Raunacht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Raunacht · Nominativ Plural: Raunächte · wird meist im Plural verwendet
Nebenform Rauchnacht · Substantiv · Genitiv Singular: Rauchnacht · Nominativ Plural: Rauchnächte
Aussprache [ˈʀaʊ̯naχt] · [ˈʀaʊ̯χnaχt]
Worttrennung Rau-nacht ● Rauch-nacht
Ungültige Schreibung Rauhnacht
Formgeschichte Vorderglied unsicher, entweder zu rau bzw. rauch (aus rûchmhd ‘haarig’, wegen der fellbekleideten Dämonen in diesen Nächten) oder zu Rauch (wegen des um Weihnachten häufigen Weihrauches).
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Weihnachtsglossar.
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Volkskunde, landschaftlich, besonders D-Südost , A eine der zwölf Nächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag, in denen dem Volksglauben nach eine besondere Verbindung zur Geisterwelt herrscht und unter anderem Wohnungen und Ställe ausgeräuchert werden, um böse Geister zu vertreiben   Der Brauchtum der Raunächte ist besonders in Europa verbreitet. Je nach Region werden drei bis zwölf Nächte zu den Raunächten gezählt.
Beispiele:
Zu meiner Jugendzeit wurden noch viele Traditionen gefeiert. So begannen an Weihnachten auch die Raunächte. Meine Mama ging dann immer mit einem Weihrauchkessel durchs Haus, um die bösen Geister zu vertreiben. [Münchner Merkur, 04.01.2020]
Eingang gefunden in den Volksglauben haben auch die Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar als die »Zwölften«, als »Zwölfnächte«, »Raunächte« oder »Rauchnächte«. Jedenfalls gehen nach alter Volksmeinung in diesen Winternächten böse Geister um, die bewirtet oder durch Räuchern und Lärmen abgewehrt werden müssen. [Rhein-Zeitung, 04.01.2001]
metonymischSchauderhafte Gestalten an allen Ecken und gruslige Hexen versammelten sich: Zum zehnten Mal feierten die Pfaffenfanger eine Raunacht. Inzwischen sind auch die Besucherzahlen recht hoch. Und der jüngste Percht (= als Gestalt des alpenländischen Volksglaubens kostümierte Person) war gerade einmal sieben Jahre alt. [Mittelbayerische, 31.12.2019]
Die Raunächte des Jahres (24./25. Dezember, 31. Dezember/1. Jänner (= Januar), 5./6. Jänner) haben etwas Magisches an sich. […] Die Raunächte sind Nächte des Übergangs. […] [Kleine Zeitung, 02.01.2016]
Da der Jahreswechsel auch in die Zeit der Raunächte fällt, in der gute wie böse Geister unterwegs sind, begleitet den Altjahrsabend in vielen Tälern und Regionen Österreichs auch allerlei heidnisches Brauchtum, wie etwa das Böllerschießen. [NÖ Nachrichten, 09.12.2002]
Der Christabend ist die erste »Rauchnacht«. In den zwölf Nächten bis Dreikönig haben die Geister »offene Zeit«, schreibt der große Münchner Brauchtumsforscher des 19. Jahrhunderts, Karl Stieler. Der Auftakt dazu beginnt am 24. Dezember mit dem Backen eines eigenen Brotes (»Rauchwecken« genannt), dem die Hausfrauen eine geheimnisvolle Kraft nachsagen[…]. [Süddeutsche Zeitung, 24.12.1993]
Die Rauhnächte sind einige Nächte um den Jahreswechsel, denen im europäischen Brauchtum oft besondere Bedeutung zugemessen wird, die für Geisteraustreibung oder ‑beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken besonders geeignet sein sollen. [Leipziger Volkszeitung, 31.01.2011] ungültige Schreibung

letzte Änderung:

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Glöckelnächte · Rauchnacht · Rauhnacht · Raunacht · Zwölfte · zwölf Nächte
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Zwölf Weihnachtstage · Zwölften
Zitationshilfe
„Raunacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Raunacht>, abgerufen am 28.11.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Raumzelle
raumzeitlich
Raumzeit
Raumzahl
Raumwirtschaftstheorie
Raunebel
raunen
Rauner
Raunze
raunzen