Rassismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Rassismus · Nominativ Plural: Rassismen · wird meist im Singular verwendet
WorttrennungRas-sis-mus
WortzerlegungRasse-ismus
Wortbildung mit ›Rassismus‹ als Erstglied: ↗Rassismusvorwurf
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
abwertend Theorie, Ideologie, allgemeine Vorstellung von der Höher- oder Geringerwertigkeit bestimmter Gruppen von Menschen aufgrund gewisser körperlich-biologischer oder ethnischer Merkmale
Das Wort Rassismus wird in dieser Lesart von Sprechern in der Regel nur verwendet, um theoretische Vorstellungen anderer, insbesondere des politischen bzw. weltanschaulichen Gegners, zu charakterisieren und negativ zu bewerten.
Beispiele:
Der Rassismus ist eine Ideologie, welche die ungleiche Verteilung von Menschenrechten legitimiert, und zwar zwischen ethnischen Gruppen, die als minder- oder überwertig etikettiert werden – von den Sklavenhaltern der Antike bis zu den Nazis. [Die Zeit, 04.12.2015, Nr. 49]
Wie konnte sich eine so wahnsinnige Irrlehre wie der Rassenantisemitismus derartig verbreiten, dass sechs Millionen Juden dem Holocaust zum Opfer fielen? Die bekannten »Theorien« des Rassismus sind seit langem erforscht und widerlegt. [Die Welt, 11.09.2004]
Die Irrlehre des Rassismus ist die Vorstellung von einer kausalen Verbindung zwischen vererbten physischen Merkmalen und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, Intellekt und Kultur – wovon die Vorstellung abgeleitet wurde, dass bestimmte »Rassen« besser als andere seien. [Süddeutsche Zeitung, 09.08.2001]
Der Nazismus besaß eine Theorie des Rassismus und der Überlegenheit der Arier[…]. [Die Zeit, 07.07.1995, Nr. 28]
Der Rassismus ist ihm [dem Forscher] eine Degenerationserscheinung, ein Mittel zur Durchsetzung des Imperialismus unter den Völkern[…]. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 658]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: völkischer, nazistischer, biologistischer Rassismus
mit Genitivattribut: der Rassismus der Weißen
als Genitivattribut: die Ideologie des Rassismus
2.
abwertend von Rassismus (Lesart 1) geprägte oder ihm entsprechende Einstellung, Denk- und Verhaltensweise, politische Bestrebung oder Maßnahme, durch die bestimmte (Gruppen von) Menschen aufgrund gewisser körperlich-biologischer oder ethnischer Merkmale diskriminiert, benachteiligt, unterdrückt oder verfolgt werden
Das Wort Rassismus wird in dieser Lesart von Sprechern in der Regel nur verwendet, um Denk- und Verhaltensweisen, Bestrebungen oder Maßnahmen anderer, insbesondere des politischen bzw. weltanschaulichen Gegners, zu charakterisieren und negativ zu bewerten.
