Rauchfang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungRauch-fang
WortzerlegungRauchFang
eWDG, 1974

Bedeutung

siehe auch fangen (Lesart 2 u. 3)
1.
veraltend trichterförmiges Zwischenstück zwischen dem offenen Herd und dem Schornstein, das den Rauch auffängt und ableitet
Beispiele:
der Rauchfang eines Kamins
Schinken, Wurst in den Rauchfang hängen (= räuchern)
Kommen Sie durch den Rauchfang herunter? [WedekindErdgeistIV 8]
umgangssprachlich, bildlich das kannst du in den Rauchfang hängen, schreibendas kannst du als verloren betrachten
Beispiel:
und der Militärfiskus könnte die Pacht in den Rauchfang schreiben [G. Hauptm.RattenIII]
2.
österreichisch Schornstein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fangen · Fang · Rauchfang · Windfang · Fangschuß · Fangstoß · Fänger · Gefangenschaft · Gefängnis · verfangen · verfänglich
fangen Vb. ‘(er)greifen, zu fassen bekommen, der Freiheit berauben’. Das ursprünglich reduplizierende Verb mit grammatischem Wechsel ahd. fāhan (8. Jh.), mhd. vāhen, vān, nach Nasalausfall vor h und daraus folgender Dehnung des Vokals hervorgegangen aus germ. *fanhan, hat in Infinitiv und Präsens seit dem 16. Jh. eine allmähliche Angleichung des Konsonantismus an die Präteritalformen erfahren; in poetischer Sprache ist fahen jedoch noch bis ins 19. Jh. bezeugt. Das Verb und seine germ. Entsprechungen asächs. fāhan, mnd. vān, vangen, mnl. vanghen, nl. vangen, anord. , schwed. , aengl. fōn, got. fāhan führen mit den außergerm. Verwandten lat. pangere ‘befestigen, einschlagen’, pacīscī ‘ein Übereinkommen treffen, einen Vertrag schließen’ (s. ↗Pakt), griech. pássalos (πάσσαλος) ‘Pflock, Nagel, Haken’, págē (πάγη) ‘al-les, was festhält, Schlinge, Falle’, aind. pā́śaḥ ‘Schlinge, Band, Kette’ auf eine Wurzel ie. *pā̌k̑-, *pā̌g̑- ‘festmachen’ (wozu auch ↗Fach, ↗fügen, s. d.). Fang m. ‘das Gefangene, Beute’, jägersprachlich ‘Kralle, Schnabel’ (eines Raubvogels), ‘Reißzahn, Rachen’ (bei verschiedenen anderen Tieren), ‘Todesstoß’ (für krankes Wild); ahd. -fang (nur als Kompositionsglied, z. B. in anafang, s. ↗Anfang), mhd. vanc. Rauchfang m. ‘Rauchabzug, Schornstein’ (15. Jh.). Windfang m. ‘Windschutzvorrichtung, dem Wind ausgesetzte Seite’, ahd. wintfang (9. Jh.), mhd. wintvanc. Fangschuß m. ‘tödlicher Schuß, Gnadenschuß für verwundetes, krankes Wild’ (19. Jh.). Fangstoß m. ‘Gnadenstoß mit einer Stichwaffe’ (19. Jh.), z. B. mit dem Hirschfänger ‘Seitengewehr des Jägers’. Fänger m. ‘wer etw. fängt, auffängt’ (17. Jh.); vgl. ahd. -fangāri als Kompositionsglied z. B. in intfangāri (s. ↗Empfänger). Gefangenschaft f. ‘Freiheitsverlust, Unfreiheit’, mhd. gevangenschaft; vgl. ahd. gifengida ‘Gefangenschaft’ (9. Jh.). Gefängnis n. ‘Freiheitsentzug, Strafe, Zustand und Ort der Unfreiheit, Gewahrsam, Strafvollzugsanstalt’, mhd. (ge)vancnisse, (ge)vencnisse ‘Gefangennahme, Gefangenschaft’, mnd. gevenknisse, mnl. g(h)evangenesse, -nisse, nl. gevangenis. verfangen Vb. ‘wirksam sein, nützen’, ahd. firfāhan ‘ergreifen, umfassen, nützen’ (9. Jh.), mhd. vervāhen, vervān ‘fassen, fangen, gewinnen, wahrnehmen, geistig auffassen, (hart) beurteilen, ausrichten, fördern, nützen’, häufig reflexiv sich verfangen ‘sich verstricken, in Komplikationen geraten’ (bereits mhd.); daher verfänglich Adj. ‘heikel, riskant’, anders mhd. vervanclich, vervenclich ‘nützlich, wirksam’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abgaskanal · ↗Abzug · ↗Abzugsrohr · ↗Esse · ↗Kamin · Rauchfang · ↗Schlot · ↗Schornstein  ●  Rauchfang  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Kamineffekt · Naturzug

Typische Verbindungen
computergeneriert

Herd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rauchfang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Samstag bauten Arbeiter den Rauchfang am Dach der Sixtinischen Kapelle auf.
Die Zeit, 10.03.2013 (online)
Ein Rauchfang führte den Rauch in den Rauchschlot, Schwarze Küche.
o. A.: Lexikon der Kunst - H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 16981
In ebendiesem Saale lag eine tote Schwalbe, die mutmaßlich durch den Rauchfang gekommen war und den Ausgang nicht hatte finden können.
Die Welt, 24.08.2000
Dieses mexikanische Hospiz bestand aus einem einzigen langen Saal mit einem Rauchfang über dem Feuerplatz.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 266
Da riß ihr ein Windstoß, der durch den Rauchfang kam, die Türe aus der Hand und löschte die Lichter.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 59
Zitationshilfe
„Rauchfang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rauchfang>, abgerufen am 23.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Rauchfahne
Rauchfaden
Raucherzimmer
Räucherwurst
Räucherwerk
Rauchfangkehrer
rauchfarben
Rauchfass
Rauchfleisch
rauchfrei