Raureif, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Rau-reif
Wortzerlegung rauReif2
Ungültige Schreibung Rauhreif
Rechtschreibregeln Einzelfälle
eWDG, 1974

Bedeutung

lockerer weißer, kristalliner Überzug, der sich bei windstillem Frostwetter durch unterkühlten Nebel bildet
Beispiel:
glitzernder Raureif liegt auf den Zweigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rauh · Rauchwerk · Rauchware · rauhen · Rauhbein · rauhbeinig · Rauhreif
rauh Adj. ‘uneben, nicht glatt, rissig, derb, heiser, schroff, unwirtlich (von Klima, Landschaften)’, ahd. rūh ‘uneben, struppig, zottig, stachlig’ (9. Jh.), mhd. rūch, rūhe, , rouch ‘haarig, struppig, zottig, herb, hart, streng, unwirsch, ungebildet’, mnd. rūch, , rūwe, mnl. ruuch, , rou, nl. ruig ‘rauh, haarig, zottig’, afries. rūch, aengl. rūh, auch ‘unbereitet, ungezähmt’, engl. rough ‘rauh, grob’ (westgerm. *rūhwa-) vergleichen sich mit asächs. rūgi ‘rauhe Decke’, rūwi ‘rauhes Fell’, mhd. riuhe, rūhe ‘Rauheit, Behaartheit, Pelzwerk’, aengl. rȳhe, rūwa, rēowe ‘Wolldecke’, anord. ‘Wolldecke’ und außergerm. mit aind. rūkṣáḥ ‘rauh, trocken, dürr, abgezehrt’, lit. raũkas ‘Runzel, Falte’, raũkti ‘(die Stirn) runzeln, zusammenziehen, furchen, falten’, rùkti ‘faltig, runzelig werden’. Alle Formen führen auf ie. *reuk-, *rūk- ‘rupfen’, eine Gutturalerweiterung der unter ↗Raub (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’. Die oben genannten germ. Formen beziehen sich also ursprünglich auf Art und Aussehen ausgerupfter, struppiger Wollzotten. Neben rauh besteht bis ins 19. Jh. hinein die Form rauch mit der speziellen Bedeutung ‘behaart, haarig, mit Haaren bewachsen’, entstanden aus der unflektierten Form mhd. rūch (neben flektiertem rūher; vgl. hoch neben hoher). Erhalten ist diese Adjektivform in den Zusammensetzungen Rauchwerk n. ‘veredelte Pelzware’ (1. Hälfte 16. Jh.; vgl. mhd. rūchwerc ‘Kürschnerhandwerk’) und Rauchware f. ‘Pelze, Pelzwerk’ (Anfang 17. Jh.; vgl. mnd. rūware ‘Felle, Pelzwerk’). rauhen Vb. ‘rauh machen, aufrauhen’ (18. Jh.); vgl. mhd. riuhen. Rauhbein n. ‘nach außen grob erscheinender, aber im Grunde guter Mensch’ (2. Hälfte 19. Jh.), rückgebildet aus rauhbeinig Adj. das als volksetymologische Wiedergabe von engl. rawboned ‘hager, (grob)knochig, klapperdürr’ gilt. Die Rauhbeinigen ist eine spöttische Bezeichnung der Studentensprache (etwa 1800 bis 1830) für die Berliner Bürgerpolizei, vgl. Fabricius in: ZfdWf. 3 (1902) 100. Rauhreif m. bei windstillem Frostwetter aus unterkühltem Dunst oder Nebel reifartig sich niederschlagender weißer, kristalliner Belag (2. Hälfte 18. Jh.), s. ↗Reif2.

Thesaurus

Synonymgruppe
Raufrost · ↗Reif  ●  Raureif  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
  • bereift · mit Reif bedeckt · mit Reif überzogen · reifbedeckt · reifüberzogen · von Reif bedeckt · von Reif überzogen
  • Frühtau · ↗Morgentau  ●  ↗Tau  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›Raureif‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rauhreif‹.

Verwendungsbeispiele für ›Raureif‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Augen blitzen geheimnisvoll, sein grauer Bart scheint von Raureif überzogen.
Bild, 01.11.2003
Raureif zieht sich über die Brassen und der Wind schneidet eisig in jede Ritze.
Der Tagesspiegel, 19.01.2001
Und der nächtliche Raureif sammelt sich auf Gräsern zu Tropfen funkelnden Lichts.
Die Zeit, 05.01.2000, Nr. 2
So legte sich der Raureif einer müden Vernunft über das ganze Theater.
Süddeutsche Zeitung, 22.09.2001
Raureif tropfte Sonnabend von den Bäumen, in der Luft leichter Nebel.
Die Welt, 15.11.1999
Zitationshilfe
„Raureif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raureif>, abgerufen am 28.05.2020.

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