Beispiele:
Zehn Millionen Roma leben in Europa, geschätzte 100.000 in Deutschland. Sie haben noch immer mit offenem Rassismus, Ausgrenzung, Verarmung zu kämpfen. [Süddeutsche Zeitung, 04.04.2014]
Um ein Vielfaches mehr als […] Weiße berichten Schwarze [in den USA] von alltäglichem Rassismus, schlechteren Schulen, von Schwierigkeiten im Umgang mit der Polizei oder bei der Arbeitsplatzsuche, in Restaurants, Banken oder vor Gericht. [Die Zeit, 08.07.2016 (online)]
Übertrieben positive Darstellungen des Afrikaners sind dem entwicklungstechnischen Diskurs […] vermutlich genausowenig förderlich wie Rassismen und negative Vorurteile. [Der Standard, 25.11.2011]
Rassismus in Brasilien ist also nicht nur eine Sache von Weißen gegenüber Schwarzen: Jeder, der ein bisschen heller ist, neigt dazu, die zu diskriminieren, die dunkler sind. [Die Zeit, 01.12.2006, Nr. 49]
Wie so oft, wenn in Indonesien soziale Spannungen in Aufruhr umschlagen, brachen Rassismus und Fremdenhaß aus, suchte sich die Mordlust traditionelle Opfer – in der chinesischen Minderheit, die nur vier Prozent der Bevölkerung stellt, aber Handel und Industrie weitgehend kontrolliert. [Der Spiegel, 18.05.1998, Nr. 21]
Wir […] sind der Meinung, daß ein Land [wie Südafrika], das Rassismus und Apartheid als offizielle Politik betreibt, nicht an der internationalen Sportbewegung wie auch nicht an anderen internationalen Kontakten beteiligt werden darf. [Der Spiegel, 12.05.1980, Nr. 20]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: latenter, offener, unterschwelliger, unbewusster Rassismus; institutioneller, alltäglicher Rassismus; menschenverachtender, dumpfer Rassismus; weißer, schwarzer Rassismus
als Akkusativobjekt: (den) Rassismus anprangern, verharmlosen, verurteilen, beklagen, bekämpfen; Rassismus leugnen, wittern, überwinden
als Dativobjekt: dem Rassismus entgegenwirken, entgegentreten
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Aktionstag, der Kampf, Aktionen gegen Rassismus; gegen Rassismus demonstrieren, sich engagieren; die Opfer von Rassismus
mit Genitivattribut: der Rassismus der Weißen, der Nationalsozialisten
in Koordination: Rassismus und Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Kolonialismus, Rechtsextremismus, Apartheid
hat Präpositionalgruppe/-objekt: der Rassismus in der Gesellschaft, im Alltag
als Genitivattribut: die Gefahr, der Vorwurf des Rassismus
häufig polemisch als Schlagwort oder Kampfbegriff in der gesellschaftlichen bzw. politischen Auseinandersetzung
Beispiele:
Ein schottischer Funktionär, der die Bestechlichkeit einflussreicher Fifa-Leute aus exotischen Kleinstländern anprangert, wird mit dem Vorwurf des Rassismus mundtot gemacht. [Die Zeit, 31.05.2012, Nr. 23]
Wurden früher die großen weltanschaulichen Schlachten geschlagen, so erregen sich Studenten, aber auch Dozenten heute schon über Plakate, die ihrer Meinung nach sexistisch seien, über Professoren, die schlicht ihrer Forschung nachgehen, die ihnen aber nicht gefällt. Schnell sind alle Beteiligten dabei, einander Rassismus, Sexismus, Faschismus vorzuwerfen. [Die Welt, 14.11.2017]
Wie so oft beschränkt sich die Kritik [an ausländerpolitischen Maßnahmen] aber auf anprangernde Schlagworte wie Diskriminierung und Rassismus. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2006]
»Ich wurde [als Schulleiter wegen einer schulischen Maßnahme] als mieser Deutscher beschimpft«, sagt er. Auch sei ihm Rassismus unterstellt worden. »Das ist unterhalb der Gürtellinie«[…]. [Berliner Zeitung, 11.01.2005]
Die Verwendung des Wortes »Rassismus« signalisiert Empörung und Tatkraft. […] »Rassismus« ist ein Kampfbegriff, ein Etikett, ein Fanalwort gegen die Trägheit. Aber seine Bedeutung changiert, ja verliert sich in Beliebigkeit. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000]
Kollokation:
als Akkusativobjekt: jmdm. Rassismus unterstellen, vorwerfen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktionstag Antisemitismus Apartheid Ausgrenzung Ausländerfeindlichkeit Ausländerhaß Bekämpfung Bündnis Chauvinismus Diskriminierung Faschismus Fremdenfeindlichkeit Fremdenhaß Gewalt Imperialismus Intoleranz Kolonialismus Militarismus Nationalismus Neokolonialismus Neonazismus Rechtsextremismus Rechtsradikalismus Sexismus Weltkonferenz Zionismus alltäglich institutionalisiert latent unterschwellig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rassismus‹.

Zitationshilfe
„Rassismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rassismus>, abgerufen am 20.09.2019.

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