Raubbau, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungRaub-bau
WortzerlegungraubenBau
eWDG, 1974

Bedeutung

Bergmannssprache, Landwirtschaft, Forstwesen Wirtschaftsführung im Kapitalismus, um augenblicklich hohe Erträge zu erzielen bei teilweise starker Beeinträchtigung der Erzeugungsgrundlagen, besonders der Bodenfruchtbarkeit
siehe auch Abbau (Lesart 1)
Beispiele:
der Raubbau am Wald
der Raubbau auf den Zechen
Raubbau mit den Forsten (be)treiben
Kohle, Erz im Raubbau gewinnen
übertragen übermäßige Beanspruchung
Beispiele:
ein Raubbau an, mit der Gesundheit
Raubbau mit seinen Kräften treiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Raub · rauben · Räuber · Räuberei · räubern · räuberisch · Raubbau · raubgierig · Raubgier · Raubritter · Raubvogel · Raubtier
Raub m. ‘das Rauben, gewaltsame Wegnahme, geraubtes Gut, Beute’, ahd. roub (8. Jh.), asächs. -rōf (in nōdrōf) ‘gewaltsame Entreißung, Beute, Raub’, mhd. roup, roub ‘(Sieges)beute, Geraubtes, Räuberei, Plünderung, Ernte eines Feldes’, mnd. rōf, mnl. nl. roof, aengl. rēaf ‘Raub, Beute, Kleidung, Rüstung’ gehört zu einem im Dt. untergegangenen starken Verb, belegt in aengl. rēofan ‘brechen, zerreißen’, berēofan ‘berauben’, anord. rjūfa, rjōfa ‘brechen, zerreißen’. Westgerm. *rauba- bedeutet demnach eigentlich ‘das Ab-, Entreißen, das Entrissene’ und bezeichnet vor allem die Kriegsbeute, also auch die dem Gegner abgenommene Rüstung und Kleidung. Fraglich ist, ob im Germ. bzw. Ahd. auch ein Femininum existierte oder ob den Entlehnungen ins Mlat. und ins Roman. flektierte Formen des Maskulinums zugrunde liegen (s. ↗Robe). Die nächsten außergerm. Verwandten sind aind. rōpáyati ‘verursacht Reißen, bricht ab’, rúpyati ‘hat Reißen im Leib’, lat. rumpere (ruptum) ‘brechen, zerreißen’, rūpēs ‘Fels, Klippe’, lit. rūpė́ti ‘kümmern, Sorge machen, am Herzen liegen’, rupùs (älter rùpas) ‘rauh, holperig, (grob)körnig’, rūpùs ‘besorgt, sorgfältig, vor-, fürsorglich, beflissen’, russ. (älter) rúpit’ (рупить) ‘besorgt machen, beunruhigen’, anzuschließen an ie. *reup- ‘ausreißen, zerreißen, brechen’, eine p-Erweiterung der vielfach weitergebildeten Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’ (s. auch ↗raufen). rauben Vb. ‘gewaltsam in Besitz bringen, unter Anwendung oder Androhung von Gewalt wegnehmen, stehlen, entreißen’. Das gemeingerm. schwache Verb ahd. roubōn ‘(be)rauben’ (9. Jh.; vgl. biroubōn, irroubōn ‘ausplündern’, 8. Jh.), mhd. rouben, auch ‘von etw. abbringen’, asächs. rōƀon, mnd. mnl. rōven ‘(be)rauben, plündern’, nl. roven, aengl. (be)rēafian ‘plündern, mit Gewalt nehmen’, engl. to bereave ‘(be)rauben’, anord. raufa ‘ein Loch brechen’, auch (aus dem Mnd. entlehnt) ‘rauben’, got. biraubōn ‘berauben’ ist entweder vom Substantiv (s. oben) abgeleitet oder gehört, wofür semantische Gründe sprechen (vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 10), als Deverbativum zu dem dort erwähnten, im Dt. untergegangenen starken Verb (germ. *reufan). Räuber m. ‘wer raubt, auf Raub ausgeht, vom Raub lebt, Bandit’, ahd. roubāri (11. Jh.), mhd. roubære, röubære, röuber, mnd. mnl. rōver, nl. rover, aengl. rēafere, engl. reaver, anord. (aus dem Mnd.) raufari ‘Räuber’. Räuberei f. ‘fortwährender Raub’, mhd. rouberīe. räubern Vb. ‘wie ein Räuber handeln, stehlen, rücksichtslos an sich reißen’ (19. Jh.). räuberisch Adj. ‘in der Art eines Raubes, Räubers, auf Raub ausgehend, raubgierig’ (um 1600), älter raubisch, räubisch (bei Luther reubisch), mhd. roubisch, röubisch. Raubbau m. ‘Produktionsweise, bei der um eines hohen und raschen Ertrags willen der Fortbestand der Erzeugungsgrundlagen nicht gesichert wird’ (18. Jh.), ursprünglich bergmännisch, aus der Wendung auf den Raub bauen ‘rücksichtslos, mit geringem Kostenaufwand ausbeuten und nicht an den künftigen Ertrag denken’ (Ende 17. Jh.). raubgierig Adj. ‘gierig nach Raub drängend’ (16. Jh.); dazu rückgebildet Raubgier f. (18. Jh.). Raubritter m. ‘vom Straßenraub lebender Ritter des späten Mittelalters’ (19. Jh.). Raubvogel m. ‘beuteschlagender Vogel’ (16. Jh.). Entsprechend Raubtier n. (Anfang 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbeutung Bodenschatz Energieträger Fischbestand Gesundheit Kahlschlag Kinderarbeit Klimawandel Lebensgrundlage Monokultur Natur Planbehörde Regenwald Ressource Rohstoff Tropenwald Umwelt Umweltverschmutzung Urwald Verschmutzung Wald anprangern betrieben hemmungslos jahrzehntelang kolonial rächen rücksichtslos unverantwortlich ökologisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Raubbau‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es geht mir um die allgemeine moralische Verfassung, um den Raubbau an unseren Werten.
Die Welt, 11.10.2002
Es sei mit dem Raubbau der letzten Jahrzehnte im deutschen Walde vorbei.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 03.03.1936
Durch Raubbau ging der Austernfang in neuerer Zeit zunächst stark zurück.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 179
Die einst musterhaften Mischwälder waren durch Raubbau in dürftige Kiefernmonokulturen verwandelt worden.
Günter de Bruyn, Die Finckensteins: Berlin: Siedler 1999, S. 232
Daß das globale Ökosystem aus den Fugen geraten ist, führen Vertreter der Nachhaltigkeit auf einseitigen Raubbau an den Ressourcen der Erde zurück.
o. A. [kalt]: Nachhaltigkeit. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1997]
Zitationshilfe
„Raubbau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raubbau>, abgerufen am 24.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Raubauz
Raubanfall
raub-
Raub
rau
Raubbegierde
raubbegierig
Raubbeutler
Raubdelikt
Raubdruck