wolkenwand. Er sah die Farben entstehen an der Grenze der Finsternis und als einen Übergang zwischen der Finsternis und dem Licht[…]. [Schaeffer, Albrecht, Mythos: Abhandlugen über die kulturellen Grundlagen der Menschheit. Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 1958]
Die reinsten Farben entstehen bei der Brechung des Lichtes als Randphänomen, so beim Regenbogen oder beim Glasprisma. Betrachtet man bei Tageslicht einen breiten weissen Spalt auf schwarzem Untergrund oder einen breiten schwarzen Spalt auf weissem Untergrunde durch das Prisma, so erscheinen deutlich voneinander geschieden vier Farben, und zwar auf der einen Seite Gelb und Gelbrot, auf der anderen die Komplementärfarben Violett (zu Gelb) und Blau […]. [Das Goetheanum, Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, Bände 32-34, S. 162]
Da war ein Mann, hieß Goethe. Der sah die Spektralfarben in seinem Geist als Trübungen des Lichts durch das Dunkel, Randphänomene des Lichts. [Schaeffer, Albrecht: Helianth I, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 626]
2.
übertragen Angelegenheit, Thema von nicht zentralem, sondern nur marginalem Interesse, Randerscheinung
Beispiele:
Christliche Motive sind längst nicht mehr das beherrschende Thema in der Kunst, sondern ein Randphänomen. [Knieling, Reiner, Das Kreuz mit dem Kreuz. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2015]
Deutschland ist ein reiches Land. Trotzdem sind Armut und soziale Ausgrenzung keine Randphänomene, sie bedrohen auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. [Der Tagesspiegel, 03.03.2005]
All diesen Projekten und Publikationen [zum Thema »Umgang mit nichtwestlicher Kunst«] war eines gemeinsam: Sie stiessen beim Publikum und auch bei der Fachwelt nur auf wenig Interesse. […] So marginal das Interesse für die Problematik im Umgang mit solcher Kunst auch ist, die Kunst aus der nichtwestlichen Welt selbst ist längst kein Randphänomen in unserem westlichen Kunstbetrieb mehr. [Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2001]
[…] ein kurzer Blick auf die Suizidzahlen zeigt, daß es sich hier nicht um ein klinisches Randphänomen oder um die Sache einiger weniger handelt. Allein in der Bundesrepublik Deutschland nehmen sich jährlich etwa 13000 bis 14000 Menschen das Leben[…]. [Wetzel, Helmut: Suizid. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 3420. Zitiert nach: Wetzel, Helmut: Suizid. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch der Psychologie, Weinheim u. a.: Beltz 1980.]
In den 22 Reportagen[…] geht es um Randphänomene des US-Kulturgetriebes oder vielmehr um solche Phänomene, die bislang als Randphänomene galten, weil sie nicht ins Zentrum journalistischer und folklore-soziologischer Aufmerksamkeit gelangten. [Die Zeit, 10.01.1969, Nr. 02]
3.
selten (Mitglied einer) Randgruppe
Beispiele:
[…] Kritik anzumelden und Zweifel zu äußern. Das ist der Realisten Job. Zu hassen wie die Rechtsfanatiker vermögen sie nicht. So ungewiß die paradiesgläubigen, pflichtvergessenen Rebellen im Untergrund nur ein Randphänomen, eine statistisch irrelevante Minorität darstellen innerhalb ihrer Generation[…], so gewiß reagiert die geschlossene Front der erfolgsgläubigen und pflichtbesessenen Paternisten gerade auf die kleinste, die passive Minderheit der Protestierer auffallend verstört. [Die Zeit, 13.11.1970, Nr. 46]
[…] es ist eben nicht diese sauber sich anpassende Mehrheit, sondern es sind die statistisch irrelevanten »Randphänomene« und »Marginal-Erscheinungen« (wie Demoskopen die auffälligen Minoritäten nennen), die den Erwachsenen Anlaß zur Beunruhigung und zur Bewunderung geben […]. [Der Spiegel, 02.10.1967, Nr. 41]

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antisemitismus Rechtsextremismus

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Randphänomen‹.

Zitationshilfe
„Randphänomen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Randphänomen>, abgerufen am 20.09.2019.

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